• Sondersendung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel um 20:15 Uhr in der ARD.
  • Dabei geht es um die Coronakrise, den Lockdown und ums Impfen
  • Merkel rief die Bürgerinnen und Bürger zum weiteren Durchhalten auf
Sie bitte alle Menschen, „noch eine Weile durchzuhalten“, sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag in der ARD-Sendung „Farbe bekennen“. Zwar gebe es jetzt bundesweit eine Inzidenz von unter 100 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. „Das ist eine gute Leistung, da waren wir lange nicht. Aber damit haben wir noch nicht wieder die Kontrolle über das Virus durch die Gesundheitsämter.“
Daran müsse weiter gearbeitet werden, betonte Merkel. Lockerungen werde es aber nicht erst geben, wenn alle Bürger geimpft seien. „Das ist nicht der Weg, den wir anstreben.“

Corona in Deutschland: Die letzten Monate von Merkels Kanzlerschaft werden herausfordernd

Die letzten Monate ihrer Kanzlerschaft scheinen für Angela Merkel zugleich die herausforderndsten zu sein. Der Druck auf die Regierung in der Coronkrise ist enorm. Die Kritik an Lockdown und Impfstrategie in der Bevölkerung wächst. Lieferengpässe der Pharmaunternehmen lassen die Regierung schwach aussehen, zugleich appellieren die regierenden Politiker weiter an die Menschen und bittet um Geduld und Verständnis. Und auch die Opposition ist unzufrieden: Sie kritisiert Versäumnisse und zu wenig handfeste Ergebnisse.

Sondersendung in der ARD mit Kanzlerin Merkel

Am Dienstagabend hatte sich Merkel in der ARD-Sendung „Farbe bekennen“ den wichtigsten Fragen gestellt. Ab 20.15 Uhr wurde das vorher aufgezeichnete Interview mit Tina Hassel, Studioleiterin und Chefredakteurin Fernsehen im ARD-Hauptstadtstudio, und ARD-Chefredakteur Rainald Becker im Fernsehen gesendet.

Das sagt Angela Merkel im ARD-Interview

Merkel hat das Vorgehen bei den Corona-Impfungen gegen Kritik verteidigt. Die Entscheidung, bei der Zulassung der Impfstoffe mit der notwendigen Gründlichkeit vorzugehen, sei "kein Fehler" gewesen, sagte sie am Dienstagabend in der ARD-Sendung "Farbe bekennen". Mit Blick auf den russischen Impfstoff Sputnik V sagte sie, jeder Impfstoff sei in der Europäischen Union (EU) "herzlich willkommen", sofern er eine Zulassung bei der EU-Arzneimittelbehörde EMA bekomme.
"Wir können keinen starren Impfplan machen", verteidigte Merkel das Vorgehen von Bund und Ländern. Der Plan müsse dynamisch angepasst werden. "Wir kämpfen um Vertrauen für diese Impfstoffe", betonte die Kanzlerin. Nach dem Impfgipfel am Montagabend hatte es Kritik vor allem aus der Opposition gegeben. Grüne, Linke und FDP werteten das Treffen als Fehlschlag.

Merkel: Nichts schief gelaufen bei der Impfkampagne

Zu den am 10. Februar anstehenden neuen Bund-Länder-Gesprächen und möglichen Lockerungen der Auflagen sagte Merkel, eine Öffnungsperspektive werde sich nicht an einem Datum orientieren können, sondern an Werten. Es gehe um die Infektionszahlen, die Auslastung der Intensivstationen und um die Frage, welchen Prozentsatz die Mutationen einnehmen.
"Die Werte gehen erfreulicherweise runter", sagte Merkel. Inzwischen gebe es 50 Landkreise oder Städte mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von unter 50. "Dort sieht die Sache natürlich wieder anders aus als da, wo wir eine Inzidenz von 200 haben." Es gehe darum, dass die Gesundheitsämter die Infektionen wieder nachverfolgen können. Gebraucht werde ein "nachhaltiger Weg aus der Pandemie".
Auf die Frage, ob an Ostern wieder Treffen mit mehr Menschen möglich sein werden, gab die Kanzlerin keine klare Antwort. Sie verwies auf die Notwendigkeit, die Maßnahmen einzuhalten und wirklich vorsichtig zu sein. "Wenn wir das noch eine Weile durchhalten, dann wird das besser werden", sagte Merkel. Sie verwies auf den vergangenen Sommer, als die Infektionszahlen zurückgegangen waren und "eine Menge normales Leben" möglich gewesen sei.

Nächster Corona-Gipfel zu Lockerungen

Derweil rückt die nächste wichtige Beratung schon in den Blick: Am Mittwoch, 10.2.21, wollen Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder darüber entscheiden, ob der zunächst bis 14. Februar befristete Lockdown in Deutschland erneut verlängert wird. Politiker machen wenig Hoffnung auf Lockerungen.
Oppositionsparteien und Verbände zeigten sich am Dienstag enttäuscht über die Ergebnisse des sogenannten Impfgipfels. Aus der Wirtschaft kam Kritik wegen fehlender Perspektiven für einen Weg aus dem Lockdown.