Raumfahrt Alexander Gerst fühlt sich pudelwohl im All

Astro-Alex auf dem Monitor bei der Esa in Köln: Er hat sogar einen Original WM-Fußball mit ins All genommen.
Astro-Alex auf dem Monitor bei der Esa in Köln: Er hat sogar einen Original WM-Fußball mit ins All genommen. © Foto: Michael Gottschalk, afp
Köln / Sven Kaufmann 13.06.2018

Er schwebt schwerelos vor der Kamera, faltet entspannt die Hände und „stellt“ geduldig lächelnd sein Mikrofon vor sich in der Luft ab, bis die Kommunikation mit der Erde endlich steht. Alexander Gerst, der deutsche Astronaut auf der Internationalen Raumstation (ISS), scheint fit und gut drauf zu sein. Bei einer Pressekonferenz der Europäischen Weltraumagentur Esa in  Köln, die am Dienstag live im Internet übertragen wurde, erzählt er, dass bei seinem zweiten Besuch nach 2014 im All vieles gleich, aber auch manches ganz anders ist.

Fünf Tage nach seiner Ankunft auf der ISS geht es Astro-Alex dort „fantastisch“. Es habe sich „wirklich so angefühlt, als ob ich hier nicht mal weg gewesen wäre. Selbst das Schweben klappt problemlos – mir ist nicht schlecht geworden, keine Weltraumkrankheit.“ Er habe auch schon mit den ersten Experimenten begonnen.

Für den Künzelsauer war der Flug nicht mehr ganz so emotional wie beim ersten Mal, dafür aber „spannender“, wie er es ausdrückt. Es habe kleinere Probleme mit einem Sensor gegeben – als Co-Pilot habe er da mehr Verantwortung gehabt. Deshalb habe „die Romantik ein wenig gefehlt“. Als er dann aber Zeit hatte, aus dem Fenster zu schauen, habe er tatsächlich gleich Deutschland gesehen, Köln und den Nürburgring: „Es ist schön, wenn man die Heimat sieht“, schwärmt er.

„Kein Planet B“

Überhaupt: Ganz frei von Emotionen bleibt selbst der „alte Hase“ beim Anblick der Welt da unten nicht. Auf die Frage, ob man oben die Probleme auf der Erde wie Kriege und Umweltzerstörung nicht mit viel mehr Distanz betrachte, sagt er, dass das „schon nachdenklich“ stimme. Aber man sehe die Probleme in größeren Zusammenhängen. Erneut macht er darauf aufmerksam, dass wir „keinen Planeten B“ haben und dass es nur eine Atmosphäre gebe. „Wenn wir die zerstören, dann war’s das.“

Umso wichtiger sei unter anderem die Klimaforschung. „Wir müssen lernen, das System Mutter Erde zu verstehen. Sie ist wie eine riesige Maschine mit tausenden Hebeln und Knöpfen, von denen wir die Funktionen nicht kennen.“ Aber der 42-Jährige wirkt auch zuversichtlich: Die ISS sei die komplexeste Maschine der Menschheit und ein Ergebnis internationaler Zusammenarbeit. Er hoffe auf weitere gemeinsame Projekte.

Der Spaß fehlt im All natürlich nicht. Gerst will als Esa-Wissenschaftler zwar keine Prophezeiung zum Ausgang der Fußball-WM geben. Aber er hat mit seinem Kollegen Sergej Prokopjew gewettet: Wenn Russland gewinnt, werde Gerst die russische Landesflagge auf die Stirn gemalt. Und wenn Deutschland Weltmeister wird? „Dann wird Sergej seine Frisur meiner anpassen.“ Kahlschlag also.

In das eine oder andere Spiel wollen die Raumfahrer beim Abendessen  auf dem Notebook reinschauen. Und außerdem haben sie einen Original WM-Ball oben, den sie dem Sieger als Anreiz mitbringen wollen.

Gerst vermisst nach ein paar Tagen da oben nicht viel. Allenfalls ein bisschen Salat. „Die Stimmung ist super in der Crew, das ist wichtiger“, betont er strahlend. „Man muss sich das hier vorstellen wie einen Campingurlaub: Man hat viel Spaß, aber nicht ganz so viel Komfort.“

Was ihm aber jetzt schon fehle: Sich zum Schlafen so richtig entspannt aufs Bett zu werfen. Kein Wunder, in der Schwerelosigkeit schwebt man selbst im Schlafsack herum. Völlig losgelöst eben – aber für einen wie Astro-Alex gibt es Schlimmeres.

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