Wegen der Skepsis mancher Menschen gegenüber dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca schlagen Immunmediziner vor, für dieses Vakzin eine Nachimpfung mit einem anderen Wirkstoff zu garantieren. „Man kann die Immunität, die man mit dem Astrazeneca Impfstoff ausgelöst hat, ohne Probleme mit einem mRNA-Impfstoff später noch einmal verstärken“, sagte der Generalsekretär der Deutsche Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl der „Augsburger Allgemeinen“ vom Donnerstag.
„Es wäre ein Leichtes für die Bundesregierung eine neuerliche Impfung mit einem mRNA-Impfstoff zu garantieren, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen, dass die Menschen dadurch besser geschützt wären“, führte der Dortmunder Medizinprofessor aus. „Immunologisch ist das kein Problem, weil bisher alle zugelassenen Impfstoffe bei dem sogenannten Spike-Protein des Coronavirus ansetzen.“

Astrazeneca kein zweitklassiger Impfstoff

Watzl wies zugleich Skepsis gegenüber dem Astrazeneca-Produkt zurück. „Zu sagen, der Astrazeneca Impfstoff, wäre zweitklassig, ist sowohl wissenschaftlich als auch von der öffentlichen Wirkung völlig daneben.“ Das Mittel sei „ein sehr guter Impfstoff, auch wenn die anderen noch ein bisschen besser sind“. Auch die Nebenwirkungen unterschieden sich nur geringfügig.
„Astrazeneca bietet einen deutlichen Schutz vor einer Corona-Erkrankung, der um ein Vielfaches besser ist, als wenn man nicht geimpft ist“, unterstrich Watzl. „Das heißt, wenn man vor die Wahl gestellt wird, jetzt Astrazeneca oder in ein paar Monaten mit einem anderen Impfstoff, sollte man auf jeden Fall jetzt bei Astrazeneca zugreifen.“
Das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (ZI) äußerte Besorgnis, dass breite Vorbehalte gegen das Astrazeneca-Mittel den Impfzeitplan der Bundesregierung um mehrere Wochen zurückwerfen könnten. Das Institut hatte errechnet, dass bis Mitte September unter bestimmten Voraussetzungen allen Bürgern ein Impfangebot gemacht werden könnte. Ohne den Impfstoff von Astrazeneca könne es „bis zu zwei Monate länger dauern, bis dieses Ziel erreicht ist“, sagt ZI-Chef Dominik von Stillfried dem „Handelsblatt“.

Schlechte Kommunikation der Bundesregierung?

Politikerinnen der Opposition warfen der Bundesregierung Fehler in der Kommunikation rund um den Astrazeneca-Impfstoff vor. Die Grünen-Gesundheitspolitikerin Kordula Schulz-Asche sagte der „Welt“ vom Donnerstag, „die Skepsis der Bürgerinnen und Bürger - die sich derzeit sogar auch unter Gesundheits- und Pflegefachpersonal ausbreitet - ist auf eine wirklich fatale Kommunikation zurückzuführen“. Es werde zu wenig erklärt und über die Wirksamkeit des Impfstoffes würden „Schauergeschichten“ erzählt.
„Die Kommunikationsstrategie der Bundesregierung muss bezüglich eventueller Nebenwirkungen oder Impfreaktionen besser werden“, sagte auch die FDP-Gesundheitspolitikerin Christine Aschenberg-Dugnus. „Hier muss die Regierung unverzüglich liefern, denn es darf zu keinem Vertrauensverlust kommen.“