Fernsehen „Habe Deutschland viel zu verdanken“

Mutter Deutsche, Vater Türke: Bülent Ceylan ist in Deutschland aufgewachsen und fühlt sich multikulti.  Foto: Henning Kaiser/dpa
Mutter Deutsche, Vater Türke: Bülent Ceylan ist in Deutschland aufgewachsen und fühlt sich multikulti. Foto: Henning Kaiser/dpa © Foto: XXXXXXXXXXXXXXXXXXXX
Von Cornelia Wystrichowski 13.09.2018

Deutsche, Türken, Mannheimer: Bei Bülent Ceylan bekommt jeder sein Fett weg – mit frechen Sprüchen und Kunstfiguren wie dem Hausmeister Mompfred oder dem Goldkettchenträger Hasan begeistert der Comedian seit Jahren die Fans. Nun bekommt der 42-Jährige eine neue Show. Morgen feiert Ceylan sein Debüt als neues Aushängeschild von Pro 7/Sat 1, bisher sind seine Shows bei RTL gelaufen.

Herr Ceylan, jahrelang waren Sie ein Aushängeschild von RTL, jetzt wechseln Sie zur Konkurrenz. Warum?

Bülent Ceylan Ich habe RTL viel zu verdanken. Aber es war am Ende wie in einer langjährigen Beziehung – man hat sich nicht mehr so oft „Ich liebe dich“ gesagt, und die Luft war raus. Die angebotenen Showkonzepte und die dafür vorhandenen Sendeplätze haben nicht mehr gepasst, und genau in diesem Moment wurde mir von Sat 1 ein tolles Komplettpaket angeboten.

Als erstes präsentieren Sie die Spielshow „Game of Games“, die im amerikanischen Original von Ellen DeGeneres moderiert wird . . .

Wir wollen ja mehrere Sachen ausprobieren, und dass ich als Einstieg gleich eine fette internationale Show machen darf, ist super – das ist genau das, was ich mir immer gewünscht habe. Das Format ist echt der Hammer. Wahnsinnig aufwendig, teuer und vor allem sehr witzig.

In Deutschland leben mehrere Millionen Menschen mit türkischer Staatsbürgerschaft oder türkischen Wurzeln. Ist diese Bevölkerungsgruppe im deutschen Fernsehen unterrepräsentiert?

Man muss da aufpassen. Ich kann doch nicht einfach eine Quote erstellen und sagen: Soundso viele Türken müssen Moderatoren sein, es geht ja schließlich auch um die Qualität.

Hatten Sie im Lauf Ihrer Karriere den Eindruck, als Deutscher mit Migrationshintergrund besser sein zu müssen als andere?

Also es war definitiv nicht so, dass ich einen Bonus hatte, weil ich Deutschtürke bin, sondern ich musste mir alles erarbeiten. Ich habe einen langen Weg hinter mich bringen müssen, bevor ich Erfolg hatte. Aber das ist auch in Ordnung. Ich fühle mich echt gut behandelt und habe Deutschland viel zu verdanken, und diese Dankbarkeit zeige ich glaube ich auch. Von mir aus singe ich auch gleich am Anfang meiner neuen Show die Nationalhymne (lacht).

Die Integration von Deutschtürken hat im Sommer in Zusammenhang mit der Debatte um den Nationalspieler Mesut Özil für enorme Diskussionen gesorgt . . .

Ich glaube, die Medien müssen auch ihren Teil zur Integration beitragen. Mir fällt zum Beispiel auf, dass ich immer wieder nach meiner Meinung gefragt werde, sobald es ums Thema „Migration“ geht oder um die Türkei – obwohl ich hier geboren bin und eine deutsche Mama habe. Und außerdem: Wieso nennt man Leute wie mich eigentlich immer „Deutsch-Türken“? Man sagt ja auch nicht ständig „Helene Fischer, die Deutsch-Russin“.

Fühlen Sie sich dadurch diskriminiert?

Nein, als schlimm habe ich das nie empfunden. Wenn einer in meiner Mannheimer Heimat gesagt hat: „Ach, der Türke“, habe ich mich nicht diskriminiert gefühlt, das war eher witzig gemeint. Die meisten Leute, die in meine Shows kommen, sind ja Deutsche, die würden nicht kommen, wenn sie mich ablehnen würden. Ich hatte ja auch viele Vorteile dadurch, dass ich eine deutsche Mama habe und einen türkischen Vater hatte.

Welche Vorteile?

Ich habe dadurch viel Inspiration erhalten und kann deswegen viel besser vermitteln zwischen Deutschen und Türken, denn ich kenne beide Kulturen und ihre Werte. Ich bin multikulti. Und wenn ich in meinem Publikum eine Frau mit Kopftuch und einen Heavy-Metal-Fan sitzen sehe und alle lachen, dann sage ich: „Das ist Deutschland – guck doch mal, wie wir alle zusammenkommen und miteinander über das Gleiche lachen.“ Ich finde, wir leben in einem echt wunderbaren Land, das von vielen oft schlecht gemacht wird – zu Unrecht.

Sie haben sich vor einer Weile öffentlich als Erdogan-Gegner geoutet. Gab es dafür negative Reaktionen von türkischer Seite?

Es gab schon den ein oder anderen, der mich „Haustürke“ oder „Schoßhund von Angela Merkel“ genannt hat. Aber das hat doch damit nichts zu tun. Ich will meinem deutschen Publikum einfach zeigen,  dass ich von der Einstellung her demokratisch bin, dass Meinungsfreiheit für mich total wichtig ist. Man muss seine Meinung sagen können, ohne angefeindet zu werden. Und wer in dieses Land kommt, muss seine Mentalität achten, muss zum Beispiel Frauen respektieren. Schon meine ältere Schwester hat zu mir gesagt, als ich ein Junge war: „Wenn du groß bist, schaue der Frau nicht auf die Brüste, sondern in die Augen.“ Ich bin ein Gen­tle­man, halte Frauen die Tür auf – das ist vielleicht konservativ, aber das bin ich lieber als ein Macho, der Frauen nicht achtet.

Info „Game of Games“, von Freitag an, 20.15 Uhr, auf Sat 1.

Badischer Slang als Markenzeichen

Bülent Ceylan kam 1976 in Mannheim als Sohn einer deutschen Mutter und eines türkischen Vaters auf die Welt. Schon am Gymnasium begeisterte er seine Mitschüler mit Parodien von Boris Becker oder Helmut Kohl.

Nach dem Abitur startete Ceylan seine Bühnenkarriere mit Live­shows wie „Produzier misch net“. Der der badische Slang gehört ebenso zu Ceylans Markenzeichen wie sein langes dunkles Haar. Nachdem seine populären Programme mehrmals im Fernsehen gezeigt wurden, erhielt er 2011 seine erste eigene TV-Show.

Der Comedian ist verheiratet und lebt mit seiner Familie in der Nähe von Mannheim. ski

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