Leichtes Aufatmen am Sonntag: Nach den beunruhigenden Meldungen vom Samstag über die hohe Zahl von 781 Neuinfektionen binnen eines Tages melden die Gesundheitsämter in Deutschland nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) eine insgesamt niedrigere Infektionszahl.
Allerdings: Die Zahlen der Neuinfektionen sind am Wochenende tendenziell niedriger als an Werktagen, weil nicht alle Gesundheitsämter ihre Werte übermitteln.

Stuttgart/München

Demnach sind - Stand Sonntag, 26. Juli - nur 305 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages registriert worden. Damit waren seit Beginn der Corona-Krise mindestens 205.269 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, wie das RKI am Sonntagmorgen meldete (Datenstand 26.7., 0.00 Uhr).

Bisher 9118 Tote - Keine neuen Todesfälle

In Deutschland starben nach den RKI-Angaben bislang 9118 mit dem Virus infizierte Menschen - seit dem Vortag kamen jedoch keine neuen Todesfälle hinzu. Bis Sonntagmorgen hatten 190.000 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

R-Wert in Deutschland auf 1,24 gestiegen

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen mit Datenstand 25.7., 0.00 Uhr, in Deutschland bei 1,24. Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwas mehr als einen weiteren Menschen ansteckt. Am Vortag hatte der Wert noch bei 1,08 gelegen. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Sieben-Tages-R ebenfalls erhöht

Zudem gibt das RKI ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Es bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert mit Datenstand 25.7., 0.00 Uhr, bei 1,25. Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen. Am Vortag hatte der Wert bei nur 1,16 gelegen.

Gesundheitsminister Spahn prüft Test-Pflicht für Urtlauber

Angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen fasst Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine Test-Pflicht für Rückkehrer aus dem Urlaub ins Auge. Sein Ministerium prüfe derzeit, ob ein verpflichtender Corona-Test für Rückkehrer aus Risikogebieten umsetzbar sei, sagte Spahn dem Deutschlandfunk. Eine solche Test-Pflicht besteht bislang nicht. Die steigende Zahl neuer Fälle führte Spahn auch auf den Reiseverkehr zurück.
Eine Test-Pflicht würde deutlich über den Beschluss hinausgehen, den Spahn am Freitag mit den Gesundheitsministern der Länder fasste: Sie hatten beschlossen, auf deutschen Flughäfen Teststellen einzurichten, bei denen sich Reiserückkehrer kostenlos auf eigenen Wunsch auf das Virus testen lassen können.

Zweite Welle in Deutschland befürchtet

Die gestiegenen Zahlen der vergangenen Wochen lösen Befürchtungen über eine zweite Welle von Corona-Infektionen aus. Das RKI zeigte sich besorgt über die Entwicklung. „Eine weitere Verschärfung der Situation muss unbedingt vermieden werden“, kommentierte eine RKI-Sprecherin. Denn: Am Donnerstag und Freitag waren dem RKI jeweils rund 800 Neuinfektionen gemeldet worden. Daraufhin hatte die Behörde an die Bevölkerung appelliert, Abstands- und Hygieneregeln konsequent einzuhalten.

Neue Hotspots in Bayern und Österreich

Experten zufolge erfolgt die Verbreitung des Virus aktuell mehr durch Reiserückkehrer und allgemein mehr in der Fläche als wie bisher in Hotspots. Solch ein Hotspot ist zuletzt am Wochenende im bayerischen Mamming entstanden: Dort haben sich in einem landwirschaftlichen Betrieb mindestens 176 Mitarbeiter mit dem Virus infiziert, rund 480 sind in Quarantäne.
Auch in Sankt Wolfgang in Österreich gibt es einen Corona-Ausbruch, dort haben sich rund 40 Menschen vorwiegend aus der Hotel- und Gastrobranche infiziert. Es handelt sich laut n-TV vorwiegend um Praktikanten, die in Lokalen gefeiert hätten. Zwei Lokale wurden geschlossen, unter den Infizierten sei auch ein Tourist.

Friedrichshafen

Für Aufregung sorgte die Einschätzung des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, dezufolge die zweite Infektionswelle der Corona-Pandemie Deutschland längst erreicht habe: „Die zweite Corona-Welle ist schon da. Sie findet bereits jeden Tag statt. Wir haben jeden Tag neue Infektionsherde, aus denen sehr hohe Zahlen werden könnten“, sagte der CDU-Politiker der „Rheinischen Post“ (Samstag). Die Aufgabe bestehe darin, mit den Gesundheitsämtern diese Welle jeden Tag neu zu brechen. „Das klappt erstaunlich gut.“