Die frühere Fraktionschefin Sahra Wagenknecht (51) will erneut als Spitzenkandidatin der Linken in Nordrhein-Westfalen bei der Bundestagswahl antreten. Bei der Aufstellungsversammlung des Landesverbandes der Linken am Samstag in Essen hat Wagenknecht eine Gegenkandidatin. Die Kölner Verwaltungswirtin Angela Bankert bewirbt sich ebenfalls um Platz 1 der Landesliste. Ihre Kandidatur galt in den vergangenen Wochen zwar als kaum aussichtsreich, doch mit ihrem jüngsten Buch löste Wagenknecht innerparteilich heftige Kritik aus. Mehrere Parteivorstandsmitglieder der Linken fordern einem Bericht zufolge Wagenknecht zum Verzicht auf eine Bundestagskandidatur auf.
Hintergrund seien Auszüge aus ihrem neuem Buch „Die Selbstgerechten“, hieß es am Freitag in einem „Spiegel“-Bericht. Das Buch, das Mittwoch offiziell erscheinen soll, sehen die Kritiker demnach als eine Art Generalabrechnung mit der eigenen Partei. Mit ihrem neuen Buch verunglimpfe Wagenknecht Bewegungen wie Unteilbar, Black Lives Matter oder Fridays for Future als „selbstgerecht“, warf ihr etwa der bayerische Politiker Johannes König im „Spiegel“ vor. Wagenknechts Buch sei „eine Kriegserklärung an Hunderttausende junge Menschen, die uns wählen und sich für Klimaschutz und Antirassismus einsetzen“, sagte der Linken-Abgeordnete Niema Movassat dem Nachrichtenmagazin. Wagenknecht wies die Kritik dem „Spiegel“-Bericht zufolge zurück.
Bei der Aufstellungsversammlung der NRW-Linken für die Bundestagswahl am 26. September sind die Delegierten zugeschaltet und wählen auch online. Am Sonntag schließt sich eine dezentrale Urnenwahl an, um die Ergebnisse zu bestätigen. Wagenknecht führte die Bundestagsfraktion von 2015 bis 2019 zusammen mit Dietmar Bartsch. Ihr Wahlkreis ist Düsseldorf-Süd. Im Bundestag sind zwölf Linken-Abgeordnete aus NRW. Im Landtag Nordrhein-Westfalens ist die Linke nicht vertreten.