Hamburg / JULIA DERESKO  Uhr
Den "Tatort" als TV-Krimi kennt wohl jeder. Doch wie die reale Arbeit einer Mordkommission aussieht, wissen die wenigsten. Eine Doku gibt Einblick.

Heldenhafte Kommissare, rätselhafte Mordfälle, unerwartete Wendungen: So kennen Zuschauer die Ermittlung von Mordfällen aus unzähligen Krimis. Doch wie sieht der Alltag einer Mordkommission in der Realität aus? Dieser Frage geht Regisseur Ernst August Zurborn nach. In seinem Dokumentarfilm "Tatort Hamburg. Unterwegs mit der Mordkommission" zeigt er die Arbeit der Ermittler aus nächster Nähe.

"Mir lag es am Herzen, mit diesem Film Einblicke in den Arbeitsalltag einer Berufsgruppe zu ermöglichen, die aus nachvollziehbaren Gründen die Medien von ihrer Arbeit größtenteils fernhält", schreibt Zurborn über seinen Film. Ihm gelingt es, einen unverhüllten Blick hinter die Kulissen zu werfen. Er folgt den Ermittlern in vier ganz unterschiedlichen Fällen.

Eine junge Frau ist in einem Parkhaus erstochen worden. Ein älterer Mann liegt erschlagen in einem Antiquitätengeschäft. Ein Taxifahrer wurde in seinem Wagen erschossen. Ein Toter wird unter einer Eisenbahnbrücke aufgefunden; er hat Schnittverletzungen, doch die Todesursache ist unklar. Jeder Fall ist eine neue Herausforderung.

"Wir nehmen erst dann das Rennen auf, wenn der Täter schon weg ist. Üblicherweise hat der Täter dann einen Vorsprung", sagt ein Kommissar im Film. Diesen Vorsprung können die Ermittler im Alltag nur durch die akribische Untersuchung des Tatortes ausgleichen. Die Spurensicherung vor Ort ist die Grundlage für alle weiteren Überlegungen und Ermittlungsschritte: "Wir frieren den Tatort ein. Ab dem Moment, an dem wir am Tatort einlaufen, versuchen wir ihn so jungfräulich, wie er ist, zu erhalten", sagt ein Kommissar.

Jeder Schritt wird genau dokumentiert. Eine ruhige, sachliche Atmosphäre bestimmt die Arbeit. Bis sich die Spur verdichtet und der Tatablauf klar wird, muss eine Menge an Informationen gesammelt werden. "Wenn man zu einem Tatort noch ein weiteres Mal fährt, ist man offener für Eindrücke, die man beim ersten Mal nicht gesehen hat", erzählt ein Kommissar.

Er bleibt wie alle Beteiligten in der Doku ohne Namen. In diesem Film gibt es keine Helden: Die Ermittlungen einer Mordkommission sind Teamarbeit. Die so genannte Mordbereitschaft - in Hamburg sind es insgesamt fünf - besteht aus einem Leiter, der für die Koordination zuständig ist, und vier festen Ermittlern. Zwei von ihnen werden am Tat- beziehungsweise Fundort eingesetzt, zwei im näheren Umfeld des Opfers.

Die Kamera folgt unauffällig den Ermittlern von der Spurensicherung am Tatort bis hin zur Aufklärung eines Falls. Die Dreharbeiten zu der Dokumentation seien nur möglich gewesen, weil sich alle Beteiligten streng an die Vorgaben hielten, berichtet der Regisseur. Absolute Verschwiegenheit und die Verpflichtung, die Ermittlungen zu keinem Zeitpunkt zu behindern, waren wichtige Bedingungen für die Entstehung des Films.

Herausgekommen ist dabei eine Dokumentation, die einen sachlichen, ungeschönten Blick auf das Ungeheuerliche wirft, mit dem eine "Mordbereitschaft" täglich zu tun hat.

Info Tatort Hamburg - Unterwegs mit der Mordkommission, heute, 22.45 Uhr, ARD