Comic Asterix hat Grund zu Feiern

Der erste Asterix-Band wurde zum 50. Geburtstag in einer Sonderedition neu veröffentlicht. 
Der erste Asterix-Band wurde zum 50. Geburtstag in einer Sonderedition neu veröffentlicht.  © Foto: 2018 Les Éditions Albert Ren
Paris / Michael Osssenkopp 07.12.2018

Wir befinden uns im Jahre 50 v. Chr. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt . . . Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten“, heißt es zu Beginn der Abenteuer von Asterix und Obelix. Vor 50 Jahren, am 7. Dezember 1968, erschien mit „Asterix der Gallier“ der erste Band der französischen Comicreihe auch auf Deutsch.

Auf die Idee für ihre gewitzten Zeichentrick-Helden waren Texter René Goscinny und Zeichner Albert Uderzo bereits in den 50ern bei einigen Gläschen gekommen. Im Oktober 1959 erschien in der französischen Jugendzeitschrift „Pilote“ die erste Geschichte. Und als der listige Krieger mit Helm, Gürtel und Schwert dann bei uns auftauchte, eroberte er die Herzen der Deutschen im Sturm.

Asterix ist zwar nur 119 Zentimeter groß, steckt aber voll sprühender Intelligenz. Der Name ist eine Kombination der griechischen Bezeichnung Asteriskus („Sternchen“) und der Endsilbe –rix, was im Keltischen so viel wie König bedeutet. Andere Quellen behaupten, in Anlehnung an den gallischen Arvernerhäuptling Vercingetorix sollten die Namen der Charaktere alle auf –ix enden.

Asterix’ Freund Obelix besitzt einen starken Körperbau und eine Vorliebe für Prügeleien, Wildschweinessen und Hinkelsteine. Er trägt stets eine enge, blau-weiß gestreifte Hose. Entgegen der geschichtlichen Wahrheit trotzen die Dorfbewohner Cäsar und seinen Legionen, denn sie verfügen über einen Zaubertrank. Obelix bleibt immer unbesiegbar, weil er als Kind in das Gebräu geplumpst war. Auf ihren Reisen erleben die beiden Gallier die außergewöhnlichsten Abenteuer und treffen auf Persönlichkeiten wie Kleopatra oder Odysseus.

Generationen von Latein-Schülern mussten sich durch Texte aus dem Gallischen Krieg von Gaius Julius Cäsar quälen, bevor sie durch die Asterix-Hefte plötzlich einen neuen Zugang zum historischen Thema erlangten. Comics wurden bis dahin als Schund abqualifiziert. Nun fanden auch Intellektuelle – darunter nicht wenige Lehrer – Gefallen an den Bildergeschichten, die mit Zitaten, Anspielungen, Running Gags und Wortwitz gespickt waren.

Der kühne Held stieg zusammen mit seinem rundlichen Freund Obelix („Ich bin nicht dick!“) zur meist verbreiteten und auch kommerziell erfolgreichsten Comicfigur Europas auf. Nach Goscinnys überraschendem Tod 1977 im Alter von nur 51 Jahren führte Uderzo die Comicreihe ab Band 25 allein weiter, zusätzlich auch als Autor. Er gründete gemeinsam mit der Witwe von Goscinny den Verlag „Les Editions Albert-René“. Kritiker vermissten jedoch seitdem den Humor und das erzählerische Können Goscinnys, lobten aber die konstant hohe zeichnerische Qualität der Geschichten. Obwohl Uderzo als reiner Autodidakt nie eine Kunsthochschule besucht hat und sogar farbenblind ist. Über die Anfänge der gallischen Helden erinnerte sich der heute 91-Jährige: „Wir wollten den amerikanischen Comics etwas typisch Französisches gegenüberstellen.“

Das ist gelungen. Sprüche wie „Beim Teutates“, wenn die Gallier den Römern mal wieder auf die Pelle rücken, oder „Die spinnen, die Römer“ wurden zu geflügelten Worten. Den besonderen Pfiff bekommt jede Ausgabe durch die satirischen Anspielungen auf zeittypische politische und gesellschaftliche Themen – stets  mit einer Prise Selbstironie. Und bei Asterix verraten die Namen meist etwas über Eigenschaften oder Funktionen: Majestix ist der Häuptling, Troubadix der Barde, Methusalix der Dorfälteste, Miraculix, der Druide. Zuweilen reicht die deutsche Übersetzung aber nicht an die Qualität des französischen Originals heran.

Als sich Uderzo vor einigen Jahren aus Altersgründen zurückziehen wollte, sollte die Reihe eingestellt werden. Aber der Druck der Fans war so groß, dass die Abenteuer weitergeführt wurden. Seit 2013 und dem Erscheinen von Band 35 übernahmen die Comicautoren Jean-Yves Ferri und Didier Conrad die Gestaltung. Auch für das neueste Werk „Asterix in Italien, das 2017 veröffentlicht wurde, sind die beiden – unter Uderzos Schirmherrschaft – verantwortlich.

Zum Deutschland-Jubiläum wurde der erste Band „Asterix der Gallier“ in einer Sonderedition nun erneut veröffentlicht. Uderzo freut sich: „Der Erfolg ist ungebrochen, das ist ein großes Glück für uns.“

Ein Erfolg, nicht nur als Comic

Bis heute erschienen 37 Asterix-Bände in rund 100 Sprachen und Dialekten, weltweit wurden mehr als 390 Millionen Exemplare verkauft – allein rund ein Drittel im deutschsprachigen Raum. Der Siegeszug der Comic-Figuren reicht längst weit über die Bildbände hinaus: Ein riesiger Merchandising-­Markt mit Asterix-Motiven auf T-Shirts, Tassen und Tapeten schafft Millionen-Umsätze.

Außerdem wurden seit 1967 zehn Zeichentrickfilme und vier Realverfilmungen (mit dem Star Gérard Depardieu als Obelix) erfolgreich fürs Kino in Szene gesetzt. Der neueste Animationsfilm „Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks“ läuft dieser Tage in Frankreich an.

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