Luxemburg "Müller geb. Maier" im Pass verwirrt nur Kürzel vor Geburtsnamen muss verschwinden

DPA 04.10.2014
Wer heiratet, bekommt manchmal einen neuen Nachnamen. Doch im Pass bleibt der Geburtsname stehen - mit dem Kürzel "geb." Im Ausland ruf das Verwirrung hervor. Ein Mann hat mit Erfolg dagegen geklagt.

Als Geschäftsmann ist Herr U. aus Karlsruhe oft im Ausland unterwegs. Meist beginnt das Problem schon an der Grenze: Die Zollbeamten sind irritiert, wenn sie in seinen Reisepass schauen. Da steht nämlich sein Name Dr. U. (ausgeschrieben) und dahinter "geb." für "geboren" plus Geburtsname. Im Ausland stiftet das regelmäßig Verwirrung, weil Behörden annehmen, dass die Buchstabenfolge Teil des Namens sei.

"Das hat dramatische Folgen für meinen Mandanten", sagt sein Anwalt Rico Faller aus Karlsruhe. Das Puzzle aus Doktortitel, Name, der Angabe "geboren" und Geburtsnamen sei einfach zu groß. So entstanden kuriose Visa: Mal lautete das Dokument auf "Herr Geb" plus Geburtsname, mal auf "Dr. Geb". Ein anderes Mal verlangten Behörden eine notarielle Urkunde über seinen richtigen Namen.

Einmal platzte gar ein Geschäft: Der Unternehmer wollte in seinem Hotel Geschäftspartner treffen, doch als diese an der Rezeption mit seinem Geburtsnamen nach ihm fragten, erhielten sie die Auskunft, es gebe nur einen deutschen Hotelgast mit einem anderen Namen. Prompt glaubten die Interessenten an einen Betrüger und brachen den Kontakt ab. "Das führt die Funktion eines Reisepasses ad absurdum", sagt sein Anwalt Faller. Vor allem in weit entfernten Ländern außerhalb Europas: "Wie wollen Sie einer Behörde auf Sri Lanka erklären, dass der Name im Pass gar nicht der richtige ist?"

Deutsche, die im Ausland leben, kennen das Problem. Egal ob sie dort zum Arzt müssen oder eine Versicherung abschließen wollen - immer, wenn sie ihren Reisepass vorlegen, beginnen die Schwierigkeiten.

In Internetforen klagen Vielreisende und Auslandsdeutsche - zumeist Frauen - ihr Leid über "den blöden Zusatz mit dem Geburtsnamen". So schreibt Silke, die den Namen ihres japanischen Ehemanns angenommen hat, im Internet: "Dann müssen wir immer ewig lang rumerklären. Das versteht hier in Japan niemand, gibt's hier wohl auch gar nicht." Oft passe der Name inklusive "geb." und Geburtsnamen gar nicht auf Anmeldeformulare, klagen andere.

Auch Herr U. war die Scherereien auf seinen Reisen irgendwann satt und beantragte bei der Stadt Karlsruhe eine Änderung seines Passes. Und zwar so, "dass auch für Nicht-Deutsche klar und unmissverständlich zum Ausdruck komme, was sein richtiger Name sei", heißt es in der Klage.

Als die Stadt sich weigerte, klagte der Geschäftsmann 2011 - und bekam jetzt Recht. Nach Ansicht der Luxemburger Richter muss das Kürzel "geb." aus deutschen Reisepässen verschwinden. Die jetzige Regelung könne für die Inhaber "zu schwerwiegenden Nachteilen im Privat- und Berufsleben führen, da die Gefahr besteht, dass Zweifel an ihrer wirklichen Identität, der Echtheit des Passes oder der Wahrheitsgemäßheit der darin enthaltenden Angaben geweckt werden", schreiben die Richter. Wie das auszusehen hat, müssen deutsche Gerichte und Gesetzgeber entscheiden.

Urteil aus Luxemburg

EU-Recht Aus deutschen Reisepässen soll das Kürzel "geb." für "geboren" bald verschwinden. Laut einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs reicht die Abkürzung nicht aus, um auch im Ausland eindeutig den Geburtsnamen zu erkennen (Rechtssache C-101/13 U). Die Luxemburg Richter verlangten zudem, dass der Geburtsname künftig in einem Feld erscheint, das nicht nur in Deutsch, sondern auch in einer anderen Sprache (etwa Englisch oder Französisch) bezeichnet wird. Das Namens-Feld trägt bereits den dreisprachigen Titel "Name/Surname/Nom". dpa

SWP