Mannheim Anwaltverein für Fehlerkultur in der Rechtspflege: Tagung

Präsident des deutschen Anwaltsvereins Ulrich Schellenberg. Foto: Sina Schuldt/Archiv
Präsident des deutschen Anwaltsvereins Ulrich Schellenberg. Foto: Sina Schuldt/Archiv © Foto: Sina Schuldt
Mannheim / DPA 06.06.2018

Auch Juristen machen Fehler - aber noch zu selten räumen sie das offen ein, meint der Präsident des Deutschen Anwaltvereins, Ulrich Schellenberg. „Neben klaren handwerklichen Patzern gibt es Fälle, in denen vielleicht nur eine vorgetragene Rechtsauffassung nicht mehr ganz aktuell ist - was bei näherem Recherchieren vermeidbar gewesen wäre“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Umso wichtiger sei es, dass dies nicht zur Regel werde. „Recht zu haben, ist unser Beruf. Da fällt es schwer, aus gewohnten Denkmustern auszubrechen“, sagte Schellenberg.

Das Thema „Fehlerkultur in der Rechtspflege“ steht zentral auf dem Programm des 69. Deutschen Anwaltstags, der am (heutigen) Mittwoch mit einer Mitgliederversammlung des Deutschen Anwaltvereins in Mannheim beginnt. Bis Freitag (8. Juni) diskutieren in der badischen Stadt rund 1800 Teilnehmer. An diesem Donnerstag wird Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) erwartet.

Erste Schritte zu einer Fehlerkultur seien schnell möglich, sagte Schellenberg. „Eine Vertreterin der Kassenärztlichen Vereinigung äußerte jüngst die Idee, in jeder Anwaltskanzlei eine Akte für „Herrn Fehler“ anzulegen.“ Unter dem fiktiven Namen könne jeder notieren, was nicht gut gelaufen sei. „In regelmäßigen Abständen wird die Akte im Team geöffnet und diskutiert. Das wäre doch ein guter Anfang.“

Eine Fehlerkultur sollte aber auch Konsequenzen beinhalten: „Zum Beispiel wäre es langfristig sinnvoll, eine klarere Fortbildungspflicht in die Bundesrechtsanwaltsordnung aufzunehmen - einschließlich entsprechender Sanktionierungsmöglichkeiten bei Säumnis oder Weigerung“, betonte der Vereinspräsident.

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