Zur Eindämmung der Corona-Seuche liegt der Breitensport in vielen Bereichen brach, selbst Freiluft-Einzelsportarten wie Tennis und Golf, bei denen ein Mindestabstand eigentlich kein Problem sein dürfte, sind teilweise noch verboten – zum Unmut der Tennis-Vereine und Golf-Clubs sowie des Deutschen Tennisbunds (DTB) und des Deutschen Golfverbands (DGV). Doch jetzt haben Bayern und Baden-Württemberg Lockerungen angekündigt, beziehungsweise beschlossen. Bis dahin war es ein langer Weg, der Druck war in den letzten Tagen gestiegen.
Am Donnerstag, 30.04., hatteKanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Länder über den Stand der Bekämpfung der Pandemie beraten. Viele rechneten damit, dass dabei mögliche Lockerungen der Corona-Verordnungen ein Thema sein werden. Doch zur Enttäuschung hunderttausender Sportler wurde keine Entscheidung getroffen, es gab vor allem in sozialen Medien viele, die Unverständnis äußerten.
Am Montag machte auch Baden-Württembergs Sportministerin Susanne Eisenmann (CDU) Druck mit Blick auf die erneuten Beratungen am Mittwoch, 6. Mai.

Mögliche Lockerungen bei Einzelsportarten

Es sollte bereits in der Videoschalte vergangene Woche um Möglichkeiten zur Wiederaufnahme von Einzelsportarten an der frischen Luft gehen, die keine Mannschafts- oder Kontaktsportarten sind und bei denen keine Gruppen gebildet werden. Zum Beispiel:
  • Tennis (nur Einzel, kein Doppel)
  • Golf
  • Reiten
  • Badminton
  • Tischtennis
  • Bogenschießen

Merkel: „Sehr klare Entscheidungen“ über Sport am Mittwoch, 6. Mai

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nun für die nächste Bund-Länder-Konferenz mit den Ministerpräsidenten am 6. Mai „sehr klare Entscheidungen“ für den Sport in der Corona-Krise angekündigt. Dann werde es darum gehen, in welcher Art und Weise und unter welchen Bedingungen „bestimmte sportliche Betätigungen“ wieder möglich sein werden, sagte Merkel. Bei der anstehenden Konferenz am Mittwoch solle unter anderem das Konzept der Sportminister ausgewertet werden.
In Bayern und Baden-Württemberg wurden dann bereits am Dienstag Tatsachen geschaffen.

Ministerin Susanne Eisenmann fordert zügige Lockerungen für den Breitensport

Zuvor hat die CDU-Politikerin Susanne Eisenmann, Ministerin für Kultus Schule und Sport in Baden-Württemberg, am Montag zeitnahe Lockerungen für den Amateur- und Breitensport gefordert. Der Beschluss der Sportministerkonferenz mit Empfehlungen zur Wiederaufnahme des Sportbetriebs liege bereits seit einer Woche vor, sagte die 55-Jährige. „Es leuchtet mir nicht ein und ist auch den Menschen nicht zu vermitteln, warum kontaktfreie Trainings- und Übungsangebote von Sportvereinen im Freien unter Einhaltung strenger Abstands- und Infektionsschutzregeln weiter nicht ausgeübt werden dürfen“, so Eisenmann.

Pläne für Lockerungen im Sport bereits fertig

„Ein Konzept für die Wiederaufnahme des Sports an der frischen Luft haben wir bereits erarbeitet. Gerade Sportarten wie zum Beispiel Tennis, Golf, Klettern, Reiten sowie Kanu- und Rudersport, aber auch andere sportliche Aktivitäten im Freien – unter Einhaltung der Vorgaben - müssen sehr zeitnah wieder möglich sein“, erklärte die Ministerin.
Baden-Württembergs Sportministerin Susanne Eisenmann (CDU), hier mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), erhöht den Druck für eine Entscheidung zu Sportarten wie Tennis und Golf.
Baden-Württembergs Sportministerin Susanne Eisenmann (CDU), hier mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), erhöht den Druck für eine Entscheidung zu Sportarten wie Tennis und Golf.
© Foto: Bernd Weissbrod, dpa

Baden-Württemberg kündigte eigenen Weg beim Breitensport an

Die Ministerin erhöhte damit den Druck auf die Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel für die kommenden Beratungen: „Sollte das Thema Breitensport bei der nächsten Runde zwischen den Ministerpräsidenten und der Bundeskanzlerin am Mittwoch erneut nicht behandelt und entschieden werden, müssen wir in Baden-Württemberg einen eigenen Weg gehen“, sagte Eisenmann.

