Glosse Botox-Affäre beim Kamelwettbewerb

Idealkörper: Hängende Kamellippen sind bei Schönheitswettbewerben der Höckertiere.
Idealkörper: Hängende Kamellippen sind bei Schönheitswettbewerben der Höckertiere. © Foto: afp
Berlin / Michael Gabel 25.01.2018

Kamele sind schöne Tiere. Ihr sandbraunes Fell, ihre prachtvollen Höcker, ihr langer Hals und die schlanken Beine lassen die Herzen ihrer Bewunderer höher schlagen.

Aber etwas Anderes zählt noch viel mehr bei Kamel-Schönheitswettbewerben: eine volle, leicht herabhängende Unterlippe. Ist die vorhanden, kann ein Tier Millionen von Dollar einbringen. Doch es ist ähnlich wie beim Menschen: Nur die wenigsten Trampeltiere passen in die strenge Norm. Viele Besitzer helfen dann der Natur auf die Sprünge – man kennt das.

Manipulationen mit Botox haben jetzt beim King-Abdulaziz-Kamel-Festival in Saudi-Arabien zu einem Eklat geführt. Die Organisatoren schlossen zwölf Tiere aus, weil sie entdeckten, dass die Lippen mit dem Nervengift aufgespritzt worden waren. Dabei legt das Reglement klar fest: „Kamele, die Drogen in den Lippen haben, rasiert oder in ihrer natürlichen Form sonst irgendwie verändert sind, dürfen nicht teilnehmen.“ Aber wer hat Mitleid mit all den Schmallippern, die sich auch ihre Höcker nicht umoperieren lassen dürfen und keine Chance haben, jemals auf eine Titelseite der Kamel-Schönheitsmagazine zu kommen? Die ohne zu murren und zu trinken den weiten Weg von Oase zu Oase zurücklegen, mit manch schwerer Last auf dem Rücken.

Für sie, die stillen Helden, müsste es ebenfalls Auszeichnungen geben.

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