DKV-Report Nur neun Prozent der Deutschen leben gesund

Sport und eine ausgewogene Ernährung sind wichtig für das Wohlbefinden, doch nur neun Prozent der Befragten hierzulande gelingt eine gesunde Lebensführung. 
Sport und eine ausgewogene Ernährung sind wichtig für das Wohlbefinden, doch nur neun Prozent der Befragten hierzulande gelingt eine gesunde Lebensführung.  © Foto: Tetra images/getty images
Berlin / Hajo Zenker 30.07.2018
Immer weniger Menschen bewegen sich ausreichend. Besondere Bewegungsmuffel sind laut DKV-Report die Baden-Württemberger.

Angeblich gibt es ja eine Fitnesswelle. Aber in Wirklichkeit schauen die Deutschen nur gern Sport, selbst treiben wollen sie ihn eher nicht.“ Ingo Froböse, Professor an der Deutschen Sporthochschule in Köln und wissenschaftlicher Leiter des DKV-Reports 2018, ist erschüttert von den Ergebnissen. Und er betont, dass hier keine unerfüllbaren Maßstäbe angelegt wurden.

„Die Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation für körperliche Aktivität sind Mindestempfehlungen, also eigentlich vergleichsweise niedrige Hürden, die man leicht nehmen könnte.“ Demnach sollte jeder Erwachsene pro Woche auf 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive Bewegung kommen.

Deutsche bewegen sich immer weniger

Nicht einmal mehr jeder Zweite schafft das. Der Auftraggeber des Reports, DKV-Vorstandschef Clemens Muth, kommentiert das mit dem Satz: „Deutschland geht die Puste aus.“ Seit der Erstauflage des Reports 2010 bewegten sich die Deutschen immer weniger – dabei sei körperliche Aktivität von zentraler Bedeutung für unser Wohlbefinden. „Das gilt für alle Altersgruppen und fängt schon im Kindesalter an.“

Und es ist längst nicht der Sport allein, der den weitaus meisten Deutschen für eine gesunde Lebensführung fehlt. Die Sportschule hat für die Befragung ein Paket geschnürt: Da geht es neben Bewegung um Ernährung, Nikotin- und Alkoholkonsum sowie um einen gesunden Umgang mit Stress.

Nur neun Prozent leben gesund

Waren es 2010 zur Erstauflage des DKV-Reports 14 Prozent, die den Benchmark für ein gesundes Leben erreichten, schafften es dieses Jahr nur noch neun Prozent. Deutschlandweit wurde erstmals die Zehn-Prozent-Marke unterschritten. Die Hamburger und Sachsen sind Spitzenreiter in punkto gesunder Lebensstil. Zwölf Prozent der Befragten erreichen hier alle fünf Zielwerte. Das Schlusslicht bildet Hessen mit einem Anteil von knapp sieben Prozent. Baden-Württemberg liegt mit knapp neun Prozent noch unter dem Bundesschnitt und damit auf Platz 11.

Sachsen ernähren sich vorbildlich

Auf gesunde Ernährung wird vor allem in Ostdeutschland Wert gelegt. Vorbildlich sind in dieser Hinsicht die Sachsen, wo 59 Prozent der Befragten auf vitaminreiche und ausgewogene Lebensmittel achten. Demgegenüber steht für nur 44 Prozent der Befragten in Nordrhein-Westfalen ein ausgewogener Speiseplan vorn auf der Agenda. Sie bilden damit das Schlusslicht in dieser Kategorie. Baden-Württemberg kommt mit 45 Prozent auf den vorletzten Platz.

Baden-Württemberg Platz 1 auf Anti-Stress-Skala

Während die Baden-Württemberger gleich nach den Hessen die größten Bewegungsmuffel sind, dürfen sie sich zumindest bei der Stressbewältigung auf die Schulter klopfen. Das von Professor Froböse propagierte Prinzip „In der Ruhe liegt die Kraft“ wird im Süden besonders ernst genommen – Platz 1 auf der Anti-Stress-Skala im Bundesländervergleich. 62 Prozent können im Land demnach gut mit den Belastungen des Alltags umgehen. In Sachsen-Anhalt, Hessen und Brandenburg fühlt sich dagegen jeder Zweite gestresst.

Auch Jugendliche sind oft ausgepowert

Generell beklagt Froböse die Tendenz, dass sich immer weniger Deutsche in einer Arbeitswoche ausreichend regenerieren können. „Sicher haben Sie sich auch schon gefragt: Wo sind eigentlich die Pausen hin?“ Zu Beginn der Arbeitswoche fühlen sich noch 72 Prozent der Befragten voller Energie, zum Ende sind es 57 Prozent. Auffällig:  Bei Nettoeinkommen ab 2500 Euro ist der Abstand größer als bei weniger gut Betuchten, das „Regeneration-Gap“ beträgt 22 Prozentpunkte. Anders ausgedrückt: Jeder zweite Gutverdiener ist am Ende der Woche ausgepowert. Aber auch Jugendliche haben Schwierigkeiten, die Akkus aufzuladen. Frisch an den Tagesstart zu gehen, schaffen 22 Prozent der 18- bis 29-Jährigen so gut wie nie.

Ingo Froböse und Clemens Muth sind sich einig, dass Gesundheit ein Bildungsthema sein müsste. Für den DKV-Chef steht „das große Einmaleins der körperlichen Aktivität dem Wissen über die Gesetzmäßigkeiten der Schwerkraft in nichts nach“.

Fitness-Tipps

Es ist nicht schwer, Aktivität in den Alltag einzubauen, sagt Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln. Sein Vorschlag für die Woche:

Täglich morgens und abends: Das Auto etwas weiter weg parken oder eine Station früher aus der Bahn aussteigen. Dann morgens und abends je zehn Minuten stramm gehen. Das macht bei fünf Arbeitstagen schon 100 Minuten Bewegung. Wer das nicht schafft, kann drei Mal in der Woche abends 45 bis 60 Minuten zügig spazieren gehen.

Stündlich: Aufstehen! Gerade wer am Schreibtisch sitzend arbeitet, muss sich zwischendurch bewegen. Am besten pro Stunde einmal aufstehen, zum Drucker gehen, Wasser holen oder einmal vor die Tür. Da man das vertieft in die Arbeit leicht vergisst, hilft es eventuell, sich einen Wecker zu stellen.

Zwischendurch: Treppe nach oben gehen, wo immer es möglich ist. Froböse empfiehlt 40 Stockwerke pro Woche oder sechs am Tag. Dabei variieren: Am ersten Tag jede Stufe nehmen, das trainiert das Herz-Kreislauf-System. Am nächsten Tag nur jede zweite Stufe nehmen – das trainiert das Muskelsystem an Oberschenkel, Unterschenkel und Gesäß.

Am Wochenende: Eine leichte Radtour oder entspannte Wanderung.

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