Corona-Gipfel 10.02.2021: Kommen Lockerungen der Regeln?

Werden die Corona-Regeln nach dem Gipfel am Mittwoch, 10.02.2021 gelockert? Betrachtet man die Entwicklung der täglich gemeldeten Infektionszahlen des RKI, erscheint das durchaus möglich. Denn die 7-Tage-Inzidenz liegt am Montag, 08.02. auf ganz Deutschland bezogen bei 76 pro 100.000 Einwohner – sie fällt also fast kontinuierlich. Das erste Ziel ist eine 7-Tage-Inzidenz von unter 50. Immer mehr Landkreise und Städte erreichen diese Marke. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn findet das „ermutigend“.
Allerdings könnten die sich derzeit zunehmend ausbreitenden Mutationen des Coronavirus Hoffnungen auf Lockerungen schnell zunichte machen. Nach Angaben des Chefs des Robert Koch-Instituts (RKI), Prof. Lothar Wieler, sei das „Virus nicht müde“, es habe vielmehr einen neuen „Boost“ erfahren. Aktuell liege der Anteil der britischen Virus-Mutation B117 an der Gesamtzahl der Neuinfektionen bei 6 Prozent. Prof. Lothar Wieler sagte, dass die Ausbreitung von Sars-CoV-2 und den Varianten zumindest verlangsamt werden müsse.
Bei Lockerungen brauche es konsequente Schutzkonzepte, und generell sollten die Zahlen so stark wie möglich gedrückt werden. Auch Minister Jens Spahn warnt vor zu schnellen Lockerungen.

Die Themen des Corona-Gipfels am Mittwoch, 10.02.2021

Auf dem nächsten Corona-Gipfel werden unter anderem folgende Themen besprochen:
  • Schule: Wann öffnen Grundschulen und Kitas wieder?
  • Corona-Regeln: Werden die Vorschriften gelockert?
  • Körpernahe Dienstleistungen: Wann dürfen Friseure und Fitnessstudios wieder öffnen?
  • Handel: Wie sieht es für Geschäfte aus?

Deutschland über Lockdown-Lockerungen gespalten - jeder zweite ist dagegen

Jeder zweite Deutsche ist gegen eine Lockerung des Lockdowns zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sind 37 Prozent für eine Verlängerung der bisherigen Einschränkungen über den 14. Februar hinaus, weitere 13 Prozent sind sogar für eine Verschärfung. Dagegen sind 30 Prozent für eine Lockerung und 13 Prozent für eine komplette Rückkehr zur Normalität. Sieben Prozent machten keine Angaben.
Die Akzeptanz der ergriffenen Maßnahmen schwindet allerdings: Anfang Januar – vor der letzten Verlängerung des Lockdowns – waren noch fast zwei Drittel (65 Prozent) für eine Beibehaltung oder Verschärfung der Maßnahmen. Sehr skeptisch wird auch die Bereitschaft zur Einhaltung der Maßnahmen gesehen. Nur jeder Dritte (33 Prozent) der Befragten ist der Meinung, dass die Einschränkungen ausreichend befolgt werden. 55 Prozent haben dagegen den Eindruck, dass das nicht der Fall ist.

Intensivmediziner: Corona-Lockdown bis März alternativlos

Viele Intensivmediziner sehen in Deutschland weiterhin keine Alternative zum Corona-Lockdown. Die Lage auf den Intensivstationen sei trotz eines Rückgangs der Zahl der Patienten mit einem schweren Covid-19-Verlauf weiterhin ernst, warnte die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) am Montag in München.
"Natürlich können wir den Lockdown nicht unendlich fortsetzen", erklärte Verbandspräsident Gernot Marx. Es sei aber zwingend erforderlich, die derzeit geltenden strengen Corona-Maßnahmen auch über Mitte Februar hinaus zu verlängern. "Anfang März sollten wir dann wieder in die Diskussion einsteigen", erklärte Marx.

Schulöffnung Sachsen: Erstes Bundesland öffnet Schulen, Grundschulen und Kindergärten vor Corna-Gipfel

Einen Tag vor dem Treffen der Bundeskanzlerin mit den Länderchefs am 10.02. hat Sachsen als erstes Bundesland die Schulöffnung beschlossen. Die Entscheidung des Kultusministeriums: die Schulen mit einem eingeschränkten Regelbetrieb für die Kinder öffnen. Auch Grundschulen und Kindergärten (Kita) sollen geöffnet werden.

