Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus steigt in Frankreich weiter drastisch an. Letzten Freitag, einen Tag nach der weiteren Verschärfung der Corona-Maßnahmen in Frankreich, ist dort ein neuer Rekord bei den Infektionsfällen verzeichnet worden. Innerhalb von 24 Stunden sind etwas mehr als 16.000 Corona-Neuinfektionen vermeldet worden. Nachdem die Zahl zwischenzeitlich auf 8000 abgesunken war, haben sich nach Angaben des französischen Gesundheitsministeriums am Freitag innerhalb von 24 Stunden erneut mehr als 10.000 Menschen angesteckt. In ganz Frankreich wurden mehr als 15.000 Neuansteckungen registriert - somit liegt die Zahl knapp unter dem Höchststand von mehr als 16.000 aus der vergangenen Woche.

Paris droht ab Montag höchste Corona-Warnstufe

In Paris sind nach Angaben des Ministers alle drei Kriterien für die höchste Corona-Warnstufe erfüllt: Die Zahl der Neuansteckungen liegt mit 263 pro 100.000 Einwohner über der kritischen Marke von 250 Fällen; unter älteren Menschen liegt sie mit 105 über der Warnstufe von 100. Auch das dritte Kriterium einer 30-prozentigen Auslastung der Intensivbetten in den Krankenhäusern ist erfüllt. Wenn sich die Entwicklung in den kommenden Tagen bestätige, habe die Regierung "keine andere Wahl, für Paris und seine direkte Umgebung ab Montag die höchste Warnstufe auszurufen", sagte Véran. Bisher gilt die „maximale Alarmstufe“ im französischen Überseegebiet Guadeloupe und in Marseille. In der südfranzösischen Hafenstadt mussten die Restaurants und Bars daher bereits schließen - dagegen hatte es massiven Protest gegeben. In Paris müssen Bars bisher um 22 Uhr schließen, Restaurants dürfen auch länger geöffnet bleiben. Allerdings dürfen sie Alkohol nur im Zusammenhang mit einer Mahlzeit ausschenken.

Coronavirus Frankreich: Paris stehen drastische Maßnahmen bevor

Besonders in der Hauptstadt Frankreichs steigen die Fallzahlen rapide an. Die stellvertretende Bürgermeisterin Anne Souyris sagte dem Sender Franceinfo, zwei der drei Kriterien für die höchste Corona-Warnstufe seien in Paris erfüllt. Die Zahl der Neuansteckungen liege bei mehr als 250 Fällen pro 100.000 Einwohner, unter älteren Menschen bei 100 Fällen. Auch das dritte Kriterium einer 30-prozentigen Auslastung der Intensivbetten in den Krankenhäusern sei nahezu erreicht. Eine mögliche Maßnahme könnte die Schließung aller Bars und Restaurants der Stadt sein.

Corona Gebiete Frankreich: Region Grand-Est mit Elsass und Lothringen kein Risikogebiet

Das Robert Koch-Institut aktualisierte seine Liste der Risikogebiete, auf der nun mit Wales und Nordirland erstmals auch Gebiete Großbritanniens stehen. In Frankreich kamen die Regionen Pays de la Loire und Burgund (Bourgogne) hinzu. Davon ausgenommen bleibt im größten Nachbarland Deutschlands nur noch die an Deutschland angrenzende Region Grand-Est, zu der das Elsass und Lothringen gehören.

Premier Jean Castex schließt neuen Lockdown in Frankreich nicht aus

Premierminister Jean Castex wollte bei einem Live-Auftritt im Fernsehen einen neuen Lockdown nicht ausschließen, wenn sich die Situation weiter verschlechtern sollte. Er will nach eigenen Worten aber alles dafür tun, dass es niemals so weit kommt. Was in diesem Fall mit der Grenze passieren würde, ist unklar. Aus Baden und Straßburg kam ein Appell gegen mögliche Corona-Einschränkungen an der Grenze zwischen Frankreich und Deutschland, wie sie nun wieder für Vorarlberg gelten und auch in Tirol drohen.

Verschärfte Maßnahmen in Frankreich wegen hoher Zahl an Neuinfektionen

Der starke Anstieg der Neuinfektionen sorgt bei der Regierung für wachsende Alarmstimmung. Sie verschärfte deshalb am Mittwoch die Maßnahmen vor allem in den Großstädten. Experten weisen trotz allem darauf hin, dass die Infektionszahlen zu Beginn der ersten Corona-Welle im März und April wegen der niedrigen Testkapazitäten nur einen Bruchteil der tatsächlichen Ansteckungen erfasst hatten und sich deshalb nicht mit den Zahlen seit Start der großflächigen Tests vergleichen lassen. Inzwischen werden mehr als 1,2 Millionen Tests wöchentlich gemacht. Im Frühjahr standen hingegen nur wenige Tests zur Verfügung.

Ulm/Strasbourg

Kritik an Corona-Maßnahmen in Frankreich: Paris legt Einspruch ein

Die neuen Corona-Restriktionen werden von Stadtoberhäuptern und Gastronomen scharf kritisiert. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo teilte mit, sie habe dagegen formellen Einspruch eingelegt. Sie kritisierte insbesondere, dass Fitnessstudios und Sporthallen geschlossen bleiben müssen. Sport trage dazu dazu bei, dass die Menschen ein "starkes Immunsystem" hätten, merkte sie im Fernsehsender France 3 an.