Gesundheit UV-Schutz: Bräune ist ein Aufschrei der Haut

Ulm / Melissa Seitz 03.07.2018
Wenn die Temperaturen in die Höhe klettern, kommt der UV-Schutz oft viel zu kurz. Die Bräune ist ein Aufschrei der Haut.

Als Kind ist man noch mit einer dicken Schicht Sonnencreme auf der Haut, einem Hut auf dem Kopf und einem langärmligen T-Shirt durch das Freibad getapst. Alle zwei Stunden musste man bei Mama antanzen, und dann wurde die große Tube Sonnencreme ausgepackt. „Dass du auch ja keinen Sonnenbrand bekommst“, hat sie immer gesagt. Aber je älter man wird, desto weniger achtet man auf Sonnenschutz. Zeigt das Thermometer 30 Grad an, heißt es bei vielen: ab in die Sonne und schön brutzeln lassen – ganz nach dem Motto: „Je gebräunter, desto besser.“

Eine leichte Bräune ist doch gesund, oder?  Bräune gilt in der Gesellschaft als schön und attraktiv. „Das ist aber ein Aufschrei der Haut“, warnt Prof. Eckhard Breitbart, Hautarzt in Buxtehude und zweiter Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention. „Sie sagt: Du schädigst mich, ich muss den Schaden jetzt so gering wie möglich halten.“ Das macht die Haut, indem sie sich braun färbt, um die darunterliegenden Schichten zu schützen.

Mit Sonnencreme eincremen – muss das sein? Bei einer solchen Frage stehen Folke Habermann die Haare zu Berge. „Wer sich draußen aufhält, sollte sich mit Lichtschutzfaktor 30 eincremen“, rät der Dermatologe aus Koblenz, der Mitglied im Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen ist. „Egal ob im Sommer oder im Winter –  sobald die Sonne scheint, braucht die Haut Schutz.“ Patienten, die denken, die Haut würde kein Vi­tamin D aufnehmen, wenn sie sich dauernd eincremen, begegnen Habermann immer wieder. „Wenn man morgens kurz vor die Haustür geht, hat man schon genügend Vitamin D“, sagt der Dermatologe.

Wie viel Creme benötigt man? Für den Körper eines Erwachsenen ist es mit einem Klecks nicht getan: „Man braucht 120 Milliliter, um sich richtig vor der Sonne zu schützen“, sagt Breitbart. Das ist eine Tube mittlerer Größe. Bei einem Kleinkind sollte es der Menge von etwa sechs Teelöffeln entsprechen. „Bevor es in die Sonne geht, muss man sich eincremen, am besten eine halbe Stunde davor“, rät Habermann. Wer im Sommer stark schwitzt oder baden geht, sollte sich alle zwei Stunden neu eincremen.

Wo findet man die optimale Sonnencreme? „In der Apotheke hat es die Spitzenprodukte“, sagt Habermann. Die Cremes seien den meisten aber zu teuer, und so wird häufig die nächste Drogerie aufgesucht. Geht auch, denn: „Oft ist es ja so, dass das teure und billige Produkt vom selben Hersteller kommen“, verrät Habermann. Wichtig ist, die alte, verstaubte Tube aus dem Badeschrank in die Tonne zu hauen: „Sie hat wie eine Packung Milch ein Haltbarkeitsdatum.“

Wann ist die UV-Strahlung am stärksten? „Die Italiener und Spanier schließen nicht umsonst über den Mittag ihre Läden“, sagt Breitbart. Das habe nichts mit Faulheit zu tun, sagt er  – vielmehr damit, dass zwischen 11 und 15 Uhr die UV-Strahlung besonders stark ist. Also ab in den Schatten. Denn: „UV-Strahlung ist krebserregend.“

Wenn ich mich ordentlich eincreme, bin ich bestens geschützt, oder? Noch wichtiger als die Sonnencreme ist lange Kleidung. „Ich trage im Sommer lange Hosen. Alle Stellen, die der Sonne ausgesetzt sind, creme ich ein“, sagt Habermann. Breitbart kann ihm nur zustimmen: „Das ist die wichtigste Schutzmaßnahme.“ Ein Hut mit Krempe, eine lange Hose, ein T-Shirt und  Schuhe, die den Fußrücken bedecken  – so sei man geschützt.

Bei 30 Grad mit langer Hose – das ist doch viel  zu heiß . . . Dass Kleidung vor der Sonne schützen kann, ohne dass man das ­Gefühl hat, in einer mobilen Sauna herumzulaufen, zeigen Firmen für UV-Kleidung. Zum Beispiel „IQ UV“ aus Walluf (Hessen). „Unsere Kleidung ist ein physikalischer Schutz“, erklärt die Pressesprecherin Sonja Österreicher. „Durch die spezielle Webtechnik entsteht ein Gewebe, das 99 Prozent der Strahlung blockiert und trotzdem atmungsaktiv ist.“ Ein T-Shirt habe ­einen Lichtschutzfaktor von 10, wohingegen ein UV-Shirt einen Lichtschutzfaktor von 300 aufweise.

Ist UV-Kleidung für jeden geeignet? Im Moment werde das Material eher von Wassersportlern, Radfahrern oder Wanderern getragen. Doch Österreicher appelliert an den gesunden Menschenverstand: „Eigentlich muss sich jeder schützen – egal ob im Urlaub oder im Garten.“

Wieso achten Eltern mehr auf ihre Kinder als auf sich selbst? Für den Dermatologen Habermann ist das ein typisches Verhalten: „Eine gute Mutter stellt sich und den Vater immer hinten an. Zuerst sind die Kinder dran.“ Sonnenschutz beim Nachwuchs sei wichtig, sagt Breitbart, denn vor allem für Säuglinge sei UV-Strahlung höchst gefährlich.

Karotten und Pillen

Antioxidantien wird nachgesagt, dass sie einen natürlichen Sonnenschutz von innen bieten, sagt Margret Morlo, Pressesprecherin beim Verband für Ernährung und Diätetik. Am bekanntesten sind die Carotinoide – zum Beispiel das Lycopin in Tomaten oder das Beta-Carotin in Karotten.

Die Behauptung, dass diese Substanzen die Haut schützen, ist aber nur zum Teil richtig, stellt Morlo klar. Man könne gar nicht so viele Antioxidantien zu sich nehmen, dass aus einer sehr hellen und empfindlichen Haut eine wirklich sonnenresistente wird.

Ein Forscherteam aus Mainz arbeitet derzeit an einer speziellen „Pille gegen Sonnenbrand“.

Prof. Wilhelm Stahl vom Institut für Biochemie und Molekularbiologie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf setzt nicht viel Hoffnung in die Pille: „Wenn etwas gegen die Sonne schützen würde, hätte man es schon längst gefunden.“ All die pflanzlichen Inhaltsstoffe, die in der Sonnenschutz-Pille enthalten sein sollen, wurden laut dem Experten bereits geprüft: „Sie sorgen für einen Grundschutz, der einem Lichtschutzfaktor zwischen zwei und drei entspricht, mehr aber auch nicht.“ sei

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