Unglück „Sanchi“-Unglück schlimmer als „Exxon Valdes“

Zu früh gesunken: der havarierte Tanker „Sanchi“.
Zu früh gesunken: der havarierte Tanker „Sanchi“. © Foto: Foto: afp
Peking / Felix Lee 16.01.2018

Fast eine Woche lang hat der iranische Öltanker „Sanchi“ im Ostchinesischen Meer gebrannt, am Sonntag sank er. Die 32-köpfige Besatzung gilt als tot. China beteuert, von dem Öl gehe keine Gefahr aus. Der US-Ozeanologe Richard Steiner sieht das anders: In der Gegend werde es eine schlimmere Umweltkatastrophe als vor 19 Jahren beim Unglück der „Exxon Valdez“ vor der Küste Alaskas geben.

Der Tanker war am 7. Januar mit einem chinesischen Frachter kollidiert und in Brand geraten. Er hatte 136 000 Tonnen Ölkondensat und 1000 Tonnen besonders giftiges Schweröl an Bord.

Auf der „Sanchi“ hatte es zuletzt immer wieder Explosionen gegeben. Steiner, der für die Umweltschutzorganisation Oasis Earth viele Öl-Kastostrophen untersucht hat, vermutet daher, dass keiner der Treibstofftanks noch dicht ist. Selbst wenn nur 20 Prozent der Ladung auslaufen, entspräche das der Menge an Rohlöl, die 1989 aus der „Exxon Valdez“ ausgelaufen waren. Damals waren mehr als 2000 Kilometer Küste verseucht worden.

Die chinesischen Behörden hatten nach der Havarie der „Sanchi“ zunächst eine Ölkatastrophe befürchtet. Doch am Wochenende beteuerten sie, die Umweltauswirkungen seien begrenzt.

Besser wäre alles verbrannt

Den chinesischen Staatsmedien zufolge gibt es einen 8 mal 18 Kilometer großen Ölteppich. Das Leichtöl habe aber „weniger Auswirkungen auf das Meer“ als andere Ölarten, sagte ein Vertreter der chinesischen Meeresbehörde dem Staatssender CCTV. Das Meiste sei verbrannt.

Der in China prominente Umweltaktivist Ma Jun jedoch befürchtet eine Ölkatastrophe. Dass das Schiff sank, bevor alles Öl verbrannt war, sei das „Schlimmste, was nach der Havarie passieren konnte“, sagte er er staatlichen Zeitung „Global Times“.

Ölkondensat sei für Meereslebewesen „besonders giftig“, sagte Ma. Dass sich kein großer Ölteppich gebildet hat, sei diesem speziellen Öl geschuldet. Ölkondensat bilde unter Wasser eine giftige Säule aus Kohlenwasserstoffen, die für Fische und andere Tiere im Meer lebensgefährlich sei, die dann von Seevögeln und Menschen verzehrt werden. Auch Fischeier und -larven seien dem Gift ausgesetzt.