Am Ende verlieren die Bösen

Traumland für kleine und große Männer: Der Wiblinger Mittelaltermarkt mit seinem Ritterturnier war Anziehungspunkt fürs Publikum. Foto: Matthias Kessler
Traumland für kleine und große Männer: Der Wiblinger Mittelaltermarkt mit seinem Ritterturnier war Anziehungspunkt fürs Publikum. Foto: Matthias Kessler
UTE GALLBRONNER 18.05.2012
Keine Frage, Ritter sind Männersache. Frauen waren zum Auftakt des Mittelaltermarktes im Wiblinger Kloster zwar auch zugegen. Fürs Detail begeisterten sich aber allem die Jungs, große wie kleine.

Die Rollen waren schnell verteilt auf dem Kampffeld von Wiblingen. "Sind das die Lieben", fragt der kleine Lucas seinen großen Bruder. "Klar", sagt der und nickt abwesend. Denn seine Augen sind auf die Kampfszene gerichtet: "Die anderen sind die Looser!" Entsprechend werden Heinrich der Löwe und seine Getreuen empfangen, mit Pfiffen und Gebrüll, da können sie noch so schön vom Pferd segeln. Einzig einige Erwachsene haben Mitleid, zollen auch den Künsten der "Bösen" Beifall.

Weniger Spaß hatte der Nachwuchs zuvor an den langen Schlangen vor der Kasse gehabt. Da wurde gejammert und genörgelt, weil es gar so lange dauerte. Wohl dem, der schon im Vorverkauf zugeschlagen hatte. Überhaupt ist Voraus-Planung beim Besuch des Mittelaltermarktes alles. Ein festes Budget, vor allem für die Kinder, macht die ganze Sache deutlich entspannter. Denn es gibt dort so viel zu sehen, jede Menge spannende Dinge zum Ausprobieren und noch viel mehr zu kaufen.

Besonders Jungs wähnen sich im Schlaraffenland. Ein Papa staffiert den Sohnemann mit blauem Ritterhemd, Holzschwert und langer Lanze aus. Als Krönung gibt es einen echten Helm, der allein 49 Euro kostet. "Der ist doch zu schwer", versucht es die Mutter mit einem Einwand. Abgelehnt. Genau das soll es sein: "Die Papphelme hat doch jeder. Mit dem fällt er im Fasching richtig auf!" Der Kopf des Kleinen schlenkert bedrohlich, doch er strahlt unter seiner Blechmütze übers ganze Gesicht.

Die Ritter und ihre Gefolgschaft residieren zwischen Marktgelände und Turnierplatz. Hier kann man schlendern und anschauen, was ein richtiger Kämpfer so trägt. Die Jungs stehen mit offenen Mündern vor dem Waffenlager des Ritters vom Pfeil. Marvin, sechs Jahre alt und 23 Kilo schwer, staunt nicht schlecht, dass die Ausrüstung mehr wiegt als er selbst. Mit beiden Händen hält er eine Kampfaxt hoch: "Schau Papa!" Der geht lieber in Deckung, ehe der Nachwuchs ihm eine Rasur verpasst. "Keine Angst, die Waffen sind nicht scharf", beruhigt der Ritter, "verletzen kann man damit aber trotzdem jemand." Die Dellen am Schwert zeugen von der Gefahr. Vater und Sohn nicken, Marvin gibt die Waffe ehrfurchtsvoll zurück. Dann zieht er weiter: Helm aufprobieren, einen echten.

Beim Turnier haben übrigens die "Lieben" am Ende gewonnen. "Das ist immer so im Film", stellt Lucas fest: "Auch wenns echt ist."

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