Washington „Rage Rooms“: Randale erlaubt

Eine Kundin nach vollendeter Tat.
Eine Kundin nach vollendeter Tat. © Foto: tantrumsllc.com
Washington / PETER DE THIER 04.07.2016

Ob es der Stress im Job ist, Liebeskummer oder, wie bei immer mehr Amerikanern, Angst davor, dass der nächste Präsident Donald Trump heißen könnte: Alle haben sie nun ein Ventil, um ihren Frust abzubauen. Wachsender Beliebtheit erfreuen sich nämlich sogenannte „rage rooms“, zu deutsch „Zornräume“, in denen genervte US-Bürger sich ungeniert austoben und alles zerstören können, was ihnen im Wege steht.

Bei der Firma Tantrums („Wutanfälle“) in Houston etwa können gestresste Texaner für 50 Dollar eine Viertelstunde lang wild um sich schlagen. Wahlweise könne sie zu einem Baseballschläger, einem Vorschlaghammer oder einer Eisenstange greifen und alles demolieren, was in dem 30 Quadratmeter großen Zimmer steht. Dazu zählen Geschirr, alte Fernseher, Computermonitore oder Festplatten, Tresore und Möbel. Erste Nachahmer gibt es inzwischen auch in Deutschland, unter anderem in München.

Bei Tantrums läuft das Geschäft wie in hunderten anderen „Zornzimmern“ in den USA blendend. Die meisten Besitzer berichten, dass Frauen ihre mit Abstand besten Kunden sind, darunter viele Lehrerinnen und Hausfrauen. „Es ist ein wirklich genialer Einfall“, sagt  die Gymnasiallehrerin Ashley Philips, die jede Woche das Studio „Anger Room“ in Arlington, Texas besucht. Die Zornzimmer seien billiger und effektiver als eine Therapie. „Ich war noch nie enttäuscht, es ist ausnahmslos ein erlösendes, befreiendes Gefühl“, so die Lehrerin.

Die Zornräume stoßen teilweise auf harte Kritik. Psychologen weisen darauf hin, dass aggressives Verhalten nicht unbedingt isoliert werden kann. Das Risiko sei groß, dass Menschen mit einem Hang zu Gewalt diesen auch mit nach Hause bringen, wenn sie vorher gegen Bezahlung draufhauen durften, befürchten Experten.

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