Nervös war Walter Kurz bei der Anmeldung des Protests vor 40 Jahren - damals demonstrieren erstmals Schwule und Lesben mitten in Stuttgart. Der sogenannte „Homobefreiungstag“ gilt als Vorläufer des Stuttgarter Christopher Street Days und für die dortige LGBTQ-Community gibt in diesem Jahr ein doppeltes Jubiläum. Am Samstagabend wurde es mit einem Empfang gefeiert.

Am 30. Juni 1979 hatten sich rund 400 Menschen unter dem Motto „Homobefreiungstag“ auf den Schlossplatz gewagt. Man habe sich schlicht in der Öffentlichkeit zeigen wollen, erzählt der heute 67-jährige Kurz. Mit Transparenten wie „Heterosexualität weg! Schwul in die 80er Jahre“ liefen die zum überwiegenden Teil männlichen Demonstranten durch die Königstraße - „manche im Fummel, also in Frauenkleidern“. Peinlich, interessiert, amüsiert hätten die Leute reagiert. „Eigentlich haben wir mit mehr Aggressionen gerechnet.“

Die Ereignisse um die New Yorker Bar Stonewall Inn lagen da zehn Jahre zurück: Nach einer Polizeirazzia am 28. Juni 1969 kam es zum Aufstand von Schwulen, Lesben und Transsexuellen mit Straßenschlachten in der Christopher Street. „Das war Vorbild, weil sich erstmalig die Leute zur Wehr gesetzt haben - einfach, weil sie die Nase voll hatten von irgendwelchen Schikanen“, so Kurz.

1985 folgte dann der erste Christopher Street Day (CSD) in Stuttgart, der den Ursprungsort der New Yorker Aufstände im Namen trägt. Vom 12. bis 28. Juli läuft dieses Jahr das CSD-Kulturfestival unter dem Motto „Mut zur Freiheit“. Den Höhepunkt bildet - wie in vielen anderen Städten auf der ganzen Welt - die Parade. Die Stuttgarter Organisatoren rechnen mit 7000 aktiven Demonstranten, wie Christoph Michl von der Interessengemeinschaft CSD Stuttgart sagt. „Am Ende reihen sich auch wieder viele Zuschauende in die CSD-Polit-Parade ein, von denen wir am 27. Juli zwischen 175 000 und 200 000 erwarten.“

Auch Walter Kurz will mit Freunden zum Zuschauen kommen. Aber er blickt mit etwas Befremden auf die heutige Bewegung: „Es ging in den letzten 20 Jahren - was mich wahnsinnig genervt hat - immer nur noch um das Thema Ehe“, sagt er. „Wir wollten diese ganzen heterosexuellen Normen und Vorbilder und Privilegien eigentlich abschaffen.“

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