Handelsverband fordert Lockerungen des Corona-Lockdowns

Der Handelsverband HDE fordert dagegen baldige Lockerungen. Nach zwei Monaten Lockdown und erheblichen Einbußen bräuchten die Unternehmer dringend eine Perspektive für die Öffnung aller Geschäfte, hieß es. Ohne einen solchen Plan "werden wir zehntausende Geschäfte verlieren", warnte der HDE am Montag. Pandemiebekämpfung und offene Ladentüren seien "kein Widerspruch". Die Möbelindustrie verlangte in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ebenfalls ein Öffnungskonzept – mittlerweile sei der "industrielle Kern der Branche bedroht".
HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth erklärte, Lockerungsmaßnahmen müssten schon bei einem Inzidenzwert von über 50 möglich sein – etwa mit strengeren Regeln für die Zahl der Kunden oder die Hygiene. Zudem habe auch laut einer jüngsten Studie unter den Beschäftigten der Branche "kein erhöhtes Infektionsgeschehen festgestellt" werden können.
Der "pauschale und flächendeckende Lockdown ganzer Wirtschaftsbereiche" müsse durch ein Konzept "zielgenauer und regional differenzierter Einzelmaßnahmen zur wirksamen Viruseindämmung ersetzt" werden, forderte Genth. Nötig sei eine gemeinsame Öffnungsstrategie von Bund und Ländern, die auch klarstelle, unter welchen Voraussetzungen die Beschränkungen schrittweise wieder zurückgefahren würden.

Virologin Brinkmann warnt vor neuen Lockdowns bis 2022

Die Virologin Melanie Brinkmann vom Braunschweiger Helmholtz-Zentrum hat eventuelle Lockerungen der Corona-Einschränkungen ab Mitte Februar dagegen scharf kritisiert. Die Hoffnung, man könne "mit einer Inzidenz von knapp unter 50 Maßnahmen lockern und dabei das Virus im Zaum halten", sei "fatal", sagte sie dem "Spiegel". "Mit diesem Kurs haben wir keine Chance. Die Zahlen würden sofort wieder steigen." Das wiederum werde zu ständig neuen Lockdowns noch "bis ins Jahr 2022 hinein" führen, warnte die Expertin, die auch schon Bund und Länder zur Frage der Corona-Politik beraten hat.

Impfung ohne Lockdown reicht nicht im Kampf gegen Coronavirus-Mutationen

Brinkmann verwies auf die Kombination aus langwieriger Impfkampagne und mutierten Varianten des Coronavirus. "Bis September ist vielleicht die Hälfte der Bevölkerung geimpft, wenn alles top läuft", sagte sie. Ohne harten Lockdown werde das unweigerlich dazu führen, dass sich die neuen, ansteckenderen Mutanten vorher durchsetzen. "Wir kriegen niemals genügend Menschen geimpft, bevor die Mutanten durchschlagen", sagte die Virologin. "Dieser Wettlauf ist längst verloren."

Harte Corona-Regeln: Expertin wirbt für „No Covid“-Strategie

Stattdessen wirbt Brinkmann für die „No Covid“-Strategie, die sie und weitere renommierte Wissenschaftler verschiedener Fachbereiche vorgeschlagen hatten. Dazu gehört laut der Virologin: „Eine konsequent durchgesetzte Kontaktvermeidungsstrategie, um die Zahlen sehr schnell zu senken. Damit ließe sich die 7-Tage-Inzidenz zügig unter 10 drücken. Das sei bis Ostern zu schaffen; erst danach solle mit Öffnungen begonnen werden, sagte sie. Bei solch einem Inzidenz-Wert könnten die Gesundheitsämter „wirklich wieder Infektionsketten nachverfolgen, und wir alle bekämen unser Leben zurück. Zumindest ein Leben, so ähnlich wie im Sommer 2020. Dieses Larifari des "Hier ein bisschen Homeoffice, dort ein improvisiertes Hygienekonzept", das muss aufhören.“