Kochen Bucks heile Welt: Männer und ihre Fotos

Gerlinde Buck
Gerlinde Buck © Foto: Christian Käsmayr
Ulm / Gerlinde Buck 20.05.2017

Neulich im asiatischen Kochkurs. Gemüse in rauen Mengen, dazu etwas Fisch und Fleisch in homöopathischer Dosis. Kaum zu glauben, dass sich auch sechs Männer an den Schneidebrettchen eingefunden haben. Wie die Herren hurtig Möhren stifteln, Zucchini scheibeln, Zesten aus  Orangenschalen reißen – ein Anblick für Göttinnen! Erst recht die beiden älteren Koch-Eleven, die Kabeljau­- und Gemüsestückchen so behutsam in Wirsingblätter einschlagen, als wären sie staatlich anerkannte Geschenkpäckchen-Schnürer und hätten dereinst einen Hort voll Kinder gewickelt.

Dass einem gleich die Tränen in die Augen steigen, liegt aber vor allem daran, dass eine Frau entgegen der Anweisung des Küchenchefs die kleingehackte Chilischote nicht aufs Gemüse gegeben, sondern direkt angebraten hat. Das Zeug hat einen Wumms, dass sich die Bronchien aufrollen. Aber: Es schmeckt.

Scheint’s auch den Herren, die sich zwischen Gemüsesuppe und Gemüsecurry gegenseitig ihre Smartphones unter die Nase halten. Müssen ja tolle Fotos sein, so wie Mann da drauf starrt. Models? Villen? Yachten? Nicht ganz. Die Herren gucken: Fleisch. Krosses, butterweiches Fleisch. Im Grillkurs haben wir die Steaks dann noch mit Sahne überbacken, schnalzt der eine. Im Grillkurs, wiederholt ein anderer träumerisch und seufzt  aus tiefstem Herzen. Dafür hatte ich mich auch angemeldet. Aber der Kurs war ausgebucht!