TV Anna Loos über ihre Rolle im TV-Dreiteiler „Tannbach“

Anna Loos spielt gern  historische Stoffe.
Anna Loos spielt gern historische Stoffe. © Foto: Anna Loos spielt gern historische Stoffe. Foto:dpa
Martin Weber 04.01.2018

Ein Dorf, zwei politische Systeme: 2015 erzählte der ZDF-Dreiteiler „Tannbach“ die spannende Geschichte eines in Ost und West geteilten Dorfes an der Grenze von Thüringen zu Bayern in der Nachkriegszeit. Jetzt geht die deutsch-deutsche Familiensaga weiter: Die dreiteilige Fortsetzung „Tannbach – Schicksal eines Dorfes“ spielt in den 60ern. Mit dabei sind wieder Stars wie Heiner Lauterbach und Martina Gedeck. Neu im Ensemble ist Anna Loos als lebensfrohe Ostlerin.

Sie spielen in der Serie „Weissensee“, jetzt auch in „Tannbach“. Was finden Sie attraktiv an diesen deutsch-deutschen Geschichten?

Anna Loos: Ich finde es spannend, historische Stoffe zu erzählen. Serien und Spielfilme bieten den Vorteil, dass man emotional in solche Stoffe einsteigt. Als ich zum Beispiel das Drama „Das weiße Band“ gesehen habe, war ich total fasziniert. Ich kam aus dem Kino und konnte überhaupt nicht reden, weil ich zum ersten Mal ganz stark gespürt habe, wie sich die Generation meiner Großeltern und die meiner Eltern gefühlt haben muss.

Die Figur Rosemarie, die Sie in „Tannbach“ spielen, geht von der DDR in den Westen. Das haben Sie 1988 ja auch getan.

Genau, ich bin damals über die Tschechoslowakei nach Ungarn und von dort in den Westen. Das war keine easy Zeit, das war anstrengend und zum Teil auch dramatisch. Der riesengroße Unterschied ist, dass Rosemarie nicht flieht wie ich damals, sondern mit einem Geheimnis in den Westen geht, das ich nicht mit ihr teile.

Rosemarie ist außerdem eine ziemlich emanzipierte Frau und eckt immer wieder mit dem Rollenbild im Westen an.

Stimmt, Emanzipation und Selbständigkeit sind typisch für Frauen in der DDR, die ja alle gearbeitet haben. Sie waren schon in den fünfziger und sechziger Jahren gleichberechtigt und mussten nicht wie in der BRD ihren Mann fragen, wenn sie ein Konto eröffnen wollten oder so. Als ich mit 17 im Westen aufs Gymnasium ging, habe ich festgestellt, dass ganz viele Mütter meiner Schulkameradinnen nicht gearbeitet haben. Wobei man sagen muss: Die Emanzipation in der DDR war auch eine Art Zwangsemanzipation, weil der Staat ja wollte, dass alle Mütter arbeiten, da alle Arbeitskräfte gebraucht wurden.

Hatten Sie auch mal Heimweh nach dem Osten, nachdem Sie im Westen angekommen waren?

Klar, aber das hatte nix mit dem Osten, sondern mit meinen Eltern, Familie und Freunden zu tun. Das war schon so, als ich noch in der DDR gelebt habe und als Kind ins Ferienlager kam. Ich habe auch heute noch Heimweh, wenn ich bei Dreharbeiten getrennt von meiner Familie bin.

War es beim Dreh in Prag auch so?

Klar, ich sehne mich immer nach meiner Familie. Ich habe die Dreharbeiten aber auch sehr genossen, weil Prag eine wunderschöne Stadt ist. Die Prager haben ihre Stadt unglaublich saniert. Da steckt mittlerweile auch viel Geld drin, ganz anders als etwa auf dem Land in Tschechien. Prag überstrahlt alles, das haben wir immer dann gemerkt, wenn wir uns mal eine Stunde von der Stadt entfernt haben – wir haben ja auch auf dem Land gedreht.

Wie haben Sie die deutsche Teilung als Kind empfunden?

Das war bei uns zu Hause natürlich immer wieder Thema. Ich stamme ja aus einer Familie, die wie so viele in der DDR von der Teilung direkt betroffen war. Mein Vater hatte Verwandtschaft im Westen, meine Mutter auch, mit dem Hochziehen der Mauer wurden die familiären Kontakte dann immer schwieriger. Man hat sich nur noch an ganz besonderen Tagen gesehen, es mussten Anträge gestellt werden, alles musste vorbereitet werden.

Was haben Sie sich damals für ein Bild von der BRD gemacht?

Ich musste mir kein extra Bild machen, weil wir immer Besuch von Verwandten aus dem Westen hatten und natürlich auch die berühmten West-Pakete kamen. Der ganz bestimmte Duft dieser Pakete ist eine ganz intensive Kindheitserinnerung von mir – ein Duft nach Kaffee, Seife und Schokolade. Echt schade, dass es kein Geruchsfernsehen gibt, mit dem man das transportieren könnte.

Ihr Mann Jan Josef Liefers stammt auch aus der DDR. Unterhalten Sie sich über vergangene Zeiten?

Nö, es wäre jetzt echt gelogen, wenn ich behaupten würde, einmal alle 14 Tage sprechen wir über die DDR (lacht). Aber wir haben vor ein paar Jahren von einem Kollegen eine CD mit Liedern von den Jungen Pionieren geschenkt gekriegt, und dann haben wir die auf einer Fahrt an die Ostsee mal eingelegt und festgestellt, dass wir die meisten Lieder tatsächlich mitsingen konnten.

Wie fanden Ihre Kinder das?

Für die war das natürlich lustig. Für uns selber aber auch, das können Sie mir glauben.

Info „Tannbach“-Sendetermine: 8., 10. und 11.Januar, 20.15 Uhr im ZDF.

Erfolgreich als Schauspielerin und Sängerin

Anna Loos kam 1970 in Brandenburg an der Havel zur Welt und floh 1988 aus der DDR in die Bundesrepublik. Nach mehreren kleinen TV-Auftritten feierte sie ihren Durchbruch als Assistentin Lissy im Kölner „Tatort“, seitdem hatte sie zahlreiche Fernsehrollen und ist unter anderem in der hochgelobten DDR-Serie „Weissensee“ zu sehen. Außerdem ist die 47-Jährige als Leadsängerin der Band „Silly“ erfolgreich. Anna Loos ist seit 2004 mit ihrem Schauspielkollegen Jan Josef Liefers verheiratet, das Paar hat zwei Töchter und lebt in Berlin. ski