Tennis ist derzeit in den meisten Bundesländern verboten

Tennisspielen ist derzeit in 13 von 16 Bundesländern verboten. Lediglich in
  • Rheinland-Pfalz
  • Brandenburg
  • und Mecklenburg-Vorpommern
darf – stand 5. Mai – auf Tennis-Anlagen gespielt werden.
Bedingungen für Lockerungen bei Einzelsportarten sind Regelungen die den Hygienevorschriften entsprechen. Das heißt, Duschen und Umziehen in den Umkleiden wäre verboten, und Sportgeräte müssten desinfiziert werden. Bedingung für die Wiederaufnahme des Sports ist unter anderem, dass ein Mindestabstand von 1,5 bis 2 Metern gewährleistet ist. Außerdem sollten die Sportstätten separate Ein- und Ausgänge haben.

Virologin: Bei Tennis, Golf und Reiten kein großes Risiko

Aus Experten-Sicht ist nach Meinung der Münchner Virologie-Professorin Ulrike Protzer gegen Einzelsportarten nichts einzuwenden. Zu den Beschränkungen im Breitensport sagte sie: „Man muss die Sportarten zulassen, bei denen kein großes Risiko besteht. Tennis, Reiten oder Golf sind eher unkompliziert. Aber da, wo man nah beieinander ist, im Fitnessstudio oder in geschlossenen Räumen, da ist es sicherlich noch problematisch.“
Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte bereits am vergangenen Samstag der Funke Mediengruppe im Zusammenhang mit allgemeinen Lockerungen: „Wir alle spüren ja, dass es für viele schwer verständlich ist, warum Läden mit 799 Quadratmetern öffnen dürfen, Läden mit 801 aber nicht. Oder warum man um den See spazieren gehen darf, aber nicht Golf spielen kann.“ Entscheidend dafür, was stattfinden oder öffnen könne, müssten vor allem Abstands- und Hygieneregeln sein.

Tennis und Golf sind populär in Deutschland

Tennis und Golf sind beliebte Sportarten, das sind die Zahlen für Deutschland:
  • Aktuell gibt es fast 9000 Tennisvereine
  • Der Deutsche Tennis Bund ist mit rund 1,4 Millionen Mitgliedern der größte Tennisverband der Welt.
  • Es gibt 45.916 Tennis-Courts
  • Es gibt 840 Golfclubs (Stand 2018)
  • Mehr als 642.000 Deutsche (Stand 2018) spielen Golf

Golfclub in Bayern widersetzt sich der Verordnung und öffnet Platz

Viele Sportler, insbesondere Golfer und Tennisspieler verstehen nicht, warum sie ihren Freiluftsport trotz der großen Distanzen zwischen den Spielern und trotz der anderweitigen Lockerungen immer noch nicht ausüben dürfen. In Bayern widersetzt sich nun ein Golfclub dem Verbot: Der Geschäftsführer der Golfanlage Bergkramerhof in Wolfratshausen, Josef Hingerl, hielt das in Bayern bis dato geltende Öffnungsverbot für rechtswidrig und hat die Anlage am Montag, 4. Mai 2020, kurzerhand geöffnet. Das Prinzip der Verhältnismäßigkeit sei nicht gewahrt.
Mindestens hundert Golfer seien in der Anlage unterwegs, berichtete Hingerl. „Die Polizei war da und hat ein Ordnungswidrigkeitenverfahren aufgenommen“, sagte der 72-jährige Rechtsanwalt. „Das spielt aber keine Rolle, weil ich davon ausgehe, dass die Einstellung des Betriebs am heutigen Tage verfassungswidrig ist.“

Beim Golf spielen 7000 Quadratmeter Platz pro Person

In vielen anderen Bundesländern dürfe bereits wieder gespielt werden. Sport sei grundsätzlich auch in Bayern erlaubt. Und eine Ansteckung mit dem Coronavirus sei auf einem Golfplatz so unwahrscheinlich wie kaum irgendwo sonst. Der Platz sei 70 Hektar groß. „Wenn hundert Leute spielen, hat jeder 7000 Quadratmeter.“
Bevor Dr. Josef Hingerl den Platz öffnete, veröffentlichte er im Internet eine „Eilinformation, in der er ankündigte, die volle Verantwortung zu übernehmen. Bald darf der Club legal öffnen.

Boris Becker sieht Tennis in Bedrängnis

Auch im Profisport droht die Corona-Krise Folgen zu hinterlassen. Der dreimalige Wimbledonsieger Boris Becker sieht den Tennissport in schwerer Bedrängnis. "Wir stecken in der Krise. Abgesehen von den Top 50 oder 75 bei Männern und Frauen brauchen die Spielerinnen und Spieler Woche für Woche ihre Preisgelder", sagte Becker (52) in einem Interview bei laureus.com.
Dies sei aufgrund der Corona-Pandemie unmöglich, noch mehr sogar: "Sie können nicht spielen. Sie können noch nicht mal zu einem Verein gehen und Trainingsstunden geben." Kleine Turniere seien zudem in ihrer Existenz bedroht: "Es ist eine Frage der Zeit."