Lebus 2000 Silbermünzen im Boden

1000 Jahre alt: Münzen aus dem Silberschatz von Lebus.
1000 Jahre alt: Münzen aus dem Silberschatz von Lebus. © Foto: privat
Lebus / INES RATH 09.01.2016
Einen Silberschatz hat der Hobbyarchäologe Frank Slawinski (56) bei Lebus in Brandenburg entdeckt. Die 2000 Münzen stammen aus der Slawenzeit vor etwa 1000 Jahren. Es ist nicht Slawinskis erster Fund.

"Es wurde mal wieder Zeit für einen großen Fund", sagt Frank Slawinski lax. Zwölf Jahre sind vergangen, seit er im Aushub für einen Hausbau auf dem Lebuser Schlossberg auf einen Bronzeschatz gestoßen ist. Jetzt hat der Lebuser Brandenburgs größten Silberschatz aus der späten Slawenzeit gehoben.

3. Oktober 2015, Tag der Deutschen Einheit. Während seine Nachbarn den sonnigen Feiertag auf einem der vielen Feste bei Bier und Grillwurst verbringen, geht Slawinski mit seiner Metallsonde an den Oderhängen zwischen Lebus (Märkisch-Oderland) und Frankfurt "auf Feldsuche". Er ist einer der wenigen vom Landesamt für Denkmalpflege ausgebildeten ehrenamtlichen Archäologen. Die Suche ist seine Leidenschaft, sein Erfolg beachtlich.

Ein Ton, den die schwarze Metallsonde plötzlich von sich gibt, lässt Slawinski aufhorchen. Er kann unterscheiden, ob das Suchgerät Metallschrott aus den Kämpfen zum Kriegsende oder Edelmetall anzeigt. Er beginnt zu graben.

In nur 30 Zentimetern Tiefe stößt Slawinski auf die ersten Silbermünzen. Sie sind jeweils nur ein Gramm schwer, messen im Durchschnitt 16 Millimeter. "60 bis 70 Stück davon lagen verstreut herum."

Dann stieß Slawinski auf einen zerborstenen Tonkrug. Um die 1800 Silbermünzen lagen darin. "Sogar der grob gewebte Leinenstoff, in den man sie gewickelt hatte, war noch zu erkennen - einfach toll."

Er hat bis zum Einbruch der Dunkelheit gesucht und alles mit nach Hause genommen. Zwar dokumentierten die Experten vom Landesamt an solchen Fundstellen gern selbst alles im Originalzustand, sagt Slawinski. Doch die Gefahr, dass ein illegaler Sondengänger auf den Silberschatz stoßen und ihn stehlen würde, sei zu groß gewesen. Gerade im Oderbruch treffe er immer wieder Schatzjäger.

Slawinskis Fund macht seinem Namen alle Ehre. Denn die Silbermünzen sind so genannte Sachsen- oder Hochrand-Pfennige. Sie seien rund 1000 Jahre alt, sagte er, stammten damit aus der späten Slawenzeit.

Slawinski, von Beruf Trockenbauer, ist an den darauf folgenden Tagen nach Feierabend wieder zum Fundort, um zu suchen. Er fand weitere einzelne Münzen. Erst eine Woche später kamen die Experten vom Landesamt zur groß angelegten Nachsuche. Sie hat noch 200 weitere Silbermünzen zutage gebracht.

Der ehrenamtliche Archäologe war von den Experten lange scheel angeschaut worden. Denn die archäologische Suche mit Metalldetektoren war verpönt. Das hat sich spätestens mit dem ersten Lebuser Schatzfund im August 2003 geändert.

Damals waren die Experten des Landesamtes auf Slawinski zugekommen, nachdem zwei Bronzebeile in einer Baugrube auf dem Schlossberg gefunden worden waren. Im Bauschutt, der schon auf eine Deponie in Podelzig (Märkisch-Oderland) gebracht worden war, lokalisierte die Sonde des Lebusers den Schatz, der als "Bronzehort von Lebus" in die Annalen einging: mehr als 100 Beile, Halsschmuck und ein Schwert. Das Bronze-Werkzeug ist knapp 3000 Jahre alt und mittlerweile im Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg an der Havel zu sehen.

Dass der von der früheren Ministerin Johanna Wanka damals dort und nicht in Lebus präsentiert wurde, hat Slawinski geärgert. Ebenso den Lebuser Heimatverein. Er unterhält das Museum "Haus Lebuser Land". Mehrere tausend Euro an Spenden hat der Verein damals sammeln müssen, um wenigstens einige Repliken aus dem Bronzeschatz anfertigen lassen zu können.

Diesmal soll es anders sein. Er habe sich dafür eingesetzt, dass der Fund in Lebus präsentiert wird, sagt Slawinski, und zwar von ihm selbst. Das soll am 22. Januar geschehen.

Slawinskis erster Silbermünzfund ist es nicht: Er war dabei, als in Stolpe in der Uckermark ein Fürstengrab aus der Slawenzeit freigelegt wurde. In der Nähe waren die Archäologen auf ein Depot mit 800 Silbermünzen gestoßen.

Slawinski war an den Suchen am Lossower Burgwall, dem Slawenwall bei Reitwein (Märkisch-Oderland) und an anderen Vorhaben des Archäologischen Landesamtes beteiligt. Inzwischen ist er Mitglied der Archäologischen Gesellschaft Berlin-Brandenburg.

Er habe eine weitere "sehr interessante Fundstelle" im Lebuser Umland in petto, sagt Slawinski. Aus Sicherheitsgründen möchte er den Ort noch nicht verraten. Weniger geheim ist sein ganz spezieller Wunsch: Nach dem Bronze- und dem Silberschatz wäre "in etwa zehn Jahren ja dann wohl ein Goldschatz dran".

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