„Wir brauchen keine verordnete Zwangsquarantäne. Was wir brauchen, ist eine Ausweitung der Tests“, erklärt der Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), Norbert Fiebig zur neuen Social Media-Kampagne des DRV. Unter dem Motto „Coronatest statt Stubenarrest“ wendet sich der Verband gegen die von der Bundesregierung geplante Änderung der Einreisebestimmungen nach Deutschland. Demnach sollen alle Reiserückkehrer, die ab dem 15. Oktober aus einem Risikogebiet nach Deutschland einreisen, in eine fünftägige Zwangsquarantäne. Erst nach diesen fünf Tagen sollen die Rückkehrer überhaupt einen Coronatest machen dürfen, um ihre Bewegungsfreiheit zurück zu gewinnen. Baden-Württemberg gehört bundesweit zu den Vorreitern der umstrittenen neuen 5-Tages-Quarantäne. Sozial- und Gesundheitsminister Lucha will diese offenbar noch vor den ab 23. Oktober anstehenden Herbstferien durchsetzen, während andere Länder noch zögern..

Wegen Quarantäne massive Probleme mit der Ortspolizei der Städte und Gemeinden

Ein negatives Testergebnis soll im Prinzip den angeordneten Hausarrest, wie er sonst nur aus dem Strafverfahren bekannt ist, wieder aufheben – allerdings möglicherweise erst nach Rückmeldung bei den kommunalen Ordnungsämtern, die nicht gerade als bürgerfreundlich bekannt sind und zudem oftmals am Freitagnachmittag geschlossen haben. Am Ende der Sommerferien hat es dadurch bereits erhebliche Probleme und Missverständnisse gegeben.
Reisewarnung Risikogebiete 1. Oktober Willkür bei deutschen Reisewarnungen?

Berlin

DRV will zielgenaue Tests bei der Einreise nach Deutschland

„Die Zwangsquarantäne ist unverhältnismäßig. Das ist der falsche Weg und sie führt die Reisewirtschaft auf direktem Weg in einen zweiten Lockdown“, so Fiebig. „Mit dem zielgenauen Einsatz von Tests bei der Einreise nach Deutschland lässt sich die Einschleppung des Coronavirus wirksam unterbinden. Im Gegensatz zum nicht zu kontrollierenden Wegsperren von Reisenden sorgen Tests für eine adäquate Risikominimierung. Unsere Losung lautet: Test statt Quarantäne.“
Um die Botschaft „Coronatest statt Stubenarrest“ über die diversen Social Media-Kanäle zu verbreiten, hat der DRV mehrere Kampagnenmotive kreiert, die von der DRV-Webseite unter drv.de/test-statt-arrest kostenlos heruntergeladen werden können. Die Motive sind für Instagram und Facebook optimiert und können auch verändert werden. Der Verband ermuntert alle, sich an der Kampagne zu beteiligen.

Pauschalreise bietet in Corona-Zeiten die größte Sicherheit

„Die Pauschalreise bietet zahlreiche Vorteile – gerade in Zeiten von Corona“, erklärt Fiebig. Die Pauschalreise ist von Anfang bis Ende organisiert, und die Reisenden haben rund um die Uhr einen Ansprechpartner an ihrer Seite. Die Reiseveranstalter kennen die Daten der Reisenden und den Aufenthaltsort im Ausland. Dadurch ist eine nahezu lückenlose Nachverfolgung einer Infektionskette, sofern notwendig, schnell und einfach möglich, da die Reiseveranstalter wissen, wer mit wem zusammen in einem Hotel, einem Flugzeug oder einem Transferbus gewesen ist. „Gerade in Corona-Zeiten ist das die sichere Art zu reisen“, sagt der DRV-Präsident.

Stuttgart

Wie ist wichtiger als wo: „Auslandsreisen nicht stigmatisieren“

Der wahrscheinlichste Ort für eine Infektion ist laut Robert-Koch-Institut immer noch Deutschland. „Auslandsreisen zu stigmatisieren ist nicht sachgerecht, verunsichert die Menschen und kommt einem Berufsverbot für Reisebüros und Reiseveranstalter gleich“, betont der DRV-Präsident. Darüber hinaus fänden die allermeisten Infektionen – mindestens zwei Drittel – im privaten Umfeld statt, etwa bei Familienfeiern oder im Freundeskreis. „Urlaub in Deutschland ist nicht per se sicherer als im Ausland“, so Fiebig. „Dem RKI liegen genaue Daten vor, welche Reiserückkehrer ein erhöhtes Risiko haben, das Coronavirus nach Deutschland zu bringen. Rückkehrer von Familienbesuchen aus dem Kosovo zum Beispiel tragen Covid-Infektionen nach Deutschland zurück, Spanien-Urlauber nicht. Die Infektionsquote bei Kosovo-Rückkehrern liegt aktuell bei über fünf Prozent, bei Spanien-Rückkehrern gerade mal bei 0,26 Prozent.“ Das ist nicht wesentlich höher als eine Quote, die auch bei Zufallstests in der deutschen Bevölkerung zu erwarten wäre.

Nur 0,26 Prozent der Spanien-Rückkehrer infiziert

Außerdem hatte der DRV darauf hingewiesen, dass es beim sicheren Reisen weniger auf den Ort als auf die Art der Aktivitäten ankomme. So kann ein beschaulicher Finca-Aufenthalt auf Mallorca im Gegensatz zum Party-Urlaub in Kroatien völlig unproblematisch sind. Wirtschaftsexperten gehen zudem davon aus, dass Reisebeschränkungen wie zu Ostblockzeiten die gerade beginnende konjunkturelle Erholung ausbremsen könnten, da sie auch die Bewegungsfreiheit von Arbeitskräften wie Monteuren, Vertrieblern und anderen Geschäftsreisenden stark beeinträchtigen.

Kleinwalsertal als gefährlich eingestuft und Türkei als harmlos

Und der eine oder andere Mitbürger mag in letzter Zeit auch einen Trend zu staatlicher Bevormundung ausgemacht haben – etwa in Bezug auf das Grundrecht der für eine freie Gesellschaft lebenswichtigen Bewegungsfreiheit zumindest im Inland.
Zuletzt war auch eine Diskussion um Willkür bei Reisewarnungen entbrannt. So musste das Robert-Koch-Institut nach der überraschenden Einstufung von Tirol und Vorarlberg als Risikogebiete zumindest in Bezug auf die Enklaven Jungholz und Kleinwalsertal wieder zurückrudern. Hingegen gab es für die Türkei trotz Manipulation von Corona-Zahlen großzügige Ausnahmen von der Reisewarnung des Auswärtigen Amts. Ein starrer Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro Woche und 100.000 Einwohnern ist unter Epidemiologen unterdessen durchaus umstritten, so Medienberichte.

Ulm/Schwerin

Folgende Nachbarn gelten derzeit als Risikogebiete:

  • Schweiz (nur Kantone in der Romandie)
  • Frankreich (Ausnahme: Region Grand Est mit Straßburg und Elsass)
  • Luxemburg
  • Belgien
  • Niederlande (Ausnahme: Limburg und Zeeland)
  • Dänemark (bislang nur Kopenhagen mit Hovedstaden)
  • Tschechien