Fernsehen Fritz Wepper im Interview: „Kann wieder Vollgas geben“

Heute Abend geht Fritz Wepper das letzte Mal  als Psychiater Wendelin Winter in der ARD auf Gaunerjagd.
Heute Abend geht Fritz Wepper das letzte Mal  als Psychiater Wendelin Winter in der ARD auf Gaunerjagd. © Foto: dpa
Von Cornelia Wystrichowski 20.04.2017

Er zählt seit Jahrzehnten zu den populärsten deutschen Fernsehschauspielern: Fritz Weppers Krimireihe „Mord in bester Gesellschaft“ endet, „Um Himmels Willen“ dreht er weiter – ganz mit der Schauspielerei aufhören will der 75-Jährige nicht.

Herr Wepper, Ihre Filmreihe „Mord in bester Gesellschaft“ wird eingestellt, hätten Sie gerne weitergemacht?

Fritz Wepper: Ja klar. Ich bedauere das Ende, ebenso wie meine Familie und meine Freunde das tun. Ich habe zu gerne mit meiner Tochter agiert, und das beruhte auf Gegenseitigkeit. Aber ich selber entscheide das ja nicht, so etwas wird an anderer Stelle entschieden, und natürlich müssen auch Dinge aufhören, damit etwas Neues beginnen kann.

Es ist bis auf Weiteres Ihr letztes gemeinsames Fernsehprojekt mit Ihrer Tochter – sind bei der letzten Klappe die Tränen geflossen?

Die letzte Szene war in der Tat von Wehmut überschattet, es hat mir innerhalb der letzten zehn Jahre viel Spaß gemacht, mit Sophie vor der Kamera zu stehen und ihre Entwicklung zu sehen. Das war ein Moment mit großen Emotionen.

In der letzten Folge erleidet der von Ihnen gespielte Wendelin Winter eine Herzattacke, Sie selber mussten Ende November am Herzen operiert werden und lagen danach im künstlichen Koma. Wie geht es Ihnen denn jetzt?

Mir geht es sehr gut. Wir brauchten im Film ja einfach eine Begründung dafür, dass Dr. Winter seine Tätigkeit einstellt, und das war eben die Gesundheit. Ich selber habe ja in Wirklichkeit noch vier Tage vor meiner Herz-OP gedreht. Viele sind verwundert, wie gut ich das verdaut habe.

Demnach können Sie nun beruflich wieder Vollgas geben?

Ja, ich kann wieder Vollgas geben, aber eigentlich mag ich den Vergleich nicht. Ich kann das Geschirr wieder anlegen und die Arbeit als Schauspieler wieder mit Freuden ausüben. Jetzt im Mai drehen wir neue Folgen der Serie „Um Himmels Willen“, im August mache ich einen 90minütigen Fernsehfilm, das wird eine Komödie, und danach geht es mit „Um Himmels Willen“ weiter.

Der Dauerbrenner „Um Himmels Willen“ läuft schon seit 15 Jahren. Ist Ihnen Ihre Rolle als schlitzohriger Bürgermeister Wöller noch nicht langweilig geworden?

Ganz im Gegenteil. Wir haben ja eine Kundschaft, die bedient sein will, die vielen Menschen, die diese Serie gerne sehen, und mir macht die Rolle als Bürgermeister große Freude. Auch handwerklich ist es anspruchsvoll, denn die Situationen, in die der Wöller gerät, können komisch sein, aber man muss sie ganz ernst spielen. Wie die Engländer sagen: Komödie ist eine todernste Sache.

Könnten Sie sich vorstellen, die Schauspielerei jemals ganz aufzugeben und den Ruhestand zu genießen?

Ich halte mich da an eine Verabredung, die ich damals bei „Derrick“ mit Horst Tappert getroffen habe: „Wir machen so lange weiter, wie wir können.“ 

Werden Sie von den Leuten noch oft auf „Derrick“ angesprochen?

Das geschieht ganz selten. Früher wurde mir oft „Harry, hol schon mal den Wagen“ zugerufen, aber mittlerweile ist „Derrick“ längst durch „Um Himmels Willen“ und „Mord in bester Gesellschaft“ zugedeckt.

Info Die letzte Folge der Krimireihe „Mord in bester Gesellschaft“ läuft am 20. April, um 20.15 Uhr, in der ARD.

Zur Person

In der Reihe „Mord in bester Gesellschaft“ ging Fritz Wepper (75) als Psychiater Wendelin Winter auf Gau­nerjagd; nach zehn Jahren wird das Format eingestellt. Es ist auch das Ende eines populären Ermittlergespanns: Weppers Tochter Sophie (35) spielte Winters ehrgeizige Tochter Alexandra, die ihm bei seinen Fällen half. Ab Mai ist Wepper dann in neuen Folgen der ARD-Erfolgsserie „Um Himmels Willen“ zu sehen.

Fritz Wepper kam 1941 in München zur Welt und stand schon als Kind auf der Bühne. Seinen Durchbruch hatte er 1959 mit dem Antikriegsdrama „Die Brücke“, 1972 spielte er an der Seite von Liza Minnelli im Filmmusical „Cabaret“. Berühmt wurde er vor allem als Assistent Harry Klein in den legendären Krimiserien „Der Kommissar“ und „Derrick“. Der 75-Jährige ist der ältere Bruder des Schauspielers Elmar Wepper. ski