Nach Genua Brückenexperte: Ursachen für Einstürze unterschiedlich

Blick auf die am Vortag eingestürzte Autobahnbrücke. Während eines schweren Unwetters war am 14.08.2018 die sogenannte Morandi-Brücke der Autobahn 10 in mehr als 40 Metern Höhe auf einem etwa 100 Meter langen Stück eingestürzt.
Blick auf die am Vortag eingestürzte Autobahnbrücke. Während eines schweren Unwetters war am 14.08.2018 die sogenannte Morandi-Brücke der Autobahn 10 in mehr als 40 Metern Höhe auf einem etwa 100 Meter langen Stück eingestürzt. © Foto: Nicola Marfisi
Ulm / dpa/swp 15.08.2018
Nach dem Brückenunglück in Genua warnen Experten nun auch in Deutschland vor Risiken. Einstürze können sehr unterschiedliche Gründe haben.

Nach dem Brückeneinsturz im italienischen Genua werden nun auch deutsche Brücken genauer betrachtet, um mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen.

Sicherheit gewährleistet

Bei Brückeneinstürzen sind nach Ansicht eines Experten der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau (BAYIKA) sehr unterschiedliche Ursachen denkbar.

„Arbeiten können grundsätzlich eine Ursache sein“, sagte BAYIKA-Vorstandsmitglied Markus Hennecke der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings sei bei sachgemäßer Ausführung die Sicherheit gewährleistet. In Deutschland arbeiteten Plan- und Prüfingenieure nach dem Vier-Augen-Prinzip zusammen.

Deutsche Brücken regelmäßig untersucht

Hinsichtlich der eingestürzten Brücke in Genua sagte Hennecke, es sei aus der Ferne schwer, über die Gründe zu urteilen. Auch Alterungsprozesse von Brücken können dem Experten zufolge eine Ursache von Einstürzen sein. In Deutschland werden alle Brückenbauwerke demnach intensiv alle sechs Jahre, in einer einfacheren Prüfung alle drei Jahre untersucht. Klimatische Einflüsse und ständige Überfahrten belasten die Bauwerke zusätzlich.

Immer wieder Tote bei Brückeneinstürzen

Das Unglück in Genua ist kein Einzelfall. Weltweit gab es etliche Brückeneinstürze mit vielen Todesopfern. Die jüngsten Vorfälle:

USA, März 2018: Eine fünf Tage alte Fußgängerbrücke auf dem Gelände einer Universität nahe der Metropole Miami stürzt ein. Sechs Menschen kommen ums Leben. Das Bauwerk sackt plötzlich auf einer Länge von etwa 53 Metern zusammen und fällt auf eine siebenspurige Straße.

Kolumbien, Januar 2018: Beim Einsturz der noch im Bau befindlichen Chirajara-Brücke sterben mindestens zehn Arbeiter. Ein rund 280 Meter langes Teilstück löst sich. Die an Stahlseilen befestigte Autobrücke rund 100 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Bogotá überspannte über eine Länge von 446 Metern ein Tal.

Italien, März 2017: Eine Brücke in Camerano, die mehrere Fahrspuren der Autobahn zwischen Ancona und Loreto überspannt, stürzt ein. Zwei Menschen werden getötet.

Italien, Oktober 2016: Der Annone-Viadukt über einer Straße zwischen Mailand und Lecco in der Nähe des Comer Sees bricht ein. Ein Mensch stirbt. Die Überführung hatte nachgegeben, als ein Schwertransporter darüber hinwegfuhr.

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