Der Vorstandschef des Hubert-Burda-Media-Konzerns, Paul-Bernhard Kallen, pocht auf eine viel strengere Regulierung sozialer Medien. Es seien Monopole entstanden, die weite Bereiche der Wirtschaft bedrohten, kritisierte Kallen am Donnerstag beim medienpolitischen Kongress der Landesregierung in Stuttgart. Man habe die sozialen Massenmedien „ohne jede Überlegung, ohne jede Regulatorik, ohne jede Verantwortung einfach auf die Menschheit losgelassen“. Die klassischen Medien seien durchreguliert, „bis der Arzt kommt“, während man bei den sozialen Medien sage, der Markt werde das schon irgendwie richten. Dabei erreichten die sozialen Medien mehr Menschen als TV, Radio und Print.

Als Beispiel verglich Kallen die Telekom und den Messengerdienst WhatsApp, der das Pendant zur SMS darstelle. Die Telekom sei beim Umgang mit Daten bis ins Detail durchreguliert, WhatsApp hingegen überhaupt nicht.

Regulierung alleine genüge nicht, sagte der Vorsitzende der ARD und Intendant des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm. Er bekräftigte seine Forderung nach einer europäischen digitalen Plattform als Alternative und Gegengewicht zu den US-amerikanischen Internetkonzernen. Dazu brauche es neben Regulierung auch die nötige technische Infrastruktur. Europa müsse verstärkt in die Technikthemen einsteigen. Das Geschäftsmodell von Facebook und Youtube habe fatale Folgen für den politischen Diskurs, sagte Wilhelm. Europa müsse sich überlegen, ob man die öffentliche Debatte einem Geschäftsmodell anvertraue, das auf die Optimierung von Werbung ausgerichtet sei.

Medienpolitischer Kongress