Genua Experte: „Deutsche Brücken verrotten gefährlich“

Viele deutsche Brücken müssen wegen Beschädigungen gesperrt werden.
Viele deutsche Brücken müssen wegen Beschädigungen gesperrt werden. © Foto: dpa
Ulm / AFP/swp 15.08.2018
Nach dem Unglück im italienischen Genua stellt sich die Frage nach dem Zustand deutscher Brücken. Auch hierzulande sind viele Überführungen gefährdet.

Der Brückeneinsturz im italienischen Genua mit zahlreichen Toten lenkt auch den Blick auf die Infrastruktur in Deutschland. Experten warnen, dass viele Überführungen marode seien. „Unsere Brücken verrotten gefährlich, ein Einsturzrisiko kann inzwischen nicht mehr ausgeschlossen werden.“, sagt der Brücken-Architekt Richard Dietrich den Zeitungen vom Redaktionsnetzwerk Deutschland am Mittwoch. Vor allem im überwiegend verwendeten Werkstoff Beton sieht Dietrich ein Problem, da die Schäden dort erst spät sichtbar würden.

Rund 39.600 Brücken gibt es nach Angaben der Bundesanstalt für Straßenwesen an Autobahnen und anderen Fernstraßen. Doch wie sicher sind diese?

Jede achte Brücke marode

Verkehrsexperten kritisieren seit langem, dass ein Großteil der Brücken des Bundes 40 Jahre und älter und daher in einem schlechten Zustand ist. Die Folge: Brücken müssen für schwere Lastwagen oder sogar komplett gesperrt werden.

Nach aktuellen Zahlen des Bundesverkehrsministeriums befinden sich 12,2 Prozent der Brücken in einem „nicht ausreichenden beziehungsweise ungenügenden Bauwerkszustand" – das heißt, gut jede achte Brücke ist marode. Immerhin: Im Jahr 2008 lag der Anteil der maroden Bundesbrücken noch bei 15 Prozent, er sank damit leicht.

ADAC: Nur vier Brücken in gutem Zustand

Wird einer Brücke ein nicht ausreichender Zustand attestiert, so bedeutet dies, dass es in näherer Zukunft Instandsetzungsmaßnahmen geben muss. Bei einem ungenügenden Bauwerkszustand ist die Standsicherheit oder Verkehrssicherheit "erheblich beeinträchtigt oder nicht mehr gegeben".

Ein ähnlich gemischtes Bild vermittelte ein ADAC-Test von 2014. Damals fielen von 30 untersuchten kommunalen Brücken in zehn deutschen Städten sieben Brücken glatt durch. Nur vier Bauwerke erhielten ein gutes Urteil.

Es gibt Regelmäßige Kontrollen

Die zuständigen Straßen- und Autobahnmeistereien in den Ländern kontrollieren regelmäßig die Brückenbauwerke. Außerdem werden sie regelmäßig auf augenscheinliche Schäden abgesucht. Die Ergebnisse der Prüfer hinsichtlich Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit werden dann in Zustandsnoten von eins (sehr guter Zustand) bis vier (ungenügender Zustand) zusammengefasst.

Schäden werden freilich meist erst entdeckt, wenn sie offensichtlich sind. Oftmals kündigen sie sich im Inneren der Struktur und damit in nicht einsehbaren Bereichen an. Der Bund unterstützt daher unter anderem das Projekt "Intelligente Brücke", bei dem Sensoren künftig frühzeitig Schäden melden sollen.

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