In Großbritannien und Österreich wird schwangeren Frauen empfohlen, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland aber, empfiehlt die Impfung für Schwangere aufgrund fehlender Daten bislang nicht. Das Robert-Koch-Institut (RKI) aber weist darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Krankheitsverlauf höher ist als bei nicht-schwangeren Frauen im gebärfähigen Alter. Um diese Risiko-Gruppe zu schützen, dürfen Schwangere zwei Kontaktpersonen wählen, die sich zum Schutz gegen Corona impfen lassen können. Antworten auf die wichtigsten Fragen:
  • Können und sollten sich Schwangere gegen Corona impfen lassen?
  • Ist eine Ansteckung mit Covid-19 oder eine Impfung gefährlicher?
  • Was sind die Risiken und Gefahren für das ungeborene Kind und die Mutter?
  • Wie und wo bekommen Kontaktpersonen einen Impftermin?

Intensivmediziner empfehlen Impfung für Schwangere auch in Deutschland

Auch Schwangere sollen sich in enger Absprache mit dem Arzt theoretisch gegen Covid-19 impfen lassen können. Da es aber an belastbaren Daten zur Anwendung von mRNA-Impfstoffen in der Schwangerschaft fehlt, wird eine generelle Impfung aller Schwangeren derzeit von den Fachgesellschaften nicht befürwortet.
Die Zahl der Schwangeren, die schwer an Covid-19 erkranken steigt langsam aber sicher. Auch die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Verlauf steigt mit der Schwangerschaft. Grund sind ein geschwächtes Immunsystem und die aggressiveren Mutationen des Coronavirus. Intensivmedizinische Behandlungen und Todesfälle sind zwar selten. Allerdings schreibt das RKI: Schwangere mit schwereren Covid-19-Verläufen haben im Vergleich zu Schwangeren mit asymptomatischem oder mildem Verlauf zum Beispiel ein deutlich erhöhtes Risiko für Präeklampsie und vorzeitige Entbindung. Großbritannien, Israel und Österreich empfehlen daher, auch Schwangere zu impfen.
Könnte das in Deutschland auch bald der Fall sein? Zahlreiche Medien berichten von Intensivmedizinern, die die Schutzimpfung auch für Schwangere fordern.

Welche Risiken und Gefahren gibt es für Schwangere bei einer Impfung?

Die Stiko teilt mit, es gäbe zur Anwendung der Covid-19-Impfstoffe in der Schwangerschaft aktuell keine Daten. Daher empfehle die Ständige Impfkomission die generelle Impfung in der Schwangerschaft derzeit nicht. Schwangeren mit Vorerkrankungen und folglich einem erhöhtem Risiko für eine schwere Covid-19-Erkrankung könne jedoch in Einzelfällen nach einer Nutzen-Risiko-Abwägung und nach ausführlicher Aufklärung eine Impfung angeboten werden – alles in Absprache mit dem Hausarzt. Dem Deutschlandfunk sagte ein Mediziner vom Universitätsklinikum Jena, Ekkehard Schleußner: Studien mit Schwangeren aus den vergangenen Wochen zeigten keine „vermehrten schwangerschaftsspezifischen Komplikationen“ oder ein erhöhtes Krankheits- oder Sterbe-Risiko. Auch andere oder schwerere Nebenwirkungen seien bislang nicht bekannt. Die Antikörperbildung verlaufe gleich, zudem gingen die Antikörperauf das Kind über.

Zwei Kontaktpersonen von Schwangeren dürfen sich impfen lassen: Regeln und Formular

Um schwangere Frauen vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen, dürfen Schwangere zwei Personen aus ihrem Umfeld auswählen, die sich Impfen lassen dürfen. Auch dann, wenn sie nach Impfpriorität noch keinen Anspruch auf einen Termin hätten. In der aktuellen Bescheinigung aus Baden-Württemberg (Stand 07.04.) steht: Es „haben u. a. Personen nach den §§ 2 bis 4 CoronaImpfV priorisierten Anspruch auf eine Schutzimpfung gegen das Coronavirus-SARS-CoV-2. Diese Bescheinigung gilt gemäß § 3 Abs. 1 Nr. 3 b) CoronaImpfV für bis zu zwei enge Kontaktpersonen von einer schwangeren Person.“
Dafür ist ein Formular wie das in Baden-Württemberg nötig, in dem die Kontaktdaten der beiden gewählten Personen eingetragen werden müssen. Die Bestimmung erfolgt in der Regel durch die schwangere Person selbst. Die Regel gilt laut Bundesministerium für Gesundheit deutschlandweit. Außerdem heißt es (Stand 03.05.), dass sich künftig auch bis zu zwei enge Kontaktpersonen von einer nicht in einer Einrichtung befindlichen pflegebedürftigen Person der dritten Priorisierungsstufe impfen lassen können. In diesem Fall muss die pflegebedürftige Person entweder über 60 Jahre alt sein oder eine in der Verordnung genannte Erkrankungen haben.