YASEMIN GÜRTANYEL  Uhr
Klettern boomt, einfach so sollte man sich aber nicht in die Felsen wagen. Einen Klettersteig-Kurs für Familien gab es in der Neu-Ulmer Kletterhalle.

So schwer sieht der Klettersteig der Neu-Ulmer Kletterhalle gar nicht aus. Von unten zumindest. Von oben sieht das völlig anders aus. 17 Meter ist die Wand hoch und wirkt noch höher, da man draußen weit in die Landschaft sehen kann, erklärt Hans Beggel, Ausbilder beim Deutschen Albverein (DAV). Aber der Klettersteig-Kurs, den er mit seiner Kollegin Birgit Pfeiffer gibt, soll die Familien schließlich auf das Klettern im Freien vorbereiten. In Klettersteigen in den Bergen oder in Klettergärten etwa. Da der Sport boomt, überschätzen sich viele, so Beggel. "Daher sind in Klettersteigen die schweren Stellen gleich vorne, dann drehen die Leute um und wir müssen weniger retten."

Der Kletter-Kurs allerdings beginnt ganz sanft. Beggel und Pfeiffer erklären die Sicherheitsausrüstung - Helm, Klettergurt und Klettersteigset sind obligatorisch - und lassen die Teilnehmer von ihren Klettererfahrungen berichten. Wer schon etwas Erfahrung hat, darf die schwerere Route ausprobieren, der Rest wird zunächst die einfache Seite hochgeschickt, eine Leiter, die in einem schmalen Steg endet.

Wobei "einfach" eine relative Angelegenheit ist. Während die elfjährige Carolin ohne zu zögern die Leiter hochklettert und oben die Beine vom Steg baumeln lässt, ist das Ganze für Manuela Geiger-DEredita eine Herausforderung. "Mama hat Höhenangst", erklärt die älteste Tochter. Ihr selbst ist das Klettern auch nicht ganz geheuer, aber die kleine Schwester Sidney (12) kraxelt bereits unbekümmert die schwierigere Route hinauf. Leitern, die immer wieder unterbrochen sind, künstliche Felsstücke und Klettergriffe sind zu überwinden. "Sie ist ein kleiner Kletterteufel", meint die Mutter. Sie selbst will ihre Angst überwinden, um mit der Familie mithalten zu können: Auch der 15-jährige Sohn und der Ehemann klettern begeistert.

Also muss die Mama wenigstens die "einfache" Leiter hinauf. Tapfer klettert sie los, gesichert vom Klettersteigset als auch von der "Top-Rope", einem zusätzlichen Seil, das Beggel in der Hand hält. Man fällt zwar äußerst selten vom Klettersteig, das Ganze ist aber - wie Klettern allgemein - zu einem großen Teil Kopfsache.

"Die gesunde Angst gehört dazu, die habe ich auch noch", hat Beggel vorher erklärt. Sie schützt vor Leichtsinn und Unfällen. Im Extremfall kann sie aber auch dazu führen, dass man mit Wackelpudding-Beinen in der Wand erstarrt. "Dann bringe ich die Leute dazu, die Augen zu schließen." Das hilft meistens, denn wie gesagt, das Hirn klettert mit. So weit muss er in diesem Fall aber nicht gehen, die Mutter lässt sich erleichtert auf dem Steg oben nieder. Bald leisten ihr Sohn und Ehemann Gesellschaft, von unten applaudieren die Töchter. Selbst wieder unten angekommen sind Freudentränen fällig.