Fußgänger haben keine Knautschzone - und sind auch dadurch im Straßenverkehr besonders gefährdet. Welchen Risiken sie als Verkehrsteilnehmer ausgesetzt sind, hat der Versicherungskonzern Allianz in einer am Donnerstag vorgestellten Studie untersucht.

Enthalten sind auch Vorschläge, wie sich die Opferzahlen reduzieren ließen. Die wichtigsten Erkenntnisse:

Das Risiko: Generell ist der Straßenverkehr sicherer geworden. Das Zufußgehen ist jedoch statistisch betrachtet - noch vor dem Fahrradfahren, dem motorisierten Individualverkehr und dem öffentlichen Verkehr - die gefährlichste Fortbewegungsart. So lag der Anteil der Fußgänger an den Verkehrstoten 2018 bei etwa 14 Prozent: 457 Fußgänger starben. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts bedeutete dies zwar einen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Langfristig betrachtet - seit der Jahrtausendwende - nahm der Anteil jedoch leicht zu.

Die bestehenden Gefahren: Besonders gefährdet sind Fußgänger in der Zeit von Oktober bis Februar, innerorts und in der Dämmerung oder bei Dunkelheit. Bei Unfällen in der Nacht gibt es besonders viele Todesopfer.

Der „typische“ Fußgängerunfall: Bei 87 Prozent aller tödlichen Fußgängerunfälle sind Autos und Laster involviert, deren Fahrer zumeist auch die Hauptunfallverursacher sind. „Fußgänger sind eher die „Opfer“ als die „Täter““, betont Christoph Lauterwasser vom Allianz Zentrum für Technik. Am häufigsten kommt es zu Kollisionen, wenn Fußgänger Straßen überqueren. Ein Fünftel sind Abbiegeunfälle. Noch größer ist jedoch - laut Studie überraschenderweise - der Anteil der Unfälle mit rückwärtsfahrenden Fahrzeugen.

Was Fußgänger falsch machen: Der häufigste Fußgängerfehler ist es, beim Überqueren von Straßen nicht aufzupassen. Die Statistiken legen zudem nahe, dass jeder zehnte getötete Fußgänger betrunken war. „Alkohol, Medikamente, Drogen, Müdigkeit, Ablenkung, haben als Unfallursache ein hohes Dunkelfeld“, heißt es bei der Allianz.

Ablenkung durch Smartphones: Das Smartphone ist auch aus den Händen vieler Fußgänger nicht mehr wegzudenken. 45 Prozent nutzten ihre Geräte auch beim Überqueren von Straßen, heißt es. Die Daten zeigen, dass zwischen einer Ablenkung durch Tippen, Musik hören und Fotos machen sowie Unfällen und Gefahrensituationen signifikante Zusammenhänge bestehen.

Neu hinzukommende Gefahren: Die Allianz erwartet durch die neuen E-Scooter einen Anstieg der Unfallzahlen - sowohl durch Zusammenstöße als auch durch Unfälle ohne Beteiligung anderer Fahrzeuge. Besonders kritisch sieht Jochen Haug, Vorstandsmitglied der Allianz Versicherungs-AG, das niedrige Einstiegsalter ab zwölf Jahren und eine mögliche Freigabe der Gehwege für langsame E-Roller.

Die Opfer: Schon jetzt trifft es überproportional häufig Senioren. „Mehr als die Hälfte der getöteten Fußgänger in Deutschland ist älter als 64 Jahre“, berichtet Haug. „Und der Anteil stieg vergangenes Jahr nochmals stark an, von 51 auf 56 Prozent.“

Die Kosten: Fußgängerunfälle verursachen laut Allianz jährlich mehr als zwei Milliarden Euro Kosten.

Wo Technik die Situation verbessern könnte: Das Hauptproblem sind die hohen Geschwindigkeitsdifferenzen zwischen Fußgängern und Fahrzeugen. „Wichtig ist es, Tempo 30 gezielt einzusetzen“, erläutert Lauterwasser. Bewährt hätten sich etwa Geschwindigkeitsanzeigen an Straßen. Zudem sollten Autos und Laster mit Notbremssystemen auch beim Rückwärtsfahren ausgestattet werden, fordert er.

Was die Politik verbessern kann: Fußgänger brauchen aus Sicht der Allianz ein zusammenhängendes Netz von Bürgersteigen, auf denen nur im Ausnahmefall auch Fahrräder oder Roller fahren dürfen. Außerdem wären ein nationaler Fußverkehrsplan, eigene Unfalljahresberichte sowie die Erneuerung der Europäischen Charta der Fußgänger aus dem Jahr 1988 weitere wichtige Ansätze.