Interview „Harry ist vollkommen vernarrt in sie“

London / Gabriel Rath 15.05.2018

Der britische Biograph Andrew Morton zeichnet ein Bild der kommende Royal Wedding, der Hochzeit von Prinz Harry mit Meghan Markle. Und er erklärt, was sie über die britische Gesellschaft aussagt und für die Zukunft des Königshauses bedeutet.

Was wird Prinz Philip, der für seine politisch nicht korrekten Ausrutscher berüchtigt ist, dazu sagen, dass er am Samstag eine gemischt-ras­sige, geschiedene amerikanische Schauspielerin, die drei Jahre älter als sein Enkelsohn Harry ist, als jüngstes Mitglied in die britischen Königsfamilie aufnehmen darf?

Andrew Morton: Ich denke, er hatte immer ein Auge für schöne Frauen, und er wird beeindruckt sein, wie viel Glamour Meghan Markle bringt. Die ersten Be­gegnungen, wie etwa Meghans Einladung zur Weihnachtsfeier mit den Royals, verliefen außerordentlich gut. Harry sagte nachher, er habe „volle Unterstützung“.

Vor 80 Jahren musste König Edward VIII., ein Onkel der heutigen Queen, wegen der Absicht, die geschiedene Amerikanerin Wallis Simpson zu heiraten, zwischen Thron und Ehe entscheiden und legte die Krone zurück. Heute wird Meghan Markle mit offenen Armen empfangen.

Wir sehen darin, wie dramatisch sich das House of Windsor verändert hat. Wallis Simpson kam aus einer Familie, die einst Sklavenhalter waren. Meghan Markle kommt aus einer Familie, die auf der mütterlichen Seite selbst Sklaven waren. Oder Prinzessin Margaret, die Schwester der Queen, der Elizabeth II. nicht erlaubte, den geschiedenen Peter Townsend, die Liebe ihres Lebens, zu heiraten. Heute ist ihr Sohn und Thronfolger Prinz Charles in zweiter Ehe mit seiner früheren Geliebten Camilla verheiratet, die ihrerseits ebenfalls geschieden ist.

Ist das Königshaus damit im Einklang mit der Gesellschaft?

Ich glaube, es ist ein längst überfälliger Anpassungsprozess. Großbritannien ist eine multikulturelle Gesellschaft, in der vier von zehn Ehen geschieden werden. London ist ein universeller Schmelztiegel. Meghan ist ein Signal, dass man das auch im Königshaus verstanden hat. Es wird immer ein Element von Rassismus geben, nicht nur in Großbritannien. Meghan hat sich damit ihr Leben lang auseinandergesetzt, sie hat eine starke Identität und sieht sich bewusst als gemischt-rassig.

Macht die Tatsache, dass Prinz Harry nie König sein wird, es den Briten leichter, Meghan zu akzeptieren? Wäre das Land auch für einen dunkelhäutigen Monarchen bereit?

Es wäre in der Tat interessant zu wissen, was gewesen wäre, wenn nicht Harry, sondern sein Bruder William, der zweite in der Thronfolge, sich in Meghan verliebt hätte. Aber wenn Meghan für die Queen als Frau von Harry akzeptabel ist, spricht nichts dagegen, warum sie ihr nicht auch als Frau des künftigen Königs die Zustimmung hätte erteilen können.

Sie beschreiben Meghan als sehr starke, zielstrebige und erfolgreiche Frau, die sich ihrer Position sehr bewusst ist. Was lernen wir aus der Wahl seiner Ehefrau über den Charakter Harrys?

Er hat jemanden gesucht, auf den er sich verlassen kann, der an seiner Seite steht und dem er vertrauen kann. Er ist wahrscheinlich eine zerbrechlichere Persönlichkeit als sie. In dieser Beziehung ist er mehr der Bittsteller als sie es ist. Er hat von dieser Verbindung mehr zu gewinnen und sie mehr zu verlieren.

Harry hat eine stürmische Vergangenheit als „Prince Party“. Ist er nun bereit, es ruhiger anzugehen und ein stetiges Familienleben zu beginnen?

Er ist längst überfällig. Wenn man seinen Bruder und seine Freunde anschaut, war Harry bereits der letzte Zecher an der Bar. Man sieht, dass er so glücklich ist wie nie zuvor. Dieser junge Mann trägt sein Herz nach außen, und man kann erkennen, dass er völlig vernarrt ist in Meghan.

Was außer der Gründung einer Familie bleibt Harry und Meghan nach der Hochzeit von ihrem künftigen Leben? Dem Volk zuwinken, Jagen in Schottland, Safari in Afrika?

Das sehe ich überhaupt nicht so. Harry hat die beste aller Welten. Er muss keine der Verantwortlichkeiten schultern, die auf einem König im Wartestand lasten, und ist zugleich frei, das Meistmögliche aus seinem Leben zu machen.

Meghan ist 36. So alt war Harrys Mutter, als sie 1997 verunglückte. In ihrem Buch beschreiben Sie, wie Meghan das Begräbnis im Fernsehen sah, bei dem der damals zwölfjährige Harry die Welt zu Tränen rührte. Sie zitieren eine Freundin Meghans mit den Worten: „Sie wollte Diana 2.0 werden.“ Ist sie das?

Nein. Sie ist nicht „Diana 2.0“, sondern „Meghan 1.0“. Meghan ist eine starke Persönlichkeit, unabhängig, intelligent, gebildet, humanitär engagiert und viel besser auf die Öffentlichkeit vorbereitet als es Diana bei ihrer Hochzeit war. Sicher gibt es Parallelen, aber insgesamt war Diana einmalig und einzigartig.

Der Autor

Andrew Morton (65) landete 1992 mit „Diana: Her True Story“ den Coup seines Lebens. Basierend auf stundenlangen Tonbandaufnahmen schilderte er darin das Scheitern ihrer Ehe – exklusiv und aus Dianas Sicht. Morton lebt in London und Kalifornien.

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