Münster ist zum ersten Mal seit 1988 nicht mehr die fahrradfreundlichste Großstadt Deutschlands - Karlsruhe hat sie überholt. Die Schulnote 3,15 reichte aus, um sich den ersten Platz bei den Städten zwischen 200 000 und 500 000 Einwohnern zu sichern, wie das neue Ranking des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) ergab. Es gebe allerdings einen Wermutstropfen, sagte ADFC-Landeschefin Gudrun Zühlke bei der Präsentation am Dienstag in Stuttgart. „Karlsruhe ist konstant geblieben und ist deswegen Erster geworden, weil sich Münster seit Jahren stetig verschlechtert.“

Hinter Münster (3,25) landete mit Freiburg (3,42) eine weitere Südwest-Stadt auf Platz 3. „In der Spitze schneidet Baden-Württemberg ganz gut ab“, so Zühlke. 21 Preise vergibt der Fahrradclub anhand des Rankings an deutsche Städte - fünf davon gehen an baden-württembergische. Neben Karlsruhe und Freiburg werden Emmendigen und Konstanz ausgezeichnet, letztere sogar zwei Mal.

Ein Glanzzeugnis haben Baden-Württembergs Städte für das Jahr 2018 allerdings nicht bekommen: Die Gesamtnote lautete ausreichend, also vier. Bei den Punkten „Führung von Radwegen an Baustellen“ und „Radwege von Falschparkern freigehalten“ gab es jeweils nur ein mangelhaft, eine fünf also. Die Noten würden immer schlechter, sagte die ADFC-Chefin. „Die Radverkehrsförderung wird nicht wahrgenommen, beziehungsweise die Erwartungen steigen schneller als die Förderungen.“

Stuttgart lag in der Klasse der Städte mit mehr als einer halben Million Einwohnern auf einem der hinteren Ränge: Mit der Note 4,23 schaffte es die Landeshauptstadt nur auf Platz 10 von 14. Bremen (3,55) belegte in der Klasse den ersten Rang.

Wichtiger als die Rangfolge der Städte sei es für den ADFC aber, welche Punkte besonders gute oder schlechte Noten erhalten hätten - „also was ist es, was die Radfahrer bewegt? Ist es die Öffnung von Einbahnstraßen - hilft das den Radfahrern wirklich?“, sagte Zühlke. „Wie sehen die Fahrradfahrer die Verkehrssicherheit, ist das besonders schlecht in der Stadt oder relativ gut?“ In Baden-Württemberg wurde das Sicherheitsgefühl nur mit ausreichend bewertet - ebenso wie die Breite der Radwege und die Ampelschaltungen.

Neben dem allgemeinen Fahrradklima wurde diesmal auch die Familienfreundlichkeit ausgezeichnet - hier ging der Südwesten leer aus. Fast drei Viertel der Befragten sagten, dass man Kinder nur mit schlechtem Gefühl allein Rad fahren lassen kann.

Bundesweit hat die Unzufriedenheit der Radfahrer mit den Radwegen weiter zugenommen. Bemängelt wurde vor allem, dass Radwege zu schmal seien oder von Falschparkern blockiert werden.

Der Fahrradklima-Test des ADFC ist ein Zufriedenheitsindex von Radfahrern. Er gebe nur die subjektive Wahrnehmung wieder, betonte die ADFC-Chefin. Denn es gelte, genau diese zu erhöhen. „Nur wenn die objektive Sicherheit gefördert wird, führt das noch nicht zu mehr Radverkehr.“

Bundesweit nahmen 170 000 Menschen teil - 40 Prozent mehr als bei der letzten Befragung vor zwei Jahren. In Baden-Württemberg waren es
21 000. Seit der ersten Befragung 1988 war Münster immer auf Platz eins bei den Städten mit mehr als 200 000 Einwohnern gelandet. Bei der aktuellen Bewertung wurde erstmals eine eigene Kategorie für Städte mit mehr als 500 000 Einwohnern eingeführt.

Fahrradklima-Test 2018