Seuche Afrikanische Schweinepest gefährdet Mastbetriebe

Philipp Zettler  13.01.2018
Die Afrikanische Schweinepest gefährdet Mastbetriebe. Der Bauernverband fordert, die meisten Wildschweine abzuschießen.

Der Bauernverband schlägt Alarm: Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist in Polen und Tschechien auf dem Vormarsch. Laut Elke Reinking, der Pressesprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts, dem  Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Seuche hierzulande ausbricht. Deshalb bekräftigte Werner Schwarz, der Vizepräsident des Bauernverbands, die Forderung des Verbands, die Wildschweinpopulation in Deutschland um 70 Prozent zu verringern. Die Länder sollen Schonzeiten aussetzen, befriedete Gebiete freigeben und Jäger mit Aufwandsentschädigungen motivieren. Warnschilder sollen an Raststätten über die Gefahren informieren und die Polizei an den Grenzen mit Spürhunden Reisende darauf kontrollieren, ob sie kontaminiertes Fleisch dabei haben. Die wichtigsten Fakten im Überblick:

Die ASP ist eine Virusinfektion, die das Erbgut von Schweinen befällt. Die Erreger der afrikanischen und der gemeinen Schweine­pest seien nicht verwandt, sagt Reinking. Der Name rühre von den sehr ähnlichen Symptomen her. Das ASP-Virus sei erstmals in Afrika aufgetreten.

Erste Anzeichen sind Fieber und innere Blutungen. Die Krankheit endet nach rund 10 Tagen  mit  dem Tod des Tieres. Ein Heilmittel oder eine Impfung existieren nicht.

„Nein“, sagt Reinking. Für Menschen sei weder eine direkte Infektion noch der Verzehr von kontaminiertem Fleisch gefährlich. Auch Hund, Katze und Co. seien sicher.

Blut und Exkremente sind die Haupt­übertragungswege. Der Mensch ist noch vor den Wildschweinen der größte Überträger: Durch den Transport von kontaminiertem Schweinefleisch, zum Beispiel in Wurst, Schinken und Co., sei das Virus in kurzer Zeit über weite Strecken „gesprungen“, erklärt Reinking. 2007 sei das Virus vermutlich per Schiff von Afrika in die georgische Hafenstadt Poti gelangt. Wildschweine sollen Proviant gefressen haben.

„Wildschweine sind ein Reservoir des Virus“, sagt Reinking. Sie bewegen sich ungehindert über Landesgrenzen. Wegen der großen Zahl der Tiere in Mitteleuropa ist es extrem schwer, den Virus regional zu begrenzen oder auszurotten.

Tiere in Freilandhaltung können in Kontakt mit Wildschweinen oder Essensresten kommen. Das kann durch bessere Zäune verhindert werden. In Mastbetrieben gibt es Sicherheitsvorkehrungen: Die Mitarbeiter müssen Schutzkleidung tragen und dürfen im Stall nicht essen. Doch ein Tropfen Blut am Stiefel reiche aus, um alle Schweine im Betrieb zu infizieren, sagt Reinking. Auch die illegale Verfütterung von Essensresten ist ein Problem.

Schon ein einziges erkranktes Wildschwein in Deutschland führe zu Restriktionen und Einfuhrsperren seitens wichtiger Exportländer, erläutert Michael Lohse, der Sprecher des Bauernverbands. Außerdem droht ein Preisverfall. Erkrankt ein Schwein in einem Mastbetrieb, müssen sämtliche Tiere des Betriebs getötet werden. Das kann die gesamte Branche zum Erliegen bringen, sagt Lohse. Die deutsche Schweinezucht hat einen Produktionswert von 6,9 Milliarden Euro und beschäftigt 120.000 Menschen. 2016 wurden 4,1 Millionen Tonnen Fleisch exportiert.

Fleisch- und Wurstreste sollten nie in der Natur, sondern in stabilen Mülltonnen entsorgt werden. Wildschweine seien intelligent und könnten kleine oder beschädigte Mülleimer knacken, sagt Reinking. Das gilt an Autobahnraststätten, aber auch in Großstädten. Stuttgart kämpft seit Jahren mit einer stark wachsenden Wildschweinpopulation. Im Landkreis Neu-Ulm wurden 2015 über 500 Tiere geschossen. Finden Waldbesucher mehrere tote Tiere, muss sofort das Veterinäramt verständigt werden.

Ein tschechischer Fernkraftfahrer, der sein Wurstbrot in Ulm in der Natur entsorgt, oder ein Reisender, der Fleisch von polnischen Verwandten nach Stuttgart mitbringt: Der Überträger Mensch mache die Wahrscheinlichkeit eines Ausbruchs im gesamten Bundesgebiet gleich hoch, sagt Reinking.

Egal, ob aus Deutschland oder Osteuropa – das Fleisch im Supermarkt wird kontrolliert und ist sicher. Ein Problem seinen unkontrollierte Hausschlachtungen, wie sie in Osteuropa häufiger vorkommen, warnt Lohse. Reisende sollten dieses Fleisch nicht importieren.

Verendete Wildschweine sofort melden

300.000 Wildschweine leben im Frühjahr in Deutschland. Ihre Zahl steigt im Herbst bis auf 900.000.

Wer mehrere verendete Wildschweine auf einem Platz findet, muss das sofort dem zuständigen Veterinäramt melden. Eine Liste gibt es online unter: www.veterinaeraemter-bw.de

Informationen für Tierärzte und Jäger zur Seuche gibt das Friedrich-Loeff­ler-Institut online unter www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengesche hen/afrikanische-schweinepest/

Website des Deutschen Bauernverbands: www.bauernverband.de