Reisen Brücke in die Zukunft

Dubrovnik / dpa 18.07.2017

Das ist der Durchbruch!“, jubelt Ante Mlinaric in seinem Familienhotel im kroatischen Örtchen Ston an der südlichen Adria. „Das gibt dem Tourismus Schwung!“ Anlass seiner Euphorie ist eine neue Brücke, die den Frust für Urlauber in der Region vergessen machen soll. Denn weil das Nachbarland Bosnien-Herzegowina auf 23 Kilometern Länge bis an die Küste reicht und Kroatiens Territorium am Meer unterbricht, müssen Durchreisende aus Westeuropa viele Formalitäten über sich ergehen lassen. Kroatien ist Mitglied der EU, Bosnien-Herzegowina nicht. Die Folge: Staus.

Die Brücke soll das ändern. Die EU-Kommission hat nun 357 Millionen Euro genehmigt – 85 Prozent der Gesamtkosten. Damit werden die 2,4 Kilometer lange Brücke sowie 20 Kilometer Zu- und Abfahrten gebaut. Seit 20 Jahren schon wurde das Projekt geplant, zweimal bereits der Grundstein gelegt – doch die Bauarbeiten wurden, zuletzt 2010, aus Geldmangel wieder eingestellt. Wen man an der kroatischen Adria auch fragt, es wird nur in Superlativen geantwortet: Die Brücke lasse Träume wahrwerden.

Warum die vergleichsweise kleine Brücke, die bis 2022 fertiggestellt werden soll, so große Bedeutung hat, ist schnell erklärt. Das südliche Dalmatien mit Urlauberhochburg Dubrovnik ist seit der Unabhängigkeit Kroatiens 1991 vom großen Rest des Landes abgeschnitten: Zwischen Nord- und Südkroatien schiebt sich Bosnien-Herzegowina mit seinem Badeort Neum. Der nun in Angriff genommene Verkehrsweg überbrückt diesen Zwischenraum, den verkehrstechnischen Bremsklotz Bosnien.

Bosnische Politiker waren jahrelang gegen die Brücke Sturm gelaufen, weil sie eine Einschränkung des Schiffsverkehrs und damit das Ende des ungehinderten Zugangs zum Meer fürchteten. Aber jetzt sollen auch große Schiffe die 55 Meter hohe Brücke passieren können.

Juristisch gilt ein zusammenhängendes Hoheitsgebiet als eine von drei Voraussetzungen für einen Staat. Das Staatsgebiet Kroatiens ist bisher aber zerstückelt. Und damit das Gebiet der EU, dessen Mitglied Kroatien seit 2013 ist. Wohl auch das Argument, mit dem Zagreb in Brüssel so viel Geld lockermachen konnte.

Geplantes Bauwerk an der Adria