Was machen die da mit der Oma?“ Der dreijährige Julius versteht nicht, warum der Sarg, in dem seine Großmutter liegt, in dem großen Loch im Boden verschwindet. Warum so viele Menschen gekommen sind, die dunkle Kleidung tragen und manche weinen. Und warum die Oma ihm nie wieder eine Geschichte vorlesen kann. Kinder erleben Tod, Trauer und endgültiges Abschiednehmen anders, als dies Erwachsene tun. Ihre Reaktionen verunsichern und irritieren uns manchmal, eben weil sie anders trauern als Erwachsene. Oliver Junker, Trauerbegleiter für Kinder, beantwortet Fragen dazu.

In welchem Alter etwa fangen Kinder an zu begreifen, dass das Leben wirklich endlich ist?

Oliver Junker: Das Verständnis über Tod und Vergänglichkeit ist ein Prozess, der sich bis zur Pubertät hinzieht. Es wird hierbei auch von Todeskonzepten gesprochen. Zu Beginn (bis etwa drei Jahre) haben die Kinder noch gar keine Vorstellung davon, dass es den Tod gibt. Dann beginnt das erste Verständnis vom Tod (meist ab etwa vier Jahren), doch da werden Tod und Schlaf oft noch gleichgesetzt. Aus dieser Phase entsteht dann die Vorstellung, dass es den Tod zwar gibt, jedoch man selbst und die engsten Bezugspersonen nicht davon betroffen sein könnten. Erst am Ende des Vorschulalters und mit Beginn des Schulalters kann der Tod besser verstanden werden. Doch auch in dieser Altersstufe kann es sein, dass Kinder den Tod noch als reversibel betrachten. Ab etwa sechs bis sieben Jahren beginnen die Kinder auch, den Tod zu personifizieren, zum Beispiel indem sie den Tod als Person malen. Bis hin zum neunten Lebensjahr kann es vorkommen, dass die Kinder durch das so genannte magische Denken der Meinung sind, sie hätten durch eigenes (negatives) Verhalten den Tod eines anderen (mit) verursacht. Damit Kinder den Tod begreifen und verstehen lernen können, gehört auch ein grundlegendes Verständnis über die wichtigsten Körperfunktionen (Herz, Atmung, Bewusstsein) dazu.

Falls sie nicht schon sehr früh mit dem Verlust eines Menschen (oder eines geliebten Haustiers) konfrontiert werden – ab welchem Alter ist es sinnvoll mit Kindern über den Tod zu sprechen?

Das natürliche Interesse der Kinder am Tod beginnt meist im späten Kindergarten- und frühen Vorschulalter. Bereits ab etwa vier bis fünf Jahren beginnen die Kinder, sich dafür zu interessieren. Gerade im Alter zwischen vier und sechs Jahren (abhängig vom individuellen Entwicklungsstand) ist dies genau die richtige Phase, den Kindern das Thema Tod näherzubringen. Hierzu eignet sich zum Beispiel sehr gut das Buch „Was ist das, fragt der Frosch“. Auch eine selbst gestaltete Tierbeerdigung (ob nun von einem gefundenen toten Tier oder auch einem verstorbenen Haustier) ist ebenfalls ein guter Moment, um den Kindern vom Tod zu erzählen. Wenn dies kind- und altersgerecht erfolgt, macht es den Kindern auch keine Angst. Hilfreich ist dabei auch der Vergleich mit den Jahreszeiten von Frühjahr bis Winter. Auch das Leben hat einen Kreislauf.

Wie bringt man einem Kind einen plötzlichen Todesfall möglichst schonend bei?

