Die Webseite von Rechtsextremisten und Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann ist zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen vom Kollektiv Anonymous gehackt worden. Die Seite attilahildmann.de ist nicht mehr erreichbar bzw. nach Angaben der Bild findet man dort aktuell nur ein Video des Pop-Songs „Oops I did it again“.

Anonymous findet mehr als erwartet

Wie die Hacker in einem Blog-Eintrag beschreiben, haben sie nebenbei eine riesige Sicherheitslücke bei Hildmanns Hoster gefunden. Mit wenigen Tricks ist es dem Kollektiv gelungen, auf sämtliche Daten des Hosters ProSite zuzugreifen. Darunter waren auch die Webcams der Firma, Zugriffe auf die Klimaanlage im Rechenzentrum und: „Das war eigentlich der größte Schock: Freier Zugriff auf Kundendaten“, so die Hacker. Dazu gehören auch Kreditkartendaten die samt CVC-Code (Sicherheitscode auf der Rückseite der Karte) aufgelistet sind. „Nichts schützt die Daten vor dem Zugriff, ist man erstmal im System.“
Eigentlich wollte Anonymous nur den Kunden Attila Hildmann erwischen – und hat nun eine riesige Sicherheitslücke bei einem großen Webseitenanbeiter entdeckt. Es sei „kein Hoster, sondern ein Nudelsieb“, so das Kollektiv.

Attila Hildemann gehackt: Was war bisher passiert?

Bereits im September hatte Anonymous den Rechtsextremisten gehackt und Daten ausgewertet. Anonymous behauptete, die Daten gäben einen tiefen Einblick in die Welt des Holocaust-Leugners. So soll aus den erbeuteten E-Mails hervorgegangen sein, welche Unternehmen nach der Radikalisierung Hildmanns sich von ihm distanziert und eine Zusammenarbeit mit dem einst erfolgreichen TV-Koch eingestellt haben und welche Firmen die Kooperation fortgesetzt haben. In dem Datenpool soll sich demnach auch das Grundrezept des veganen Energydrinks „Daisho“ befinden, den Hildmann entwickelt und vermarktet hat.
Am brisantesten waren jedoch die Informationen über die Person, die den Haftbefehl Hildmanns an ihn durchgestochen haben soll. Wie später bekannt wurde, hat eine ehemalige Justizmitarbeiterin Hildmann mit Informationen versorgt, sodass er sich vor seiner Verhaftung in die Türkei absetzen konnte.

Twitter sperrt Anonymous-Konto nach Hildmann-Hacks

Kurz nachdem im September der Hack gegen Hildmann bekannt wurde, sperrte der Kurznachrichtendienst Twitter das deutschsprachige Konto des Kollektivs. Wie der „Spiegel“ im September schrieb, gab ein Sprecher von Twitter folgende Begründung für die Sperrung von „Anonymous Germany“: „Es ist nicht erlaubt, private Informationen anderer Personen ohne deren Erlaubnis zu tweeten. Dazu gehören auch Inhalte, die illegal erworben oder gehackt wurden.“ Es sei verboten, Links zu gehacktem Material auf Twitter zu verbreiten. Als Hack definiert Twitter einen nicht autorisierten Zugriff auf Computer oder Netzwerke.

Attila Hildmann: Vom Koch zum Verschwörungstheoretiker

  • Berühmt wurde Attila Hildmann als veganer Kochbuchautor und Fitness-Guru
  • Hildmann nennt sich inzwischen selbst „ultrarechts“ und einen Verschwörungsprediger.
  • Durch die Corona-Pandemie wurde seine Radikalisierung deutlich
  • Er trat bei Protesten gegen die Corona-Schutzmaßnahmen auf, bedient sich an Parolen und Ideen der Reichsbürger-Szene und leugnet den Holocaust
  • Im Mai 2021 schrieb er auf Telegram „Ich bin Nationalsozialist“
  • Seine Äußerungen lösten Kritik und Entsetzen aus - etwa bei seinem Kochbuch-Verlag, der die verlegerische Zusammenarbeit schon vor Jahren einstellte.

Wer ist Anonymous?

  • „Anonymous“ wird immer wieder mit spektakulären Hacker-Angriffen in Verbindung gebracht.
  • Kennzeichen von Anonymous ist eine Maske, die das Gesicht des britischen Verschwörers Guy Fawkes darstellt.
Selbst bezeichnet sich Anonymous als „Hacktivisten“ – also als Aktivisten, die mit Hackerangriffen öffentlich demonstrieren