Prominente „Toyboy“ oder große Liebe?

Ulm / Sven Kaufmann 14.04.2018

Bilder sagen mehr als Worte, deutlicher können die seit Tagen im Internet kursierenden Fotos von Heidi Klum und Tom Kaulitz nicht sein: Im sonnigen Mexiko knutscht die Medienfrau leidenschaftlich mit dem Gitarristen der Band Tokio Hotel. Die britische „Daily Mail“ hatte die Bilder online veröffentlicht. Sie wurden mittlerweile von der Webseite genommen. Doch sie haben weltweit die Runde gemacht. Gestern tauchten auch noch Bilder auf, die beide zweisam nach der Rückkehr aus Mexiko auf dem Flughafen in Los Angeles zeigen.

Eigentlich wäre das keine besondere Sache, Stars haben immer wieder mal eine Liebelei. Doch dieses Promi-Pärchen sorgt für enormen Wirbel, weil der neue Lover der 44-jährigen Moderatorin von „Germany’s Next Topmodel“ (GNTM) ganze 16 Jahre jünger ist als sie. Schnell heißt es in Medien, Klum habe sich mit Tokio-Tom einen neuen „Toyboy“ zugelegt, also eine Art „junges Spielzeug“. Unsere Heidi als weiblicher Sugardaddy?

Diese Toyboy-Gerüchte wundern auf den ersten Blick nicht. Immerhin  war der Vorgänger von Tom Kaulitz – Kunsthändler Vito Schnabel – auch schon 13 Jahre jünger als die Model-Schönheit aus Bergisch Gladbach.

Heidi selbst, sonst sehr mitteilsam,  äußert sich nicht öffentlich zu Kaulitz. Auf Instagram postet sie nur Meldungen über ihre GNTM-Mädels und Bilder von einer Asienreise mit ihren Kindern.

Bei einigen von Klums  4,4 Millionen Instagram-Fans wird die ungleiche Beziehung trotzdem heiß diskutiert. Während manche die Liaison „einfach nur peinlich“ finden, fordern andere, man solle Klum so leben lassen wie sie wolle. Wenn die Sängerin Madonna (59) junge Freunde habe, rege sich ja auch keiner auf.

Tatsächlich gilt: Wenn ältere Stars wie Rod Steward oder der legendäre, 2017 gestorbene „Playboy“-Gründer Hugh Hefner sich öffentlich als Sugardaddy mit jungen Blondinen vergnügen, gelten sie als tolle Hechte. Wenn aber Frauen im besten Alter sich junge Männer angeln, ist das für viele ein Skandal. Der hat übrigens auch einen Namen:  Boulevard-Medien sprechen vom „Cougar“-Phänomen. Der englische Begriff steht für Frauen, die „wie ein Puma“ einen viel jüngeren Mann als Sex-Partner erbeuten.

Im Promi-Bereich gibt es das, zumindest offiziell, nicht sehr oft. Mal abgesehen von Madonna. Sie ist seit ihrer Trennung von Guy Ritchie 2008 bekannt dafür, auf sehr junge Lover zu stehen. Sie kann getrost  nicht nur als Pop-, sondern auch Toyboy-Queen gelten. Auch die Sängerin Jennifer Lopez oder die Schauspielerinnen Demi Moore und Sharon Stone haben oder hatten jüngere Partner.

Heidi Klum ist also nicht alleine. Bei den folgenden Promi-Beispielen ist es allerdings weit mehr als die schnelle „Cougar“-Nummer, sondern echte Dauer-Liebe:

Vivienne Westwood Die Modedesign-Legende (76) ist – offenbar glücklich – schon seit 1992 mit dem Tiroler Kollegen Andreas Kronthaler verheiratet. Der De­signer ist ganze 25 Jahre jünger als die politisch und gesellschaftlich engagierte Britin.

Brigitte Macron Sie ist die First Lady Frankreichs. Seit 2007 ist die ehemalige Lehrerin, die gestern 65 wurde, mit ihrem Ex-Schüler Emmanuel Macron verheiratet. Der Staatspräsident Frankreichs ist 25 Jahre jünger als sie und hatte sich schon mit 17 in seine Französischlehrerin verliebt.