Ganz wichtig sind Wahrheit und Klarheit. Kinder können damit viel besser umgehen, als wenn die Erwachsenen versuchen, es vor den Kindern geheim zu halten. Es sollte ein ruhiger Ort aufgesucht werden, Störungen (Telefon, andere Personen) sollten vermieden werden. Dem Kind sollte gesagt werden, dass man ihm etwas sehr sehr Trauriges (diese Doppelung des „sehr“ ist wichtig) mitteilen möchte. Dann sollte kurz und knapp gesagt werden: „Dein Onkel Herbert ist tot“. Diese Nachricht muss erst einmal ankommen. Nach einer kurzen Pause und abhängig von der Reaktion des Kindes sollte man dann kurz über die eigenen Gefühle sprechen. Zum Beispiel: „Ich war ganz erschrocken, als ich das gehört habe. Und ich bin sehr sehr traurig, dass Onkel Herbert tot ist.“ Viel mehr ist am Anfang vor allem bei jüngeren Kindern nicht notwendig. Kinder werden ihre Fragen die sie haben, oft erst zeitversetzt stellen. Ganz wichtig ist: Keine Umschreibungen des Todes wie „entschlafen“, „von uns gegangen“ oder ähnliches verwenden. Viel besser ist folgende Erklärung: „Tot sein bedeutet, dass sein Herz nicht mehr schlägt, dass er nicht mehr atmet – und selbst wenn man ihn schüttelt oder anschreit, reagiert er nicht mehr.“ Bei etwas älteren Kindern ergänzt man dann auch: „Er wird dich nicht mehr in den Arm nehmen können und auch nie mehr mit dir spielen können. Er ist tot – und das macht mich (uns) ganz ganz traurig“. Die Erwachsenen sollten auch ihre in diesem Moment empfundenen emotionalen Reaktionen zeigen wie zum Beispiel Weinen. Auch wenn das die Kinder manchmal irritiert oder verunsichert, ist es wichtig, dass die Kinder erleben, dass Traurigkeit eine „normale“ Reaktion auf so eine schlimme Nachricht ist.

Wenn ein Angehöriger oder Nahestehender unheilbar krank ist. Wie kann man ein Kind auf dessen nahenden Tod vorbereiten?

Auch hier ist es ganz wichtig, offen und ehrlich mit den Kindern umzugehen – und sie möglichst frühzeitig zu informieren und mit einzubeziehen. Kinder können viel mehr aushalten und viel besser damit umgehen, wenn sie spüren, dass wir aufrichtig zu ihnen sind. Abhängig vom Alter werden Erklärungen gewählt, die die Kinder schon verstehen können. Wichtig ist wieder, keine Beschönigungen zu verwenden oder falsche Hoffnungen zu wecken. Zudem sollten die Kinder verstehen, dass es einen großen Unterschied zwischen „normalen“ Krankheiten wie Schnupfen oder Fieber und der unheilbaren/todbringenden Krankheit wie zum Beispiel Krebs gibt. Auch verbinden gerade jüngere Kinder ein ganz anderes Bild mit dem Begriff Krebs – nämlich das Tier. Deshalb sollten für Kinder unverständliche oder neue Begriffe immer auch altersgerecht erklärt werden.

Warum hat man manchmal den Eindruck, dass Kinder in Trauerphasen völlig ungerührt sind?

Trauer bei Kindern kommt nicht in Phasen, sondern in Wellen. Ihre Trauer ist sprunghaft. So ist ein plötzlicher Wechsel von Traurigkeit zu Spiel und Spaß für Kinder völlig normal – für Erwachsene oft irritierend. Kinder brauchen immer wieder auch Distanz und Ablenkung von ihrem Gefühlsdurcheinander und ihrer Trauer. Aufgrund der fehlenden sprachlichen Möglichkeiten, den fehlenden Vorerfahrungen und fehlenden Bewältigungsstrategien, aber auch aufgrund der Unfähigkeit, die Gefühle richtig zu erkennen, können sich Kinder oft nicht so gut ausdrücken, wie es ihnen innerlich geht. Dass manchmal der Eindruck entsteht, dass Kinder (äußerlich) kaum trauern würden, hat vor allem zwei Gründe. Einerseits wollen die Kinder ihre Bezugspersonen „beschützen“, damit diese nicht noch trauriger werden. Also zeigen sie ihre Trauer wenig(er) nach außen. Dann kommt hinzu, dass viele Erwachsene ebenfalls nicht vor und mit ihren Kindern trauern („Ich muss doch stark sein vor meinen Kindern“). So lernen die Kinder quasi von ihren „Vorbildern“, wie man Trauer ausdrückt: nämlich gar nicht nach außen zu trauern beziehungsweise nicht vor anderen zu trauern.

Inwieweit sollte man Kinder in die Bestattungs-Vorbereitungen und Trauer-Rituale einbeziehen?

