Atlanta "Wir werden das stoppen"

Atlanta / CHRISTINA HORSTEN, DPA 02.10.2014
Irgendwann musste es soweit kommen: Erstmals ist ein Patient außerhalb von Afrika mit Ebola diagnostiziert worden. Der Mann liegt auf einer Isolierstation im US-Bundesstaat Texas. Das löst Ängste aus.

Noch bevor er die Nachricht verkündet, schiebt Thomas Frieden Mahnungen vorweg. Ja, Ebola sei eine "angsteinflößende Krankheit", sagt der Direktor der US-Gesundheitsbehörde CDC. Aber das Ansteckungsrisiko in den USA sei sehr gering, denn die Krankheit werde hauptsächlich über Körperflüssigkeiten von erkrankten Patienten übertragen. Zudem sei das Gesundheitssystem der USA stark und völlig anders als in den Ebola-Ländern in Westafrika, wo es bereits mehr als 3000 Tote gibt.

Will sagen: Kein Grund zur Hysterie - auch wenn nun das eingetreten ist, was man lange befürchtete: Ein Ebola-Fall in den USA, der erste mit der Krankheit diagnostizierte Patient außerhalb Afrikas seit Ausbruch der Epidemie.

Seit Wochen warnt Frieden vor Hysterie. Fünf Ebola-Patienten waren in dieser Zeit in die USA gebracht worden, aber sie alle waren schon in Afrika erkrankt und dann direkt mit Spezialflugzeugen in Kliniken mit Isolierstationen gebracht worden. Allein das hatte aber gereicht, um in den USA Sorge vor einer Ansteckungsgefahr auszulösen.

Der neue Fall ist anders: Der Patient ist am 20. September aus Liberia in die USA eingereist, ganz normal per Linienflug. Da hatte er sich wohl schon angesteckt, zeigte aber noch keine Symptome. Die entwickelte er erst, als er bereits zu Besuch bei Familienmitgliedern in Dallas im US-Bundesstaat Texas war.

Am 26. September ging er erstmals ins Krankenhaus, zwei Tage kam er in eine Isolierstation im Texas Health Presbyterian Hospital in Dallas. Am Dienstag wurde festgestellt, dass der inzwischen schwer kranke Patient das Ebola-Virus hat.

Rasend schnell verbreitet sich die Nachricht per Internet - und mit ihr die Aufregung. "Ich habe mir heute schon zehnmal die Hände desinfiziert", schreibt einer bei Twitter. Ein anderer klagt: "Warum lassen wir solche Leute aus betroffenen Gebieten in die USA einreisen? Ich will mich nicht anstecken und sterben." Nick Carter, Ex-Mitglied der Band Backstreet Boys, kommentiert: "Warum redet denn keiner über die Menschen, die mit dem Mann, der Ebola hat, im Flugzeug saßen?"

Das CDC und das Weiße Haus versuchen gegenzusteuern. Im Flugzeug sei der Patient noch nicht ansteckend gewesen, da er noch keine Symptome gehabt habe, so Frieden. Das Weiße Haus twittert: "Amerika hat die besten Ärzte und die beste Gesundheitsinfrastruktur der Welt, und wir sind darauf vorbereitet, auf so einen Fall zu reagieren."

Das CDC muss aber auch eingestehen: Mehrere Tage lang war der Patient mit Symptomen in den USA unterwegs und könnte andere angesteckt haben. Bisher gebe es keine weiteren Verdachtsfälle, sagt CDC-Chef Frieden. Aber alle Menschen, mit denen der Patient Kontakt gehabt hat - und das sei etwa "eine Handvoll" -, müssten nun ausfindig gemacht und beobachtet werden. Wie lange das dauern werde, sei noch nicht klar, sagt Frieden - und schiebt sofort wieder eine Hysterie-Warnung hinterher. "Ich habe keine Zweifel, dass wir diesen Ebola-Fall kontrollieren werden, so dass die Krankheit sich in diesem Land nicht weiter verbreiten wird. Wir werden das stoppen."

Virus erst bei Fieber ansteckend

Kaum Risiko Für den Hamburger Virusexperten Jonas Schmidt-Chanasi vom Bernhard-Nocht-Institut ging von dem Patienten in den USA keine Ansteckungsgefahr im Flugzeug aus. "Der Mann war nicht erkrankt, als er im Flieger war. Da ist das Risiko null." Mitreisende könnten sich nur bei erkrankten Personen infizieren, die Fieber haben oder andere Beschwerden zeigten. "In der Inkubationszeit, wenn man keine Symptome hat, kann man das Virus nicht übertragen."

Verbreitung Durch den internationalen Flugverkehr sei es natürlich möglich, "dass mal so ein Fall nach Deutschland importiert wird. Es wird aber niemals bei uns zu so einem Ausbruch kommen wie in Westafrika. Unser Gesundheitssystem und unsere kulturellen Voraussetzungen sind ganz andere." Nach Plänen des Robert Koch-Instituts (RKI) muss ein deutscher Arzt, der einen Ebola-Patienten hat, sofort das Gesundheitsamt und ein Spezialzentrum informieren. Der Patient wird isoliert.

"Es ist absolut unverstellbar, dass ein Erkrankter wochenlang etwa durch Hamburg läuft", sagte der Experte. Auch eine Ebola-Epidemie in Deutschland schließt er aus. dpa

SWP

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