Fernsehen Ann-Kathrin Kramer über ihr Rezept für eine glückliche Ehe

Die Schauspielerin Ann-Kathrin Kramer ist mit ihrem Kollegen Harald Krassnitzer verheiratet.
Die Schauspielerin Ann-Kathrin Kramer ist mit ihrem Kollegen Harald Krassnitzer verheiratet. © Foto: dpa
Cornelia Wystrichowski 24.03.2017

Es ist ein Fernsehexperiment in drei Teilen: Die Filmreihe „Eltern allein zu Hause“, die heute, Freitag (20.15 Uhr, ARD), startet und sich um drei befreundete Paare in den besten Jahren dreht. In der ersten Folge spielt das Schauspieler-Ehepaar Ann-Kathrin Kramer und Harald Krassnitzer die langjährigen Eheleute Schröder, die in eine tiefe Krise geraten, als nach der Abifeier ihres jüngsten Sprösslings alle Kinder aus dem Haus sind.

Frau Kramer, Sie und Ihr Mann Harald Krassnitzer spielen im ARD-Dreiteiler „Eltern allein zu Haus“ ein Ehepaar in der Krise. Was ist Ihr Rezept für eine glückliche Ehe?

Ann-Kathrin Kramer: Wenn ich ein Rezept hätte, dann wäre ich reich und weltberühmt, und dann wären alle Paare nur noch glücklich (lacht). Ich glaube, es ist eine total individuelle Angelegenheit, was für welches Paar das Richtige ist. Aber woran ich fest glaube: Man muss miteinander reden. Solange man gut miteinander sprechen kann und das auch immer wieder tut, ist man auf einem guten Weg.

Reden Sie als Schauspieler-Ehepaar auch viel über Berufliches?

Wir reden natürlich oft über unseren Beruf, weil er einen riesengroßen Teil unseres Lebens ausmacht. Oft arbeiten wir zum Beispiel zu Hause an unseren Rollen oder recherchieren, es gibt da nicht so eine klare Trennung wie bei einem Menschen, der morgens zur Arbeit geht und abends wieder nach Hause kommt. Aber wir können auch sehr gut über andere Dinge reden, es gibt ja auf der Welt noch andere schöne Themen – auch wenn man uns Schauspielern nachsagt, dass wir nur über Rollen oder über uns selber sprechen.

Sie und Harald Krassnitzer haben schon öfter zusammen gedreht. Wird man Sie irgendwann auch mal in einer der Wiener „Tatort“-Folgen Ihres Mannes erleben?

Das gab es bislang noch nicht, und es ist nichts konkret geplant. Wir legen es auch nicht darauf an, zusammen zu drehen, sondern nur wenn es passt und die Rollen wirklich schön sind. Wir haben schon viele Angebote für gemeinsame Filme abgelehnt.

In der ARD-Trilogie spielen Sie beide ein Ehepaar in der Krise. Wie fühlt es sich an, wenn man sich mit dem eigenen Mann vor der Kamera so richtig fetzt?

Wir sind ein Paar und wir spielen ein Paar – das ist durchaus eine Herausforderung, denn man muss sehr genau darauf achten, dass sich da Privates und Berufliches nicht vermischen. Das ist wichtig, um den Figuren gerecht zu werden.

Wie verhindern Sie, dass vor der Kamera auch mal Privates hereinspielt – und sei es nur ein kleiner Zank bei der Parkplatzsuche vor Drehbeginn?

Wir versuchen wirklich, das sauber voneinander zu trennen. Es geht schon damit los, dass wir bei den Dreharbeiten in getrennten Zimmern übernachten, denn jeder von uns hat einen anderen Rhythmus und eine andere Art, sich vorzubereiten. Und am Set würde man denken, dass wir einfach zwei Kollegen sind, die sich gut verstehen, wenn man nicht wüsste, dass wir ein Paar sind. Wir halten nichts davon, dass man dauernd aneinander hängt und nach außen trägt, dass man ein Paar ist. Wir sind schließlich zum Arbeiten vor Ort.

Für Ihre Filmfigur ändert sich alles, als die Kinder aus dem Haus sind. Ihr eigener Sohn lebt noch bei Ihnen daheim. Wie fühlen Sie sich beim Gedanken, dass er mal auszieht?

Das ist der Lauf der Zeit. Es ist ganz normal, dass mein Sohn irgendwann aus dem Haus geht, ich weiß schon seit langem, dass dieser Tag irgendwann kommen wird. Und wenn ein Kind älter wird, lässt man es ja sowieso immer mehr frei und ist immer weniger involviert. Das einzige was ich tun kann ist, möglichst wach zu sein und die Zeit zu genießen.

Haben Sie Pläne für die Zeit danach?

Ich habe keinen Plan. Man sagt doch: „Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, dann mache einen Plan.“ Das, was man sich vornimmt, trifft ja ohnehin nicht ein. Ich glaube auch, dass es ein Fehler ist, wenn man sagt, dass man etwas Bestimmtes irgendwann tut, wenn Zeit und Gelegenheit optimal sind. Man schiebt auf diese Art alles vor sich her, versäumt vieles, und wenn das zu oft geschieht, dann entsteht daraus etwas, das man im Volksmund Midlife-Crisis nennt.

Kommen die alltäglichen Sorgen ganz normaler Paare im Fernsehen zu kurz, weil alles voller Romanzen und Krimis ist?

Ja, man hat oft das Gefühl, es muss in Filmen immer um etwas Sensationelles oder um eine Ausnahmesituation gehen, um das Extrem. Dabei stecken doch in der Normalität oft ganz spannende Geschichten. Die Resonanz, die ich bislang auf „Eltern allein zu Haus“ erfahren habe, ist genau die: Alle erkennen sich selber oder jemanden aus dem persönlichen Umfeld in den Figuren wieder, jeder fühlt sich angesprochen. Und das ist doch eben auch Fernsehen: Dass man nicht immer nur abtaucht in eine ganz andere Welt, sondern sich in manchen Geschichten wiederfindet und dabei merkt, dass mit den eigenen Gefühlen eigentlich alles ganz in Ordnung ist.

Die Trilogie erzählt in den drei Filmen jeweils denselben Zeitabschnitt aus dem Blickwinkel unterschiedlicher Protagonisten. Warum wurde daraus keine Serie gemacht, wie es ursprünglich mal angedacht war?

Das weiß ich nicht. Als wir eingestiegen sind, war es schon als Dreiteiler angelegt, und das halte ich für einen wirklich schönen Ansatz, ich habe so etwas noch nie gesehen. Man kann aus jeder Richtung in diese Geschichte gucken, und für jeden Zuschauer, der so ungefähr zwischen Mitte 30 und Mitte 40 ist, ist etwas dabei.

Von der Hauptschule zur Schauspielerei

Ann-Kathrin Kramer kam 1966 in Wuppertal zur Welt. Sie verließ mit 16 Jahren die Hauptschule und absolvierte nach verschiedenen Jobs eine Schauspielausbildung. Seit Anfang der 90er ist sie regelmäßig in TV-Filmen zu sehen, außerdem hat sie bereits zwei Kinderbücher veröffentlicht.

Die Schauspielerin hat einen erwachsenen Sohn aus einer früheren Beziehung mit ihrem Kollegen Jan Josef Liefers. Seit 2009 ist sie mit dem österreichischen Schauspieler Harald Krassnitzer verheiratet, bekannt als Wiener „Tatort“-Kommissar. Die Familie lebt bei Wuppertal. ski

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