Das frühzeitige Einbeziehen der Kinder ist sehr wichtig. Die Kinder erleben nicht nur Angst und Traurigkeit, sie erleben auch ein starkes Gefühl von Hilflosigkeit. Wenn sie mit eingebunden werden und wenn sie etwas tun können, dann verringert das die empfundene Hilflosigkeit. Rituale sind grundsätzlich sehr wichtig in der Trauerarbeit – und gerade Kinder brauchen Rituale auf ihrem Trauerweg. Zudem brauchen Kinder etwas, um sich an den Verstorbenen erinnern zu können. Neben Fotos können dies auch Kleidungsstücke oder vertraute Gegenstände des Verstorbenen sein. Die Kinder sollten möglichst mit beziehungsweise selbst aussuchen dürfen, was sie gerne behalten möchten. Gerade wenn es eine sehr innige Beziehung war, sollte eine „Erinnerungskiste“ angeschafft werden, also eine schöne Holzkiste, in die die unterschiedlichsten Gegenstände, Fotos, Briefe und so weiter vom Verstorbenen gelegt werden.

Falls der Leichnam aufgebahrt wird: Sollten Kinder den Verstorbenen noch einmal zu sehen bekommen?

Ja, die persönliche Abschiednahme ist auch für Kinder sehr wichtig – und kann in dieser Form später nicht mehr nachgeholt werden. Kinder wollen den Tod begreifen – und so hilft auch das „Greifen“, also das Berühren des Verstorbenen – so lange es aus eigenem Impuls heraus kommt. Manche Kinder brauchen auch die Erlaubnis hierzu, weil sie nicht wissen, was man jetzt darf und nicht darf. Wichtig ist auch hier wieder, dass die Kinder auf den Besuch in der Aussegnungshalle vorbereitet werden (wie sieht es dort aus, wie fühlt es sich dort an, was werden die Erwachsenen tun . . .) – und dass die Kinder selbst etwas tun können. Gut geeignet ist es zum Beispiel, dem Verstorbenen noch etwas in den Sarg zu legen. Ein selbst bemalter Stein, ein geschriebener Brief an den Verstorbenen, eine Blume, ein kleines Geschenk . . . Nach einer (vor allem für die Erwachsenen oft emotionalen und damit für die Kinder zusätzlich belastenden) Abschiednahme sollte die Kinder die Möglichkeit habe, sich aktiv zu bewegen, sich auszutoben, ihre Lieblingsmusik zu hören – oder auch ihr Lieblingsspiel auf dem Computer zu spielen. Hierbei darf und sollte vorübergehend von sonst gegebenenfalls geltenden (Zeit-)Regeln für die Nutzung von Computer oder Fernseher etwas abgewichen werden.

Was tun, wenn das Kind nicht zur Beerdigung mitkommen will?

Am häufigsten liegt es daran, dass die Kinder Angst haben oder große Unsicherheit verspüren. Sie verstehen nicht, was dort passiert. Ihnen machen die vielen Leute Angst, die dunkle Kleidung, die düstere Stimmung, die weinenden Menschen. Auch wird viel zu oft aus Erwachsenensicht gefragt: „Willst Du nochmal vom Opa Abschied nehmen?“ Dies ist gerade für jüngere Kinder viel zu abstrakt. Nein, natürlich wollen sie das nicht. Sie wollen ja nicht, dass der Opa tot ist, sie wollen nicht, dass der Opa weggeht. Also sollten kind- und altersgerechte Worte gewählt werden. Auch sollten die Kinder Gelegenheit haben, den Abschiedsort zuvor schon zu besuchen. Es sollte ihnen gezeigt werden, wo die Eltern und das Kind sitzen werden, ihnen erklärt werden, wie der Ablauf ist, auch schon einmal den Weg zum zukünftigen Grab gemeinsam gegangen werden. Dann braucht das Kind unbedingt eine stabile Vertrauensperson, die das Kind dorthin begleitet. Das Kind sollte wissen, dass es eine Begleitperson hat und den Abschiedsort (die Kirche oder die Aussegnungshalle) jederzeit verlassen darf, wenn es möchte. Und dass dann jemand mit dem Kind mitgeht. Auch sollte das Kind hier wieder eine Aufgabe übernehmen dürfen – zum Beispiel eine Kerze tragen oder anzünden, die größeren vielleicht auch einen Text oder ein Lied aussuchen. Wenn das Kind versteht, warum die Beerdigung gemacht wird (es kommen nochmals viele Leute zusammen, die den Verstorbenen mochten – und sie wollen gemeinsam an die schöne Zeit mit dem Verstorbenen denken), kann dies Unsicherheiten und falsche Vorstellungen verringern.

Was sind generell die größten Fehler, die im Umgang mit trauernden Kindern gemacht werden?

