• Am 26. September findet die Wahl zum 20. Deutschen Bundestag statt
  • Welche Parteien liegen in den Umfragen vorne
  • Gibt es Prognosen für mögliche Koalitionen?
In etwas mehr als fünf Wochen, am 26. September, findet die Bundestagswahl 2021 statt. Der Wahlkampf ist also längst in seiner heißen Phase. Das gilt auch für die Berichterstattung und für Umfragen: Jede Woche werden mehrere Erhebungen zu Wahlprognosen veröffentlicht. Welche Partei hat die besten Chancen? Was sagen die Umfragewerte aus? Und wie sicher sind die Wahlprognosen?

Umfrage zur Bundestagswahl 2021: SPD holt CDU fast ein

Die SPD setzt auch in dieser Woche ihre Aufwärtsbewegung fort und liegt im RTL/ntv-Trendbarometer jetzt vor den Grünen auf Platz 2, nur noch zwei Prozentpunkte hinter der Union. So knapp war der Vorsprung der CDU/CSU vor den Sozialdemokraten zuletzt im März 2017, nach der Nominierung von Martin Schulz, sowie im September 2011.
Grüne und FDP haben gegenüber der Vorwoche je einen Prozentpunkt verloren. Für die Union, die FDP und die AfD ändert sich nichts. Die sonstigen kleineren Parteien erreichen zusammen weiterhin 9 Prozent, aber keine von ihnen kommt in die Nähe der 3-Prozent-Marke.
Wenn jetzt bereits Bundestagswahl wäre, könnten die Parteien mit folgendem Ergebnis rechnen: CDU/CSU 23 Prozent (Bundestagswahl 2017: 32,9%), SPD 21 Prozent (20,5%), FDP 12 Prozent (10,7%), Grüne 19 Prozent (8,9%), Linke 6 Prozent (9,2%), AfD 10 Prozent (12,6%). 9 Prozent würden sich für eine der sonstigen Parteien entscheiden (5,2%). Die Zahl der Nichtwähler und Unentschlossenen liegt weiterhin bei 26 Prozent und damit über dem Anteil der Nichtwähler bei der Bundestagswahl 2017 (23,8%).

Kanzlerfrage: Scholz vor Baerbock und Laschet

In der Kanzlerpräferenz kann SPD-Kandidat Olaf Scholz seinen Vorsprung ausbauen. Er gewinnt gegenüber der Vorwoche drei Prozentpunkte hinzu und liegt jetzt mit 29 Prozent 17 Prozentpunkte vor dem Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet (unverändert 12%). Die grüne Kandidatin Annalena Baerbock verliert gegenüber der Vorwoche einen Prozentpunkt und schneidet derzeit mit 15 Prozent 14 Prozentpunkte schlechter ab als Scholz.
Auch im eigenen Lager gibt es weiterhin wenig Sympathien für Armin Laschet: Nur 24 Prozent der Unions-Wähler von 2017 würden sich in der Kanzlerfrage für ihn entscheiden. Olaf Scholz käme bei den Unions-Wählern der letzten Bundestagswahl auf 27 Prozent.

Bundestagswahl 2021: Söder warnt CDU und CSU vor Machtverlust

Sechs Wochen vor der Bundestagswahl hat CSU-Parteichef Markus Söder die Union vor einem Machtverlust gewarnt. "Es besteht jetzt die ganz große Gefahr, dass es eine Mehrheit jenseits der Union geben kann. Das muss jedem klar sein. Die Führung einer Bundesregierung durch die Union, was die Mehrheit will, die ist gefährdet", sagte Söder am Sonntagabend in der "Bild"-Sendung "Die richtigen Fragen".
"Man kann nicht sagen, dass alles perfekt läuft. Wir müssen jetzt schon die Ärmel hochkrempeln", fügte Bayerns Regierungschef mit Blick auf aktuelle Umfragen an. Der jüngsten Erhebung des Meinungsforschungsunternehmens Insa für die "Bild am Sonntag" zufolge hätte eine Koalition aus SPD, Grünen und FDP derzeit eine Mehrheit. Grund ist, dass die SPD zwei Prozentpunkte auf 20 Prozent zulegte. Die Union aus CDU und CSU käme laut Umfrage derzeit auf 25 Prozent. Auch in anderen Umfragen hatte die Union zuletzt verloren, während die SPD zulegte.
Söder forderte von der Union einen härteren Wahlkampfkurs gegen ihren aktuellen Koalitionspartner. Es dürfe in der jetzigen Ausgangslage "keine falsche Vorsicht gegenüber der SPD geben", sagte er.
Die Grünen seien in der derzeitigen politischen Situation beim Kampf um das Kanzleramt nicht mehr der entscheidende Gegner. Die Wahrscheinlichkeit einer von den Grünen geführten Regierung halte er für "sehr, sehr gering", führte der Ministerpräsident und CSU-Chef an. Seiner Ansicht nach würden diese notfalls auch der SPD das Kanzleramt überlassen, "nur um die Union auszubremsen".

Scholz: SPD erreicht bei Wahl mehr als 20 Prozent

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz traut seiner Partei bei der Bundestagswahl am 26. September ein Ergebnis von "ordentlich über 20 Prozent" zu. Mit solchen Ergebnissen sei es in skandinavischen Ländern gelungen, sozialdemokratisch geführte Regierungen zu bilden, sagte Scholz am Sonntag in Berlin im ARD-"Sommerinterview" – einen Tag nach dem Auftakt der heißen Wahlkampfphase seiner Partei. Eine neue Umfrage zeigt die SPD weiter im Aufschwung.
"Ich will was für Gerechtigkeit tun", begründete Scholz in der ARD seine Parteimitgliedschaft. Schon beim Wahlkampfauftritt am Samstag in Bochum hatte er den Zusammenhalt der Gesellschaft in den Mittelpunkt gestellt. Der Zusammenhalt müsse "das Prinzip unseres Landes" sein, wenn es um die Aufgaben der Zukunft gehe, sagte Scholz vor rund 1300 Zuhörerinnen und Zuhörern.
Im "Sommerinterview" sprach er sich für einen Mindestlohn von zwölf Euro pro Stunde und für "mehr ordentliche Tarifverträge" aus. In Bochum forderte er außerdem den Neubau von 400.000 Wohnungen pro Jahr, davon 100.000 staatlich gefördert, und eine "Neuorganisation" des Kindergeldes. Erneut plädierte der SPD-Kanzlerkandidat gegen Steuerentlastungen und für stabile Renten. Eine Anhebung des Renteneintrittsalters will die SPD demnach nicht.