Aurora Amoklauf bei Batman-Premiere

Aurora / PETER DE THIER 21.07.2012
Die"Batman"-Filmpremiere wird zum Blutbad. Ein Mann feuert wahllos auf die Zuschauer. Es gibt Tote und Verletzte, Chaos im Kinosaal. Amerika wird einmal mehr von einem Amoklauf erschüttert.

Zwölf Tote und mindestens 38 zum Teil schwer Verletzte. So lautet die vorläufige Bilanz eines Blutbads in einem Kinokomplex in Aurora, Colorado. Warum der Täter, den die Polizei als den 24-jährigen James Holmes identifizierte, bei der Mitternachtspremiere des neuen Batman Films das Feuer eröffnete, bleibt weiterhin unklar. Der Mann gilt als unbeschriebenes Blatt. Politiker nahmen das tragische Ereignis jedenfalls erneut zum Anlass, um schärfere Waffengesetze zu fordern.

Vor tausenden von Kinos in den USA hatten Menschen stundenlang Schlange gestanden, um ein Ticket zu der mit Spannung erwarteten Premiere des neuen"Batman"-Films"The Dark Knight Rises" zu ergattern. So auch vor dem Century 16 Cinema in Aurora, einer 300 000-Einwohner-Stadt, 30 Kilometer von Denver entfernt.

Kaum hatten es sich im rappelvollen Kinosaal Nummer neun hunderte Gäste mit Popcorn und Cola bequem gemacht, ereignete sich das Undenkbare. Ein maskierter, in Schwarz gekleideter Mann, der von außen einen Noteingang aufgebrochen hatte und in den dunklen Saal eingedrungen war, rannte durch die Gänge, stellte sich vor die Riesenleinwand und begann, wahllos um sichzu schießen. Zuvor hatte er offenbar Tränengas gesprüht und eine Rauchbombe gezündet. Nach Polizeiangaben trug Holmes vier Waffen bei sich, darunter eine"AK- 47-artige" Schnellfeuerwaffe. Er konnte das Magazin binnen weniger Sekunden leer schießen.

Nach Zeugenaussagen rannten viele der verschreckten und heillos verwirrten Kinobesucher zu den Notausgängen. Andere reagierten nur langsam, weil sie zunächst glaubten, es handele sich um einen Gag, einen Teil des Films.

Als wenige Minuten später die Polizei eintraf, stießen die Ordnungshüter auf ein Schreckensbild. Blutüberströmte, schreiende Menschen auf der Straße, im Foyer des Gebäudekomplexes und im Kinosaal."Es war wie ein Horrorfilm" erklärt Donovan Tate, einer der Überlebenden."Einige der Opfer krochen auf allen Vieren, ein Mann hatte sich bis auf die Unterhose ausgezogen, Menschen hatten Schusswunden im Rücken, andere im Arm."

Auroras Polizeichef Dan Oates sprach von einer"grauenvollen Tragödie. So etwas habe ich noch nie erlebt." Ein anderer Zeuge berichtete von einem Polizisten, der ein leblos wirkendes junges Mädchen aus dem Kino trug und zu einer Ambulanz brachte.

Zunächst hatte die Polizei von 14 Toten gesprochen, korrigierte die Zahl aber dann auf 12. Mindestens 38 wurden verletzt, einige von ihnen in einem angrenzenden Kino, da die Kugeln die Wände durchdrangen und auch dort Gäste trafen. Zu den Opfern zählt ein drei Monate alter Säugling.

Festgenommen wurde der 24-jährige Täter bald danach hinter dem Kino in der Nähe seines Autos, das mit einem Roboter auf weitere Waffen und Sprengstoff durchsucht wurde. Nachdem Holmes behauptete, zu Hause Sprengsätze deponiert zu haben, wurden benachbarte Appartements von Sondereinheiten der Polizei und des FBI zunächstevakuiert und anschließend die Wohnung durchsucht.

Obwohl es noch keine Hinweise auf ein Tatmotiv gibt, vermuten die Behörden keinen terroristischen Hintergrund. Auch dürfte Holmes allein gehandelt haben. Die Ermittlungen werden sich laut einem FBI-Sprecher nun auf das Privatleben, und den Werdegang des Täters konzentrieren - und auf die Frage, wie er in den Besitz seines eigenen Waffenarsenals gelangen konnte."Unsere wichtigste Priorität muss es jetzt sein, den Verletzten die beste Versorgung zu ermöglichen und uns um die Angehörigen der Opfer zu kümmern" sagte der Abgeordnete Ed Perlmutter. Darüber hinaus gelte es aber, schnellstmöglich festzustellen,"wo die Waffen herkamen, ob er psychisch gestört war und gar nicht erst in den Besitz der Waffen hätte gelangen dürfen."

US-Präsident Barack Obama erklärte, er sei"schockiert und betrübt über die tragische Schießerei" und versicherte seinen Landsleuten, dass die Regierung alles Notwendige tun werde, um dem Massaker auf den Grund zu gehen und den oder die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Viele erinnern sich an ein anderes Blutbad, das im April 1999 Dylan Klebold und Eric Harris anrichteten. An der Columbine High School töteten sie zwölf Menschen."Nach 13 Jahren kommt mir das vor wie eine Neuauflage der Columbine- Tragödie" sagt die Kongressabgeordnete Carolyn McCarthy."Es ist ein schmerzhafter Weckruf, der beweist, wie dringend schärfere Gesetze notwendig sind, um zu verhindern, dass tödliche Waffen illegal in die Hände der falschen Menschen gelangen."

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