Amokfahrt Drei Tote bei Attacke mit Kleintransporter in Münster

Münster / DPA 07.04.2018
Drei Tote und Dutzende Verletzte: In Münster fährt ein Kleintransporter in eine Menschengruppe und tötet drei Menschen.

Samstagnachmittag in Münster: In den historischen Gassen der Altstadt sitzen die Menschen draußen in der Sonne - es ist einer der ersten warmen Frühlingstage. Doch ein furchtbarer Zwischenfall erschüttert die Idylle in der nordrhein-westfälischen Stadt: Ein Kleintransporter wird in eine Menschengruppe gelenkt. Es gibt Tote und Verletzte, wie die Polizei mitteilt. Drei Menschen sterben - unter ihnen ist nach Polizeiangaben auch der mutmaßliche Täter. Zuvor war noch von insgesamt vier Toten die Rede.

Die Ereignisse im Detail:

Unter den rund 20 Verletzten seien sechs schwer Verletzte, von denen einige in Lebensgefahr seien, heißt es aus Sicherheitskreisen. Die Einsatzkräfte untersuchen außerdem einen verdächtigen Gegenstand im Auto. Spezialisten untersuchen den Wagen auf Sprengstoff.

Die Menschen sitzen den ersten Erkenntnissen zufolge vor der historischen Gaststätte Kiepenkerl, als das Auto in die Gruppe fährt. Der Täter – wie sich später herausstellt, ein 48-jähriger, psychisch labiler Deutscher – habe sich danach in dem Wagen erschossen, heißt es bei der Polizei. Zu einem möglichen Motiv gibt es zunächst keine Informationen.

Mitarbeiter eines Restaurants, das ganz in der Nähe des Tatorts liegt, berichten später von einem lauten Geräusch: „Tschack tschack tschack“, hätten sie gehört, dann sei alles ganz schnell gegangen und sie hätten das Restaurant verlassen müssen. Gesehen haben sie nichts.

Die Polizei sperrt die Gegend ab. Rot-weißes Flatterband spannt sich über die Bergstraße an der Apostelkirche. Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr stehen in der Straße. Ein Polizeihubschrauber kreist über der Stadt. Immer wieder bleibt er in der Luft stehen, als wolle die Besatzung aus der Höhe einen bestimmten Punkt anvisieren.

Auf Bildern ist zu sehen, dass zwischen Einsatzwagen der Polizei und Rettungsfahrzeugen zunächst noch zahlreiche Menschen in den verwinkelten Gassen unterwegs sind. Manche scheinen noch gar nichts von dem Zwischenfall mitbekommen zu haben.

Polizei: „Innenstadtbereich meiden“

Die Polizei ruft die Bevölkerung am Nachmittag zu besonnenem Handeln auf. Es gebe einen Großeinsatz an der Gaststätte Kiepenkerl, teilt sie mit. „Bitte den Bereich um den Kiepenkerl meiden. Wir sind vor Ort.“ Wenig später ergänzt sie: „Bitte auch den weiträumigen Innenstadtbereich verlassen, damit die Rettungskräfte in Ruhe arbeiten können.“

„Ganz Münster trauert über dieses schreckliche Ereignis. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen der Getöteten. Den Verletzten wünschen wir schnelle und baldige Genesung“, sagt der Oberbürgermeister der Stadt, Markus Lewe, vor Journalisten. Er ergänzt: „Wir wissen bislang nicht, welchen Hintergrund dieses Ereignis hatte.“

Bundesregierung: Gedanken bei Opfern

Die Bundesregierung hat den Opfern von Münster und ihren Angehörigen ihr Beileid ausgesprochen. „Furchtbare Nachrichten aus Münster“, schrieb die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Samstag auf Twitter. „Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen.“ Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) dankte auf Twitter den Rettungskräften vor Ort. „Müssen alles tun, um Hintergründe der Tat aufzuklären“, schrieb sie. CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer schrieb auf Twitter: „Verfolge die schrecklichen Nachrichten aus Münster. Denke an die Opfer und Einsatzkräfte vor Ort. Hoffe, dass schnell Klarheit über die Hintergründe der Tat hergestellt werden kann.“ Die SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles äußerte sich: „Ich bin erschüttert über die Nachrichten, die uns aus Münster erreichen. Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen. Ich hoffe, dass unsere Behörden schnell Klarheit über die Hintergründe dieses Vorfalls gewinnen können und wünsche den Einsatzleuten vor Ort viel Kraft für ihre Arbeit.“

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet hat sich bestürzt über den Vorfall in Münster geäußert. „Ein trauriger, ein schrecklicher Tag für unser Land!“, schrieb der CDU-Politiker auf Twitter. „Meine Gedanken und Gebete sind bei den Angehörigen der Toten und den Schwerverletzten in Münster.“ Laschet dankte den Rettungskräften und der Polizei. „Sie unternimmt alles zur Aufklärung der schrecklichen Tat.“ Ein Sprecher der Landesregierung in NRW teilte mit, Laschet habe auch mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) telefoniert und sie über den Stand der Ereignisse informiert.

Auch die Hauptdarsteller des „Tatort“-Krimis aus Münster zeigen sich entsetzt über die Toten und Verletzten. „Erste Bilder und Nachrichten aus Münster brechen mir das Herz“, twittert Jan Josef Liefers (53), der den Ermittler Professor Karl-Friedrich Boerne spielt. Die Stadt sei „einer der friedlichsten und freundlichsten Orte“, die er kenne.

Sein Kollege Axel Prahl, der den Hauptkommissar Frank Thiel spielt, schreibt auf Facebook: „Münster, bleib wie Du warst und wie wir Dich lieben: offen, friedlich, freundlich, stark und stolz. Lass Dich jetzt nicht unterkriegen.“

Tatort ist beliebter Treffpunkt

Der „Kiepenkerl“ ist ein Standbild eines reisenden Händlers aus dem Münsterland im Herzen der historischen Innenstadt von Münster. Er ist ein Wahrzeichen der gut 300.000 Einwohner zählenden Stadt. Die beiden umliegenden Traditionslokale heißen Großer Kiepenkerl und Kleiner Kiepenkerl. Der Platz inmitten enger Altstadtgassen ist ein beliebter Treffpunkt. Bei gutem Wetter sitzen und stehen dort oft zahlreiche Menschen im Freien, im Winter gibt es ein Weihnachtsdorf. Der „Kiepenkerl“ befindet sich seit 1896 auf dem Spiekerhof - eine Männerfigur mit Tragekorb, Pfeife, Knotenstock und Leinenkittel. Das Denkmal wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, originalgetreu wieder hergestellt und 1953 von Bundespräsident Theodor Heuss eingeweiht.

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