Musik Björn Ulvaeus: Mehr Abba-Songs möglich

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Stockholm / André Anwar 08.05.2018

Seit die Mitglieder der schwedischen Kultband Abba sich im Jahr 1982 getrennt hatten, machten Agnetha Fältskog (68), Björn Ulvaeus (73), Benny Andersson (71) und Anni-Frid Lyngstad (72) sich in der Öffentlichkeit rar. Kürzlich aber haben sie mit der Nachricht überrascht, sie hätten wieder ­gemeinsam zwei Lieder aufgenommen. Sie werden im Dezember von  digitalen, dreidimensionalen Jugendversionen der Band (Avataren) im Fernsehen gezeigt. Wir trafen Frontmann Björn Ulvaeus im Stockholmer Abba-Museum bei der Eröffnung einer neuen Zusatzausstellung zu den Solo-Karrieren der legendären Musiker.

Björn, alle deutschsprachigen Abba-Fans warten gespannt auf Eure zwei brandneuen Songs. Erkennt man Abba wieder?

Björn Ulvaeus: Ja (lacht), sie klingen sehr nach Abba,. Wir sind ja Abba. Einer von den beiden Songs ist nicht so sehr Disko, er ist im 6/8-Takt komponiert. Aber beide werdet ihr als richtige Abba-Songs wiedererkennen. Mehr sage ich jetzt nicht zu den Liedern. Ihr müsst einfach abwarten, bis sie rauskommen.

Wird es noch mehr neue Abba-Songs geben?

Du meinst, neben den beiden, die wir nun eingespielt haben? Hm, jaaa, also das weiß man nie. Aber ich schließe weitere neue Songs definitiv nicht aus.

Ihr wart erstmals seit über 30 Jahren zusammen im Tonstudio. Wie hat sich das angefühlt, wieder zusammen Musik zu machen?

Ich muss sagen, dass sich das total fantastisch angefühlt hat.  Da ist etwas sehr Spezielles zwischen uns vieren. Das haben alle gespürt.

Warum habt ihr euch damals überhaupt getrennt? Ihr wart zwei Paare, du und Agnetha und Benny und Frida, die sich dann auch wieder getrennt haben.

Das lag daran, dass wir Anfang der Achtziger unterschiedliche Interessen entwickelten. Benny und ich wollten sehr gern ein Musical schreiben, Agnetha und Frida wollten sich als eigenständige Sängerinnen versuchen und Soloplatten aufnehmen. Gänzlich trennen wollten wir uns 1982 ja eigentlich gar nicht. Unser Gedanke damals war, dass wir nur für eine begrenzte Zeit unsere eigenen Projekte verfolgen und dann wieder als Abba zusammenkommen. Aber es läuft manchmal anders, als man annimmt.

Verstehst du den riesigen Hype,der gerade weltweit um Euch vier gemacht wird? Das war ja eine Sensation, als Ihr kürzlich erzählt habt, dass Ihr Euch für zwei neue Songs wieder vereint habt.

Nun ja, eigentlich nicht, wenn ich ehrlich sein soll (lacht). Wir dachten eher, dass wir Schritt für Schritt wieder in Vergessenheit geraten würden, als wir 1982 Abba auflösten. Aber es ist schön, dass unsere Musik noch immer so geschätzt wird.

Die neuen Lieder werden von Avataren aufgeführt – Eure Musik ist menschlich und warm. Verträgt sich das mit kalten animierten, 3D-Versionen von Euch auf der Bühne?

Nein du, unsere Avatare werden überhaupt nicht kalt sein! Die werden aussehen wie richtige Menschen. Und ich verspreche: Unsere vier Avatare werden mit Humor und menschlicher Wärme auftreten. Das wird auch mehr als nur eine gewöhnliche Bühnenshow sein, in der wir in der Ecke stehen und Musik machen.

Aber könnt ihr Euch nicht vorstellen, doch nochmal zusammen persönlich aufzutreten. Das machen doch die Stones auch? Die Fans würden sich so freuen.

Ehrlich gesagt, liebten wir es schon damals in den 70ern nicht besonders, live aufzutreten. Wir mochten die Arbeit im Aufnahmestudio lieber. Von den zehn oder besser gesagt acht Jahren, die wir zusammen aktiv waren, waren wir nur gut sieben Monate auf Tour. Mehr war es schon damals nicht!

Also werden wir tatsächlich Abba nie wieder live erleben mit Euch?

Nein, nein, nein, absolut nicht, völlig ausgeschlossen. Das wird nie passieren. Da waren die Erwartungen etwas hoch gesteckt, als die Leute kürzlich von unserer Wiedervereinigung geredet haben. Keine Chance.

Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch, Björn.

Musiker und Geschäftsmann

Abba-Frontmann Björn Ulvaeus (73), lebt im schicken Stockholmer Vorort Djursholm. Er kam am 25. April 1945 als Sohn eines Angestellten und einer Verkäuferin zur Welt. Zum 13. Geburtstag bekam er die erste Gitarre. 1963 gewann er einen Wettbewerb mit seiner Schülerband „Hootenanny Singers“. Dort wurde der spätere Abba-Manager Stikkan Andersson auf ihn aufmerksam. 1966 traf er Benny Andersson, 1970 kam das erste Album „Lycka“ (Glück) mit den damaligen Backgroundsängerinnen Agnetha Fältskog und Anni-Frid Lyngstad heraus. Das war die Grundlage eine der erfolgreichsten Popbands aller Zeiten: Abba. 1971 bis 1979 war Ulvaeus mit Agnetha verheiratet. Heute ist er weiter Musiker und erfolgreicher Unternehmer. anw

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