„Pokémon-Go“: Ein Phänomen mit großem Suchtpotenzial und einigen Risiken

DPA 16.07.2016

Warum jagen Millionen Menschen auf der Straße virtuelle Monster? „Die Gründe sind vielfältig“, sagt der Medienpädagoge André Weßel vom „Institut Spielraum“ der Technischen Hochschule Köln. Da ist zum einen die Verquickung eines alten Spielkonzepts mit einer neuen Technik, der Augmented Reality. „Es liegt voll im Trend, die wirkliche Welt mit digital generierten Zusatzobjekten zu bereichern und die Grenzen zwischen der realen, physisch erfahrbaren Welt und der virtuellen Welt zu verwischen.“

Zum anderen werde der Entdeckungsdrang bedient. „Man hat die eigene Stadt oder das Umfeld als Spielwelt und bekommt einen ganz neuen Blick darauf.“ Und: „Es widerspricht dem klischeebehafteten Bild des zockenden Couchpotatos.“

Es ist schon erstaunlich: Verließ ein typischer Nerd eher tagelang nicht das Haus, um in abgedunkelten Räumen Computerspiele zu zocken, gehen die „Pokémon Go“-Nutzer auf der Straße, in öffentlichen Gebäuden, in Wäldern oder an Flüssen auf Monsterjagd. „Gerade dieses Rausgehen ist was Neues“, sagt der Direktor des Berliner Computerspiele-Museums, Andreas Lange. „Das hängt natürlich mit der Verbreitung von Smartphones zusammen, die inzwischen jeder in der Tasche stecken hat.“ Hinzu komme der Aspekt des Jagens und Sammelns.

Der Hype ist enorm, es wurde aber auch Kritik laut. Datenschützer warnen, dass Bewegungsprofile aufgezeichnet werden könnten. Es gab Berichte über „Pokémon“-Spieler an sensiblen Orten, wie der KZ-Gedenkstätte Auschwitz. Erste Verkehrsunfälle wurden gemeldet und auch der ADAC warnt vor abgelenkten und achtlosen Menschen, die auf Monstersuche sind.

Die „Pokémon“-Figuren sind ein Dauerbrenner im Spielegeschäft und mit immer neuen Games auch ein Zugpferd für Nintendos Konsolen. Laut Weßel spielt der Nostalgie-Aspekt eine wichtige Rolle. „Dadurch, dass das Spiel schon zwei Jahrzehnte auf dem Buckel hat, machen auch viele Erwachsene mit“, betont Weßel.

„Gerade die, die jetzt Mitte, Ende 30 sind, haben das viel in ihrer Jugend gespielt und schwelgen nostalgisch in alten Zeiten. „Pokémon Go“ passt in das Revival der 90er-Jahre, das wir gerade erleben“, sagt Weßel. „Was bei Mode und Musik geht, funktioniert auch bei digitalen Spielen.“ Auch wenn sich „Pokémon Go“ optisch und durch die einfache Spielweise eher an Kinder und Jugendliche richte, sei es ein „Multigenerationen-Phänomen“.

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