Bei dem Schusswaffenangriff in einer Universität in Russland sind nach Angaben der Ermittler weniger Menschen getötet worden als zunächst angenommen. Aktualisierten Angaben zufolge gebe es in der zentralrussischen Stadt Perm sechs Tote und 28 Verletzte, teilte das für schwere Straftaten zuständige Ermittlungskomitee am Montag mit. Zuvor hatten die Ermittler von acht Todesopfern gesprochen. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP am Montagmittag.
Ein bewaffneter Angreifer hatte am Montagmorgen in einer Universität in Perm um sich geschossen. Der mutmaßliche Angreifer, ein Student, wurde nach Angaben der Ermittler festgenommen. Weil er sich gegen seine Festnahme wehrte, wurde auch er verletzt. Über sein Motiv wurde zunächst nichts bekannt.

Studentinnen stehen in der Nähe der Staatlichen Universität Perm, etwa 1100 Kilometer östlich von Moskau. Ein Mann hat in einer Universität um sich geschossen und nach Angaben des russischen Ermittlungskomitees mehrere Menschen getötet und verletzt.
Studentinnen stehen in der Nähe der Staatlichen Universität Perm, etwa 1100 Kilometer östlich von Moskau. Ein Mann hat in einer Universität um sich geschossen und nach Angaben des russischen Ermittlungskomitees mehrere Menschen getötet und verletzt.
© Foto: Anastasia Yakovleva/DPA

Amoklauf in Russland: Sechs Tote in Perm

Wie unter anderem die Nachrichtenagentur DPA zuvor berichtet hatte, war zunächst davon ausgegangen worden, dass bei dem Vorfall mindestens acht Menschen getötet worden seien. Rund 20 Menschen seien verletzt worden, teilten mehrere Behörden demnach mit. In dem Bericht hieß es zudem, der Angreifer sei getötet worden.
Auf Videos im sozialen Netzwerk Telegram war zu sehen, wie Menschen aus Fenstern sprangen. Im Inneren des Gebäudes verbarrikadierten Studenten mit Stühlen und Tischen die Türen. Sie waren aufgefordert worden, sich in den Hörsälen einzuschließen. Dozenten hatten sich eigenen Angaben zufolge vor dem maskierten Mann in ihren Büros verschanzt. Der Polizist Konstantin Kalinin berichtete, er habe den Angreifer in einem Treppenhaus gesehen. Er habe ihn aufgefordert, seine Waffe wegzuwerfen, "aber er hat seine Waffe auf mich gerichtet und geschossen, woraufhin ich von meiner Schusswaffe Gebrauch gemacht habe", sagte Kalinin in einem Video, das vom russischen Innenministerium verbreitet wurde.

Amoklauf in Perm: Hatte der Mann seine Tat im Inernet angekündigt?

Präsident Wladimir Putin drückte den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus, wie Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge sagte. Regierungschef Michail Mischustin wies die Minister für Gesundheit und Bildung an, in das rund 1200 Kilomter östlich von Moskau entfernte Perm zu fliegen, um die Universität zu unterstützen.
Medienberichten zufolge handelte es sich bei dem Täter um einen jungen Mann, der seine Tat zuvor in den sozialen Netzwerken angekündigt hatte. Ein klares Motiv nannte er demnach nicht.

Amoklauf in Perm: Angreifer mit Jagdgewehr bewaffnet

Nach Angaben des Ermittlungskomitees war der Angreifer in Perm mit einem Jagdgewehr bewaffnet, welches er im Mai erworben hatte - also vor der Verschärfung des Waffenrechts. Kreml-Sprecher Peskow sagte, der junge Mann habe offensichtlich "psychische Probleme" gehabt.

Amoklauf in Perm: Bereits mehrere Taten in Russland in den vergangenen Monaten und Jahren

Es ist nicht der erste tödliche Überfall auf eine Bildungseinrichtung in Russland. Im Mai hatte ein 19-Jähriger neun Menschen in einer Schule in Kasan in der russischen Teilrepublik Tatarstan getötet. Die meisten Opfer waren Kinder. Mehr als 20 Menschen wurden verletzt. Der Mann wurde wegen Mordes festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft. 2018 hatte ein 18 Jahre alter Berufsschüler in der Stadt Kertsch auf der von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim um sich geschossen und einen Sprengsatz gezündet. Dabei starben 20 Menschen.
Nach dem Amoklauf in der Stadt Kasan rund 720 Kilometer östlich von Moskau gab es Forderungen nach einer stärkeren Kontrolle von Waffenbesitzern - etwa nach einer elektronischen Datenbank, in der ärztliche Untersuchungen vermerkt werden. Überprüft werden sollten demnach etwa auch die psychologische Eignung und ein möglicher Drogenkonsum. Ministerpräsident Mischustin hatte angekündigt, auch die Sicherheitsvorkehrungen an den Schulen zu überprüfen und gegebenenfalls zu verstärken. Das gelte auch für Ferienlager.