London Aufstand gegen Stöckelschuhe

Nein zu Stöckelschuhen, sagt eine Britin.
Nein zu Stöckelschuhen, sagt eine Britin. © Foto: Fotolia
HENDRIK BEBBER 24.05.2016
Darf ein Arbeitgeber Frauen Stöckelschuhe vorschreiben? Nein, sagt eine junge Britin. Sie will, dass sich das Parlament mit Kleidungsvorschriften für Frauen befasst.

Nicola Thorp wollte einen Job ohne sich die Füße dafür wund zu laufen. Doch daraus wurde nichts, weil sie sich weigerte, Stöckelschuhe zu tragen. Ihre Petition ans Parlament fordert nun, diese „sexistische Kleiderordnung“ zu verbieten.

 Die 27-jährige Absolventin einer Schauspielschule schloss einen Vertrag mit einer Teilzeitfirma ab, die sie als Empfangsdame an die Londoner Niederlassung eines weltweiten Wirtschaftsprüfungshauses vermittelte. Als sie dort ihre Arbeit antreten wollte, wurde ihr von der Kontrolleurin der Teilzeitfirma bedeutet, dass sie ihre flachen Schuhe gegen die im Vertrag vorgeschriebenen Pumps mit Absätzen zwischen 5 und 10 cm tauschen sollte. Nicola Thorp weigerte sich.

 Rein rechtlich konnte sie gegen ihren Rausschmiss nichts machen. Denn britischen Firmen ist es gestattet, eine Kleiderordnung festzusetzen, solange dementsprechende Forderungen für Männer und Frauen gelten. Den Bann von flachen Schuhen hingegen empfand Nicola Thorp als „einen empörenden,  Anachronismus, dass im Jahre 2016 Arbeitgeber immer noch das Recht haben, Frauen zu hohen Absätzen zu zwingen“. Sie wies darauf hin, dass sie in ihrem Job lange Fußwege absolvieren müsse. Ihre Petition an das Unterhaus, „die Forderung von Arbeitgebern für hohe Absätze bei Frauen zu verbieten,“ verbreitete sich in Windeseile im Internet. Ebenso schnell kamen über 100.000 Unterschriften zusammen, die dazu nötig sind, dass sich das Parlament mit einer Petition beschäftigen muss.

 Der Kampf um ihre Fußfreiheit fand im sozialen Netzwerk ein reges Echo  das immer noch nachhallt. Viele Leidensgenossinnen stellten Bilder ins Internet, die zeigten, wie sehr ihre Füße unter dem Stöckelzwang am Arbeitsplatz litten. Thorps Teilzeitfirma kappte darauf die Forderung nach hochhackigen Schuhen, nicht aber die umfangreichen Vorschriften für Make-Up und die Farbe der Strumpfhosen.

In den Leserbriefspalten fand Nicola Thorp reichlich Zustimmung. Gleichwohl gab es auch Gegenwind von eher konservativen Frauen, die hohe Absätze als „Schlussfanfare formeller Kleidung“ und als Symbol weiblicher Anziehungskraft propagierten.