Lisa Fitz Die Münchner Kabarettistin und Schauspielerin (66) lebt seit 2002 mit dem Maler Peter Knirsch zusammen. Er ist 21 Jahre jünger.

Simone Thomalla Die „Tatort“­-Schauspielerin (53)  ist seit 2009 mit dem Handball-Nationaltorwart Silvio Heinevetter zusammen. Der Sportstar ist 19 Jahre jünger.

Deborah Lee-Furness Die australische Schauspielerin (62) heiratete 1996 einen Kollegen, der immerhin noch 13 Jahre jünger ist als sie: den Frauenschwarm Hugh Jackman.

Ob nur ein sommerlicher Toyboy-Flirt oder aber der Beginn einer festen Beziehung, Heidi Klum bleibt sich letztlich treu. Erst 2017 sagte sie, sie fühle sich „immer noch sexy“. Und es mache ihr gar nichts aus, dass sie nicht mehr 25 sei. Sie liebe es, ihre weiblichen Reize zu zeigen. Das zieht sie locker und fröhlich durch. Und die mediale Aufmerksamkeit ist der genialen Selbstvermarkterin dank Toyboy-Gerüchten mit dieser Offenheit mal wieder gewiss.

Heidi und die Männer

Model und Moderatorin Heidi Klum hat mit ihren Beziehungen immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Früher waren ihre Männer älter, jetzt sind sie jünger. 2002 trennte sie sich von Promi-Friseur Rick Pippino, er war 13 Jahre älter als sie. Danach war sie mit Musiker Anthony Kiedis zusammen – 11 Jahre Unterschied. 2003 datete sie Formel-1-Manager Flavio Briatore, er war 23 Jahre älter. 2005 folgten sieben Jahre Ehe mit dem zehn Jahre älteren Sänger Seal. Nach der Scheidung 2012 tröstete sie ihr gleichaltriger Bodyguard Martin Kristen – anderthalb Jahre lang. Dann kam der Nachwuchs: 2015 schwärmte sie vom 13 Jahre jüngeren New Yorker Kunsthändler Vito Schnabel: „Ich bin verliebt! Absolut! Vito ist toll.“ Die Beziehung hielt drei Jahre. Ihm folgt nun offenbar der ganze 16 Jahre jüngere Tom Kaulitz. sk

„Stabilität und besseres Selbstwertgefühl“

Was macht den Reiz junger Partner aus? Wir haben den Essener Psychotherapeuten Dr. Christian Lüdke zu ungleichen Beziehungen befragt.

Warum suchen sich ältere Frauen deutlich junge Partner? In der Psychologie sprechen wir – mit einem Augenzwinkern – vom „Amiga“-Syndrom: „Aber meiner ist ganz anders.“ Als Störung oder Krankheitsbild gibt es das nicht. Aber es spiegelt die Psychologie oder die Motivation wider.

Und die wäre? Es ist oft ein Versuch, den Alterungsprozess aufzuhalten. Das kennt man sonst mehr von Männern. Aus Angst, in Würde zu altern, fallen sie in urtümliche Entwicklungsstufen zurück und hoffen, so diesen Prozess aufhalten zu können. Bei manchen Frauen ist das ähnlich. Solch eine Beziehung kann ein Jungbrunnen sein. Sie macht attraktiver und man hebt sich mit dem jungen Partner ab von Gleichaltrigen. Das stabilisiert und stärkt das Selbstwertgefühl.

Gibt es auch tiefergehende Gründe? Bei Beziehungen mit deutlichen Altersunterschieden kann der Partner auch ein Papa- oder Mama-Ersatz sein, um Störungen aus der Kindheit zu kompensieren.

Sind diese Beziehungen haltbar? Das kann sehr gut funktionieren, die Partner sind ja gut aufeinander eingestellt.

Drohen besondere Probleme? Von außen gibt es eventuell Schwierigkeiten mit dem sozialen Umfeld: also mit den Reaktionen von Kollegen, der Familie und dem Freundeskreis.

Und von innen? Da herrschen die gleichen Probleme, so wie jedes Paar sie hat. Schließlich wird jede dritte Ehe geschieden. Aus 29 Jahren Therapie-Erfahrung weiß ich: Die meisten Beziehungen scheitern an Zeitmangel und Missverständnissen. Das killt jede Partnerschaft. sk

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel