Hurrikan „Florence“ setzt Ostküste unter Wasser

Washington / Peter DeThier 15.09.2018

Hurrikan „Florence“ hat die Ostküste der USA mit voller Wucht erreicht. Dabei gab es am Freitag die ersten Todesopfer. Eine Mutter und ihr Baby kamen in der Küstenstadt Wilmington im Bundesstaat North Carolina ums Leben, als ein Baum auf ihr Haus stürzte. Der Vater wurde nach Polizeiangaben verletzt in ein Krankenhaus gebracht.

Mehrere Tage lang könnte der Sturm mit sintflutartigen, lebensbedrohlichen Überschwemmungen Häuser zerstören und ganze Ortschaften versenken. „Geweckt wurden wir von starken Windböen und Regen, der gegen die Scheiben peitschte“, erzählt Susan Miller aus Wilmington im Südosten von North Carolina. „Innerhalb von  Minuten stand mir das Wasser bis zur Hüfte.“ Sie schätzt sich glücklich, zu jenen zu zählen, die rechtzeitig von einer Rettungsmannschaft der Feuerwehr gefunden wurden.

Zwar war „Florence“ im Lauf der Nacht zu einem Hurrikan der Kategorie 1 herabgestuft worden. Gleichwohl warnen Meteorologen, das Schlimmste könnte den betroffenen Gebieten noch bevorstehen: Gefährlicher als die Windspitzen, die teilweise 150 Stundenkilometer erreichten, sind die Wassermengen, die auf den Sturm folgen. „Ich erwarte Überschwemmungen biblischen Ausmaßes, die noch nie dagewesenen Schaden anrichten“, sagt Wilmingtons Polizeichef Ralph Evangelous. Dort wurden die höchsten Windgeschwindigkeiten seit fast 70 Jahren gemessen.

Bereits am Freitagmorgen Ortszeit waren allein in North Carolina mehr als 400 000 Menschen ohne Strom. Dadurch zog der Hurrikan zahlreiche weitere Städte in Mitleidenschaft. 80 Kilometer nördlich von Wilmington, in Jacksonville, North Carolina, musste ein Hotel mit mehr als 60 Gästen evakuiert werden, nachdem dessen Dach durch Wind und massiven Regenfall eingestürzt war.

Für einige Gegenden an der Ostküste wird mehr als ein Meter Regen erwartet. In der Innenstadt von New Bern verwandelten Sturmfluten Straßen in reißende Flüsse. Bürger, die geglaubt hatten, den Sturm aussitzen zu können, gerieten in Panik. Die Polizei rief sie auf, in die höchsten Etagen der Gebäude zu steigen. In der Nacht waren fast 200 Menschen teilweise mit Schlauchbooten aus Häusern und Autos gerettet worden. „Weitere 200 warten noch darauf, dass wir sie finden“, schätzt Polizeileutnant David Daniels, „doch unser Personal ist restlos überfordert.“

Da sich der Sturm inzwischen verlangsamt hat und nun mit weniger als zehn Stundenkilometern übers Festland zieht, könnten die massiven Regengüsse Meteorologen zufolge vier bis fünf Tage andauern.

Wochenlang kein Strom, stattdessen ein halber Meter Wasser

Die Stärke tropischer Wirbelstürme wird nach einer Skala bemessen, welche die Meteorologen Herbert Saffir und Robert Simpson entwickelt haben. Die Windstärken reichen in Kategorie 1 bis Tempo 153, in 2 bis 177, in 3 bis 208, in 4 bis 251 und in Stufe 5 ab 252 Kilometer pro Stunde.

Sechs Kernkraftwerke liegen im Einzugsgebiet des Hurrikans „Florence“. Das US-­En­ergieunternehmen Duke Energy hat das Kernkraftwerk Brunswick vom Netz genommen, das an der Atlantikküste südlich von Wilmington in North Carolina steht. Für keines der Kernkraftwerke gebe es Sicherheitsbedenken, teilte Duke Energy mit. Jedoch wären infolge des Sturms wohl mehrere Millionen Haushalte wochenlang ohne Strom.

1,7 Millionen Bewohner der Bundesstaaten North Carolina, South Carolina und Virginia waren aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen. Der Gouverneur von North Carolina, Roy Cooper, warnte davor, den Hurrikan in den eigenen vier Wänden auszusitzen. Das wäre ein Fehler, die Menschen müssten „jetzt raus“.

Auf Straßen, die von der Küste wegführen, bildeten sich seit Dienstag lange Staus. Andere Bewohner verrammelten ihre Häuser und Geschäfte. dpa/afp

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