Nein, sonderlich bekannt war Jean Castex nicht, als er am Freitag zum neuen Premierminister Frankreichs unter Präsident Emanuel Macron ernannt wurde. Der Nachfolger von Édouard Philippe ist bisher auf nationaler Ebene vor allem durch seinen Spitznamen aufgefallen: Monsieur déconfinement. Das steht für die Aufhebung der Ausgangsbeschränkungen, also die Corona-Lockerungen.

Jean Castex, der neue Premierminister, ist ein Vertrauter von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy

Der 55-Jährige ist Mitglied der Partei „Les Républicains“, also „Der Republikaner“. Bis 2015 hieß die Partei noch UMP. Die beiden Präsidenten Jacques Chirac und Nicolas Sarkozy waren Mitglieder der UMP, wie auch der Vorgänger von Jean Castex, Édouard Philippe. Insofern steht Castex in der Tradition konservativer Politiker an der Seite von Präsident Macron. Inwiefern der neue Premierminister zum „ökologischen Wiederaufbau“ passt, den Macron als Lehre seiner krachenden Niederlage bei den Kommunalwahlen vorstellen will, wird sich zeigen.

Ulm/Göppingen

Präsident Macrons neuer Premierminister war Bürgermeister einer kleinen Gemeinde

Politische Erfahrungen bringt Jean Castex durchaus mit, wenn auch nicht auf höchster Regierungsebene. Seit 2008 war er Bürgermeister von Prades. Die 6000-Einwohner-Gemeinde liegt im äußersten Süden Frankreichs, rund 60 Kilometer von der spanischen Grenze entfernt.
Von 2011 bis 2012 war Castex stellvertretender Generalsekretär des Präsidentenamtes unter Nicolas Sarkozy, weshalb er als Vertrauter des Ex-Präsidenten gilt. Der Generalsekretär ist vergleichbar mit dem Kanzleramtschef in Deutschland. Bevor er für Macron für die Corona-Lockerungen verantwortlich war, war er Beauftragter der Regierung für die Vorbereitung der Olympischen Sommerspiele 2024 in Paris und Vorsitzender der neu gegründeten Nationalen Sportagentur. Jean Castex ist verheiratet und hat vier Töchter.