Wetter Wetter-Prognose: „Der Siebenschläfer hat es in sich“

Hamburg / Gudrun Sokol 27.06.2017

„Siebenschläfer Regen, sieben Wochen Regen – scheint am Siebenschläfer die Sonne, gibt es sieben Wochen Wonne“: Nach dieser alten Bauernregel bestimmt der heutige Siebenschläfer-Tag das Wetter bis Mitte August. Der Hamburger Klima-Forscher Frank Böttcher erklärt, warum das so ist.

Warum gibt ausgerechnet der Siebenschläfertag eine langfristige verlässliche Wetter-Prognose? Seriöse Vorhersagen gelten doch sonst nur für drei bis allenfalls fünf Tage.

Frank Böttcher: Zunächst einmal: Den Siebenschläfertag haben ja quasi Mönche am 27. Juni verankert. Eigentlich fällt dieser Tag nämlich wegen der Gregorianischen Kalenderreform von  1582 auf den 7. Juli, beziehungsweise auf die Zeit um diesen Tag herum. Dann ist die Großwetterlage in Mitteleuropa tatsächlich länger stabil als sonst und eine Trendaussage bis Mitte August möglich. Diese Bauernregel hat es also in sich.

Und warum ist das Wetter um diese Zeit so stabil?

Grund ist das Ende der Frühlingserwärmung auf der Nordhalbkugel. Die Atmosphäre stabilisiert sich. Die Tage werden in dieser Zeit nur langsam kürzer, was für stabilere Wetterverhältnisse mit wenigen Veränderungen sorgt und was häufig bis Mitte August so bleibt. Übrigens: Je weiter man nach Süden kommt, umso mehr trifft die Siebenschläferregel zu.

Wie lässt sich denn das erklären?

Tatsächlich liegt die Trefferquote der Siebenschläfer-Vorhersage für München bei 80 Prozent, in Hamburg sind es nur 55 Prozent. Das hat mit der stabilen Lage der Hochdruckgebiete im Mittelmeerraum und der stärker ausgeprägten Kontinentallage der Region insgesamt zu tun. Je weiter nördlich man in Deutschland ist, umso schneller wechseln Hochs und Tiefs und umso unbeständiger ist das Wetter. Die Lage des Jetstreams spielt eine entscheidende Rolle.

Der berühmte Höhenstrom?

Ja, dieser Jetstream  weht von Westen her quasi in Wellenbewegungen über die Erde und kann in 8000 bis 12 000 Metern Höhe enorme Geschwindigkeiten entwickeln. Liegt der  Jetstream Ende Juni, Anfang Juli weit im Norden, werden die nachfolgenden Tiefdruckgebiete nach Nord-Europa abgelenkt. Deutschland kommt dann häufiger in den Genuss des Azorenhochs mit seinem warmen Sommerwetter. Verläuft der Höhenstrom weiter im Süden, wird das Wetter vom Islandtief bestimmt, und es wird verregnet und kühl.

Und wie wird das Wetter nun  in den nächsten sieben Wochen beziehungsweise in den sieben Wochen nach dem 7. Juli, dem eigentlichen Siebenschläfertag?

Nun, das kann man natürlich erst in den nächsten zwei Wochen sagen. Wie es momentan aussieht, ist das Wetter in Deutschland ja zweigeteilt. Doch nur, weil es jetzt im Süden so heiß und sonnig war, sollte man nicht auf den Urlaub an Nord- und Ostseeküste verzichten. Für eine verlässliche Urlaubsplanung reicht eine Trefferquote von 55 bis 80 Prozent leider nicht aus. Den Liegestuhl also jetzt schon mit seinem Handtuch zu reservieren, wäre verfrüht.

Gilt diese Vorhersage-Zuverlässigkeit auch für andere Jahrestage aus dem  Bauernkalender?

Es gibt ein paar wenige Wetterregeln, die lange Zeit zuverlässig waren. Der Klimawandel hat da einiges durcheinandergebracht; wir haben ja das gesamte System um ein bis eineinhalb Grad erwärmt. Das hat natürlich Auswirkungen. Im Süden Deutschland zum Beispiel bestimmt heute viel häufiger die Südwestlage das Wetter; vor 40 Jahren gab es im Sommer mehr Westlage. Die Folge ist: Die Sommer werden heißer, gewittriger mit höherem Hagel- und Unwetter-Potential.

Zur Person Frank Böttcher, Jahrgang 1968, ist Leiter des Instituts für Wetter- und Klimakommunikation in Hamburg.

Putziger Namens-Verwandter

Siebenschläfer sind 15 bis 20 Zentimeter große Nagetiere, die mindestens sieben Monate Winterschlaf halten. Mit dem katholischen Gedenktag haben sie allerdings wenig zu schaffen. Der verdankt seinen Namen den Sieben Schläfern von Ephesus: Der Legende nach wurden diese vom römischen Kaiser Decius eingemauert, weil sie sich zum Christentum bekannt hatten, überlebten dies aber viele Jahre.