Ich spreche ungern von Fehlern, eher von ungünstigen Verhaltensweisen. Hierzu gehören vor allem: die Kinder nicht ernst nehmen, die Kinder nicht mit einbeziehen, den Kindern zu wenig Informationen geben, den Kindern die Unwahrheit sagen, auf existenzielle Fragen der Kinder ausweichend antworten, Kinder für ihre individuelle Art zu trauern zu kritisieren, den Kindern keine Möglichkeit zum Ausdruck ihrer Trauer anzubieten, die Kinder als „Ersatz“ für den Verstorbenen einsetzen. Ein tatsächlicher Fehler ist zu glauben, dass Kinder nicht trauern, nur weil sie nach außen hin kaum oder keine Trauer zeigen.

Wie können weniger nahestehende Menschen (etwa im Kindergarten, im Klassenverband, Freunde und weiter entfernte Verwandte) helfen?

Sie können tatsächlich eine große Hilfe sein. Einerseits, indem sie die betroffene Familie entlasten. Zum Beispiel bei Alltagsdingen wie Einkaufen, Kochen, Haushalt. Statt zu sagen: „Melde Dich, wenn Du was brauchst“ lieber einfühlsam erkennen, was gebraucht wird – und dies dann zu tun (ohne einen Dank oder eine Gegenleistung dafür zu erwarten). Ebenso ist es sehr wichtig, dass die betroffenen Kinder immer wieder Distanz finden vom Trauerort, meist also dem Zuhause. Deshalb die Kinder öfter mitnehmen zu Aktivitäten – am besten in der Natur, oder auch zum Schwimmen oder ins Kino. Gut ist auch, den Kindern Gelegenheit zu geben, sich austoben zu können. Gerade vom Umfeld wie Kindergarten, Schule oder Sportverein brauchen sie vor allem ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit – und dass dort die Welt noch „normal“ ist.

Welcher Verlust, welche Art von Sterben trifft ein Kind am härtesten?

Entscheidend ist vor allem die Beziehung zwischen Kind und Verstorbenem. Je tiefer und inniger diese war, umso schlimmer ist es für die Kinder. So kann es für Erwachsene „verständlich“ sein, wenn der Opa stirbt, schließlich war er schon alt und krank. Wenn aber zwischen Kind und Opa eine ganz besondere Beziehung bestand, wird die Trauer über den Verlust auch sehr groß sein. Dann sind es natürlich die Umstände eines Todes. Je dramatischer (aus Sicht des Kindes) umso stärker wirkt es auf das Kind. Auch die Unmöglichkeit der Abschiednahme verstärkt beziehungsweise verzögert oft die Trauer.

Falls eine Familie vom Verlust eines Kindes getroffen wird: Was ist im Umgang mit dem Geschwisterkind/den Geschwisterkindern besonders wichtig?

Gerade in der Akut-Situation und Anfangszeit sind die betroffenen Geschwisterkinder oft sehr auf sich gestellt. Sie müssen nicht nur mit dem Verlust eines Bruders beziehungsweise einer Schwester zurechtkommen, es fehlt auch oft an Stabilität, Sicherheit und Geborgenheit durch die Eltern. In vielen Fällen unterdrücken die Geschwisterkinder sehr deutlich ihre Trauer. Es kommt auch immer wieder dazu, dass Kinder versuchen, die „Rolle“ des verstorbenen Familienmitgliedes einzunehmen – oder aber sie werden (unbewusst) in diese Rolle durch die Eltern gedrängt. Deshalb ist es sehr wichtig, dass die Familie Unterstützung vom sozialen Umfeld erhält. Und dies bereits in der so genannten „Schleusenzeit“, also die Zeit zwischen Todeseintritt und Beerdigung. Die betroffenen Geschwisterkinder brauchen jetzt eine verlässliche Bezugsperson aus dem Umfeld, die sich des Kindes annimmt, es auch regelmäßig mitnimmt und für Ablenkung sorgt. Der Verlust eines Kindes ist für die Eltern meist so belastend, dass sie sich kaum in der Lage sehen, einen „normalen“ Tagesablauf zu organisieren. Das ist auch plötzlich nicht mehr wichtig. Doch gerade für jüngere Kinder gibt ein verlässlicher Ablauf Sicherheit: gemeinsame und regelmäßige Mahlzeiten, geregelte Schlafenszeiten, vertraute Einschlafrituale. All das können die betroffenen Eltern meist nicht mehr leisten (zumindest in der Anfangszeit) – doch das macht es für die Kinder in der Familie noch belastender. Hinzu kommt, dass sich die elterliche Trauer sehr unterscheiden kann, wenn ein gemeinsames Kind stirbt. Manche Männer stürzen sich in die Arbeit, um irgendwie den Tag bewältigen zu können – und verdrängen dabei ihre Trauer. Manche Mütter sind sehr in ihrer Trauer gefangen oder trauern zu Beginn äußerst intensiv. Das belastet dann möglicherweise die Beziehung zwischen den Eltern und erschwert das Familienleben zusätzlich. Die Kinder erleben eine oft sehr emotionale Trauer bei der Mutter – und ein in sich gekehrtes und nicht offen trauerndes Verhalten des Vaters. Das macht Angst – und vergrößert die ohnehin schon vorhandene Unsicherheit und Hilflosigkeit.

Leistungsabfall, Angstzustände, Aggressivität, Bettnässen . . . ? Ab wann oder bei welchen Symptomen brauchen trauernde Kinder professionelle Hilfe und wie und wo finden man die am besten?

Solche Symptome sind in der Anfangszeit ganz normal. Sie sind Ausdruck der verletzten Seele, sie sind oft wie ein Ventil zum Abbau des inneren Drucks. Manchmal hat man den Eindruck, die Kinder würden entweder einen Entwicklungsschritt zurück zur Trotzphase machen – oder einen großen Schritt nach vorne direkt in pubertäres Verhalten. Manche Kinder wirken so, als stünden sie unter Strom . . . und ein kleiner Funke genügt, um eine „Explosion“ auszulösen. Auch das Einnässen tritt vermehrt auf, teils auch noch bei den Größeren. Für die Betroffenen (häufiger Jungen) ist das sehr unangenehm und belastend. Meistens ist dies jedoch nur von kurzer Dauer, vor allem dann, wenn die Kinder ausreichend Möglichkeiten haben, sich anderweitig abzureagieren, zu toben, zu spielen – und auf ihre Art zu trauern. Grundsätzlich ist Trauer keine Krankheit, sondern eine normale Reaktion auf einen Verlust. Falls die genannten Symptome oder ein Teil davon jedoch über Wochen hinweg nicht abnehmen (oder sogar zunehmen), ein großes Leidensdruck sicht- und spürbar ist, die Kinder jegliche Lebensfreude verloren haben oder es massive und anhaltende Störungen im Ess- beziehungsweise Ausscheidungsverhalten gibt, sollte fachlicher Rat gesucht werden. Gleiches gilt für das Auftreten von kindlicher Depression oder selbstverletzendem Verhalten. Eine erste Anlaufstelle hierfür ist der Kinder- oder Hausarzt. Von dort aus können bei Bedarf weitere Maßnahmen eingeleitet oder empfohlen werden. Abgesehen von so genannter „komplizierter Trauer“, die fachlicher Unterstützung bedarf, kann es ab dem Schulalter bei belastenden Verlusten hilfreich sein, den Kindern zusätzliche Unterstützung zu geben – zum Beispiel durch individuelle (nicht-therapeutische) Trauerbegleitung oder auch durch den Besuch einer Kindertrauergruppe. Welche Angebote es in der Umgebung gibt, erfährt man meist bei den regionalen Hospizvereinen oder den Hilfsorganisationen. Ansonsten brauchen die Kinder vor allem ein stabiles soziales Umfeld mit Menschen, die ihnen jetzt empathischer und liebevoller Begleiter sind. Sie brauchen positive Menschen, die Sicherheit und Geborgenheit vermitteln – und die Kinder spüren lassen, dass das Leben trotz all der Traurigkeit über den Verlust sehr viele schöne und wertvolle Seiten hat.

Info Weitere Informationen zu Trauer im Kindesalter und zu Ausbildungsangeboten für fachliche Helfer/innen unter www.kindertrauer.info und www.kindertrauer-akademie.de


Zur Person


Oliver Junker (49) ist Kommunikationspsychologe und Trauerbegleiter für Kinder. Viele Jahre war der verheiratete Vater dreier Kinder aus Kaufering in der Krisenintervention und im Rettungsdienst tätig, arbeitete in der Telefon- und Internetseelsorge. Seit 2005 unterrichtet er Einsatzkräfte und Hospizbegleiter/innen in der Akutbetreuung und Begleitung trauernder Kinder und Jugendlicher.
Nähere Informationen unter
www.oliverjunker.de